# taz.de -- Protestkonzerte in Brandenburg: Musizieren gegen Abschiebungen
       
       > Das Aktionsorchester Lebenslaute hat die Baustelle des
       > Bundespolizeipräsidiums in Potsdam besetzt, um gegen den Umgang mit
       > Geflüchteten zu protestieren.
       
 (IMG) Bild: Chor und Orchester der „Lebenslaute“ vor dem unfertigen Bundespolizeipräsidium in Potsdam
       
       Berlin taz | Die Überraschung war gelungen. Die Bauarbeiter kamen aus dem
       Staunen nicht hinaus. Rund 100 Personen knipsten am Freitagvormittag den
       Zaun auf und besetzten die Baustelle des Bundespolizeipräsidiums am Rande
       von Potsdam. Sie stellten sich auf der Treppe vor dem Gebäude auf, packten
       Trompeten, Celli, Flöten und Notenständer aus. Eine Frau schwang den
       Taktstock.
       
       Mehr als eineinhalb Stunden spielte das [1][Aktionsorchester
       „Lebenslaute“], das seit 1986 jedes Jahr mit unangemeldeten Konzerten an
       ungewöhnlichen Orten für Aufmerksamkeit sorgt. Auftritte gab es etwa schon
       auf Truppenübungsplätzen, bei [2][Rüstungsfirmen] und auf der [3][Berliner
       Stadtautobahn].
       
       Die diesjährige Tour steht unter dem Titel „Mit Pauken und Trompeten gegen
       Grenzzäune und Raketen“. „Wir sind unter anderem zum Neubau des
       Bundespolizeipräsidiums gegangen, weil von dort auch Abschiebungen von
       Geflüchteten geplant und koordiniert werden“, erklärte eine Aktivistin von
       Lebenslaute gegenüber der taz.
       
       Kurz bevor es losging, versuchten Polizisten, den Musiker*innen die
       Notenblätter wegzunehmen. Doch das Orchester konnte das Konzert trotzdem
       spielen. Im Repertoire: antirassistische Songs wie „Grenzen“ von der
       Liedermacherin Dota Kehr oder „Leave no one behind“ des Rappers Sechser von
       Teuterekordz, den er am Freitag gemeinsam mit „Lebenslaute“ intonierte.
       
       ## Unterstützung vom „Adenauer“
       
       Unterstützung bekamen die Politikmusikant*innen vom Zentrum für
       politische Schönheit. Dessen [4][Aktionsbus „Adenauer SRP+“] stand auf der
       anderen Seite des Zauns. In den Musikpausen wurde über Lautsprecher ein
       Text verlesen, der die Polizist*innen aufrief, keine rechtswidrigen
       Befehle umzusetzen.
       
       Ziel des Appells war, Abschiebungen zu verhindern. Möglich aber, dass er
       auch am Freitag direkt Wirkung zeigte. Die rund 60 anwesenden
       Beamt*innen verzichteten zunächst auf eine Räumung des Konzerts. Gegen
       12.30 Uhr mussten die Musiker*innen und ihre Unterstützer*innen
       jedoch das Gelände verlassen, nachdem ihre Personalien aufgenommen worden
       waren. Es seien Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Verstößen gegen das
       Versammlungsgesetz aufgenommen worden, teilte die Polizei später mit.
       
       Bereits am Donnerstag hatte „Lebenslaute“ ein sogenanntes
       Willkommenskonzert vor der [5][Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in
       Eisenhüttenstadt] gespielt. Daran hätten sich viele Schutzsuchende
       beteiligt, hieß es vom Orchester. Auch die Gruppe „Women in Exile“ sang mit
       und schilderte in Redebeiträgen [6][die schlechten Lebensbedingungen in der
       Unterkunft]: Mitarbeiter*innen beträten unangemeldet die Wohnräume;
       zudem sei es verboten, Besuch zu empfangen.
       
       Am Samstag setzten die Musiker*innen ihre Tour in Potsdam fort und
       traten vor dem Denkmal für den unbekannten Deserteur in der Potsdamer
       Innenstadt auf. Dort sprachen auch russische und ukrainische
       Kriegsdienstverweigerer.
       
       10 Aug 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.lebenslaute.net/
 (DIR) [2] /AktivistInnen-blockieren-Rheinmetall/!5707547
 (DIR) [3] /Protest-gegen-A100/!5867348
 (DIR) [4] /Zentrum-fuer-Politische-Schoenheit/!6065087
 (DIR) [5] /Erstaufnahmeeinrichtung-Eisenhuettenstadt/!5959279
 (DIR) [6] /Fluechtlingslager-in-Eisenhuettenstadt/!6094971
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Nowak
       
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