# taz.de -- Angebot in psychischen Krisen: Ibuprofen für die Seele
> Der Weg ins Gesundheitssystem ist für Jugendliche häufig mit Hürden
> verbunden. Das Angebot der Safe-Space-Apotheken kann eine erste
> Anlaufstelle sein.
(IMG) Bild: Die Burger-Apotheke in Steglitz ist eine von 51 Safe-Space-Apotheken in Deutschland
Wer in der Schule gemobbt wird, gerade sitzen geblieben ist oder aufgrund
einer ausbleibenden Periode eine Schwangerschaft befürchtet, kann sich an
eine sogenannte Safe-Space-Apotheke wenden, um einen ersten Ansprechpartner
zu finden. Das Projekt wird vom [1][Marktplatz der Gesundheit] initiiert –
einer Organisation mit Sitz in Nordrhein-Westfalen. 51 Apotheken nehmen
bisher bundesweit an der Aktion teil.
Eine davon ist seit zwei Jahren die [2][Burger-Apotheke in Steglitz] unter
der Führung von Geschäftsführer Norbert Peter. Mangelnde Anonymität, lange
Wartezeiten und Unwissenheit über bestehende Angebote erschweren
Jugendlichen den Zugang zum Hilfesystem. Apotheken können hier eine
Brückenfunktion übernehmen. „Ich glaube, Apotheken sind das
niederschwelligste Angebot, weil man jederzeit kommen kann“, so Peter.
Um die Jugendlichen an passende Stellen vermitteln zu können, greift Peter
auf sein langjähriges Netzwerk an Kontakten zurück. Eine Gynäkologin ist
darunter, ein Kinderpsychiater. Aber auch an Allgemeinärzt*innen oder
die Nothilfe beim Bezirksamt kann vermittelt werden. Peters Kontakte können
die Jugendlichen nutzen, um möglicherweise schneller einen Termin zu
bekommen.
## Bin ich normal?
Die Idee zum Konzept kommt von Jugendlichen selbst. Die [3][Organisation
„Our Generation Z“] (OGZ) entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Marktplatz
der Gesundheit das Angebot. Auf der Seite der OGZ können Jugendliche auch
mit Gleichaltrigen chatten oder auf dem [4][Instagram-Kanal] erste
Informationen einholen. Online und vor Ort soll so eine „Hilfe ohne Hürden“
gewährleistet werden.
Finanzielle Anreize gibt es für die Apotheken keine. „Ich habe noch nicht
einen Cent gesehen. Ich wüsste aber auch nicht, wo ich das beantragen
könnte“, erklärt Peter. Die Arbeitszeit, die seine Mitarbeitenden in das
Projekt investieren, trägt der Apotheker selbst. Die Motivation für seine
Teilnahme basiert auf reiner Überzeugung: „Ich habe selbst vier Kinder, da
ist mir schon klar, dass sie mit ihren Problemen nicht immer zu den Eltern
kommen.“
In seinem Berufsbild als Apotheker versteht Peter sich als Vollversorger
für die Anliegen der Kund*innen. Dem Apotheker im weißen Kittel bringen die
Menschen Vertrauen entgegen. Dieses Vertrauen möchte Peter zurückgeben:
„Ich finde, das ist Teil unserer sozialen Verantwortung.“
Die Ratsuchenden kommen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Manche kämpfen
mit Einsamkeit oder fühlen sich unverstanden. Häufig geht es um die Frage
„Bin ich normal?“. Bei Suizidgedanken oder -plänen greift der Apotheker ein
und wählt den Notruf. „Wir sind keine Therapeuten, das wollen wir auch gar
nicht sein.“ Bei den Safe-Space-Apotheken handelt es sich nicht um ein
therapeutisches Angebot. Dazu fehlt den Apotheker*innen auch
schlichtweg die Ausbildung.
So richtig angenommen wird das Angebot vor Ort noch nicht. Fünf Ratsuchende
kamen in den vergangenen zwei Jahren in Peters Apotheke. Das könnte auch an
der mangelnden Werbung liegen. Der Apotheker ist trotzdem überzeugt, dass
Jugendlichen schon dadurch geholfen ist, dass sie über das Angebot Bescheid
wissen.
7 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.mein-mdg.de/
(DIR) [2] https://burger-apotheke.de/
(DIR) [3] https://www.mein-mdg.de/ogz
(DIR) [4] https://www.instagram.com/ourgenerationz/
## AUTOREN
(DIR) Anna Simbürger
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