# taz.de -- Umstrittener Wahlkampfclip Berliner CDU: Alles Antisemitismus
> Ein Wahlkampfvideo der Berliner CDU legt nahe, dass propalästinensische
> Demonstrierende als „Judenhasser“ gelesen werden können. Online sorgt es
> für Empörung.
(IMG) Bild: CDU ignoriert im Clip Polizeigewalt auf palästinasolidarischen Demos
Dramatische Hans-Zimmer-mäßige Musik, marschierende Soldaten, brennende
Wälder, behelmte Polizisten mit Schlagstöcken und Schutzschilden. „Die Welt
ist aus den Fugen geraten“, ertönt eine Stimme im apokalyptischen
[1][Wahlkampfvideo der Berliner CDU]. „Und Berlin steckt mittendrin.“ Es
gehe darum, ob man Antisemitismus nur beklage, heißt es. Dazu wird das
Holocaust-Mahnmal eingeblendet, unmittelbar gefolgt von einem Fahnenmeer
palästinensischer Flaggen bei einer palästinasolidarischen Demo, unterlegt
mit den Worten: „… oder Judenhassern wirklich die Stirn bieten.“
In den sozialen Medien reagieren Nutzer*innen fassungslos auf den
CDU-Clip. „Das muss doch ein schlechter Witz sein“, heißt es oder „Es ist
einfach beschämend“. Ein Influencer kritisiert, es würden „Menschen, die
gegen Völkermord und Vertreibung sind, mit den Nazis gleichsetzt“.
Tatsächlich schert der Spot alle über einen Kamm: Die palästinensische
Fahne wird zum Zeichen von Antisemitismus, palästinasolidarische
Demonstrant*innen pauschal mit Judenhassern gleichgesetzt und arabische
Menschen zum Feindbild stilisiert. Für eine differenzierte Beobachtung
bleibt kein Platz, dabei ist die dringend geboten.
Dass es auf propalästinensischen Demos immer wieder Menschen gibt, die
Israel das Existenzrecht absprechen oder die terroristische Hamas mit
Parolen, wie „Glory to the resistance“ feiern, ist unbestritten. Seit dem
Terrorangriff der Hamas auf Israel leitete die Berliner Polizei mehr als
12.000 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit propalästinensischen
Demonstrationen ein. Was der CDU-Clip jedoch ausblendet: die Kritik an der
übermäßig starken Reglementierung der Demos sowie [2][an den Repressionen
gegen die palästinasolidarische Bewegung und die Polizeigewalt,] mit der
auch friedlicher Protest niedergeschlagen wird.
Propalästinensische Demos sind der CDU seit jeher ein Dorn im Auge.
Gemeinsam mit der SPD wurden im vergangenen Jahr [3][rechtlich umstrittene
Sprachauflagen für propalästinensische Demonstrationen beschlossen,] die
nur noch Deutsch und Englisch erlaubten. Der innenpolitische Sprecher der
CDU, Burkard Dregger, drohte den Universitäten nach Hörsaal-Besetzungen an
der Humboldt-Universität und der Alice-Salomon-Hochschule mit Kürzungen.
Jüngst drängte die Partei darauf, die „öffentliche Ordnung“ als neue
Eingriffskategorie im Versammlungsrecht zu verankern. Damit sollen in
bestimmten Einzelfällen Eingriffe in die Versammlungsfreiheit ermöglicht
werden. Währenddessen warnen UN, Europarat und Amnesty International, dass
in Berlin durch die Niederschlagung israelkritischer Proteste die
Grundrechte eingeschränkt werden.
## Spaltung statt Zusammenhalt
Das Wahlkampfvideo, mit dem die Landespartei angibt „Berlin zusammenhalten“
zu wollen, setzt vor allem auf Spaltung: „Die, die nur schreien“, begleitet
von Bildern einer propalästinensischen Demonstration, „oder eine CDU, die
Berlin zusammenhält?“. Beim Thema Bildung heißt es: „Es geht darum, was
unsere Kinder lernen: Richtig gendern oder richtig lesen, schreiben,
rechnen?“ In den sozialen Medien fragen Nutzer*innen: „Was ist eigentlich
der Unterschied zwischen der CDU und der AfD?“ oder „CDU-Verbot wann?“
Zwischenzeitlich war das Video von der Website der Berliner Landespartei
verschwunden, offenbar jedoch nicht wegen inhaltlicher Kritik. Am Sonntag
wurde es erneut hochgeladen. Auf Nachfrage der taz heißt es, das Video sei
wegen eines erkennbaren Logos leicht verändert worden. Entfernt wurden
Szenen, in denen die beiden Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft
Berlin-Mitte mbH (WBM) sowie das Logo der Gewobag zu erkennen waren.
6 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lilly Schröder
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