# taz.de -- Wegen antisemitismuskritischer Besetzung: Antifa-Zentrum in Hellersdorf attackiert
> Mit massiver Gewalt sollen Angreifer ein autonomes Zentrum attackiert
> haben. Eine Gruppe hatte dort Räume besetzt, um internen Antisemitismus
> anzuprangern.
(IMG) Bild: Am Stadtrand von Berlin, in Marzahn-Hellersdorf. Das Jugendzentrum dort sah sich bisher vor allem durch die extreme Rechte bedroht
Zwischen zwei Gruppen aus dem Umfeld des autonomen Jugendzentrums (AJZ) in
Hellersdorf kam es am Samstag zu tätlichen Auseinandersetzungen mit teils
massiven Verletzungen. „Militante Antisemiten blockieren alle Eingänge“,
sie würden Anwesende mit Latten und Steinen angreifen und ankommende
Unterstützer*innen mit Feuerlöschern besprühen, schrieb eine Gruppe
über den Instagram-Account „Reclaim La Casa“ am Samstag. Später seien
demnach auch Angreifer auf das Dach geklettert und hätten Mitglieder ihrer
Gruppe angegriffen und ins Gesicht getreten. Die [1][Polizei bestätigt] die
Angriffe, vor dem Jugendzentrum seien etwa 20 vermummte Personen
erschienen.
„Wir sind schockiert, dass die Angreifer billigend schwerste Verletzungen
in Kauf genommen haben, indem sie ungeschützte Leute mit Steinen
angegriffen und auch Leute übers Dach gejagt haben“, sagt einer der
Besetzer der taz. Einer Person, die sich als Unterstützerin näherte, hätten
die Angreifer mit einem Teleskop-Stab den Arm gebrochen. „Wir konnten das
Haus nur unter Polizeischutz sicher verlassen“, sagte er. Die Gruppe habe
sich daher entschlossen, die Besetzung in der Nacht zu beenden und dankte
allen, die zur Unterstützung nach Hellersdorf gekommen waren.
Zuvor hatten sie mehrere Räume des AJZ besetzt. Als Grund dafür nennen die
Besetzer*innen ein „massives Problem mit Antisemitismus“. Über
Instagram verbreiteten sie am Samstag ein Statement mit dem Titel
„Besetzung gegen Antisemitismus“. Nach eigenen Angaben wollen sie mit ihrer
Aktion das dortige Jugendzentrum mit dem Veranstaltungsraum La Casa
„jüngsten Vereinnahmungsversuchen entziehen“ und sich gegen „Ignoranz oder
sogar Legitimierung von Antisemitismus“ wenden.
Nach dem Beginn der Besetzung hatten wiederum eine Gruppe unter [2][der
Überschrift „Defend New Casa“] (verteidigt das neue Casa) zur „sozialen und
kulturellen Verteidigung“ aufgerufen. Die Besetzung bezeichneten sie als
„rücksichtslose Eskalation seitens der Zionisten, die mit eisernem Griff an
ihrer verdrehten Art des Antifaschismus festhalten“. Die Gruppe schreibt
darin, sie wolle nicht zulassen, „dass sie unsere Räume der Hoffnung und
des Widerstands mit bigotten Positionen und Ideen füllen“. Defend New Casa
rief Unterstützer*innen dazu auf, am Samstag zum AJZ zu kommen. „Das
ist eine Situation der aktiven Verteidigung, und es ist klar, dass die
Zionisten ein für alle Mal verschwinden müssen“, schreiben sie.
Damit [3][eskaliert ein Konflikt, der sich nach Darstellung der Besetzer
schon angebahnt] hatte. Die Besetzer*innen werfen in ihrem
ausführlichen Statement „neu hinzugekommenen“ Mitgliedern vor, sich „im
Berliner Osten geradezu wahnhaft der Bekämpfung von ‚Zios‘ oder ‚Anti-Ds‘“
(Also Zionist*innen oder Antideutschen) zu widmen. Während eines
Neo-Nazi-Aufmarschs hätten Personen aus diesem Umfeld gegen den Schutz des
Hauses mobilisiert und dabei die Parole „Achtung, Zios“ genutzt. Sie hätten
außerdem an einer Übernahme des Hauses gearbeitet, um dieses als „space
without zionists“ (also als Ort ohne Zionist*innen) aufzubauen.
Außerdem hätten die Personen regelmäßig Graffiti und Aufkleber gegen
Antisemitismus und sogar zu KZ-Gedenkstätten sowie zu den Hamas-Geiseln
abgekratzt und übermalt. Das Haus hätten sie mit Tags wie „Zionismus =
Faschismus“, „End Israel“, „Zerschlagt den Zionismus“ oder „Glory to the
Resistance“ sowie mit sogenannten Hamas-Dreiecken übersäht, und sie hätten
Hakenkreuze in Davidsterne gekritzelt. Ebenso hätten sie Texte gepostet,
die Nationalismus verharmlosten und Israel mit Nazi-Deutschland
gleichsetzten. Aus einem Transparent hätten sie nach dem Satz „Freedom and
Peace for the Palestinian People“ ein hinzugefügtes „and the Jews“
herausgeschnitten.
## Antifaschistischer Minimalkonsens
Aktivitäten von vielfältigen Gruppen im AJZ seien „nie widerspruchsfrei“
gewesen und offen für kritischen Austausch, heißt es in dem Statement.
Teils sei man auch mit dem Einvernehmen auseinandergegangen, dass eben zu
bestimmten Punkten die Meinungen auseinandergingen. Doch sie seien immer
von „einem antifaschistischen Minimalkonsens“ getragen gewesen, der neben
dem Engagement gegen Rassismus und Sexismus auch das gegen jeden
Antisemitismus einschließe. Seit 25 Jahren sei das AJZ damit im „von extrem
rechten Aktivitäten geprägten“ Randbezirk zahlreichen Bedrohungen und
Angriffen von außen ausgesetzt gewesen. Aktuell sei es wieder bedroht,
diesmal aber „durch antisemitische Aktivist*innen und deren Raumnahme
von innen“.
## Person des Hauses verwiesen
Eine Person, die „als zentraler Akteur der antisemitischen Aktivitäten und
Raumnahme“ aufgefallen sei, habe sich trotz Veto im Haus „breit gemacht“
und sei mehrfach von Bewohner*innen zum Verlassen aufgefordert worden.
Diese Person hätten sie nun „vor die Tür gesetzt“ und auch die Absicht,
weitere Aktivist*innen aufzufordern, das AJZ zu verlassen. Nach den
„Lähmungserscheinungen infolge der Versuche antisemitischer Raumnahme“
wollen die Besetzer*innen das AJZ als antifaschistisches Zentrum
verteidigen und wiederbeleben. Dazu seien entsprechende Veranstaltungen in
der nächsten Zeit geplant.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Gruppe über eine Bestzung von Räumen
versucht, Antisemitismus anzuprangern. Im November hatten
[4][Student*innen der Technischen Universität (TU) mehrere Tage lang die
Räume der Studierendenvertretung] besetzt. Sie hatten dem sich damals
[5][neu konstituierten AStA vorgeworfen, nicht antisemitismuskritisch
genug] zu sein. Das AJZ stellt sich selbst in dem Statement in eine Reihe
mit Orten wie der [6][Roten Flora in Hamburg], mit dem [7][Conne Island in
Leipzig], dem Alhambra in Oldenburg, an denen sie ebenfalls Konflikte um
„antisemitische Raumnahme“ beklagen, sowie Angriffe auf das About Blank und
[8][das Bajszel in Berlin].
5 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2026/pressemitteilung.1689603.php
(DIR) [2] https://asanb.noblogs.org/?event=dringendeer-aufruf-zur-sozialen-und-kulturellen-verteidigung-vom-la-casa-free-palestine-es-lebe-der-widerstand-%F0%9F%96%A4%E2%9D%A4%EF%B8%8F%F0%9F%92%9A%F0%9F%A4%8D
(DIR) [3] /Linker-Antisemitismus/!5966630
(DIR) [4] /Nahost-Debatte-an-Hochschulen/!6124407
(DIR) [5] /Debatte-um-Antisemitismus-an-Hochschulen/!6124591
(DIR) [6] /Nahost-Konflikt-in-der-linken-Szene/!6007672
(DIR) [7] /Streit-innerhalb-der-Linken/!6140116
(DIR) [8] /Nahost-Konflikt-in-Berlin/!6117456
## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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