# taz.de -- Wie sich Arbeitskampf ändert: Deutsche streiken seltener und kürzer
       
       > Beschäftigte in Deutschland streiken seltener. Arbeitskämpfe und
       > ausgefallene Arbeitsstunden sind 2025 einer Schätzung zufolge weiter
       > zurückgegangen.
       
 (IMG) Bild: Streik: 645.000 ausgefallene Arbeitstage
       
       epd | Weniger Streiks und kürzere Ausfallzeiten: Beschäftigte und
       Gewerkschaften haben laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung 2025
       seltener Arbeitskämpfe geführt als in den Jahren zuvor. Es habe
       schätzungsweise 261 Arbeitskämpfe gegeben, heißt es in der am Donnerstag in
       Düsseldorf veröffentlichten Arbeitskampfbilanz des Wirtschafts- und
       Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung. Das waren weniger
       als im Vorjahr mit 286 und im Rekordjahr 2023 mit 312 Arbeitskämpfen. Die
       Zahl sei rückläufig, liege aber über den Jahren unmittelbar vor der
       Coronapandemie.
       
       An den [1][Streiks] im vergangenen Jahr haben den WSI-Berechnungen zufolge
       552.000 Menschen teilgenommen. Dabei seien 645.000 Arbeitstage ausgefallen.
       Beide Werte liegen deutlich unter den Ergebnissen von 2024. Damals hatten
       schätzungsweise 912.000 Menschen teilgenommen, was zu 946.000 ausgefallenen
       Arbeitstagen führte. Ein Grund dafür sei, dass in der Metall- und
       Elektroindustrie 2025 im Gegensatz zum Vorjahr keine Tarifverhandlungen
       stattfanden und damit auch keine [2][Warnstreiks]. Die Branche mit ihren
       3,7 Millionen Beschäftigten beeinflusse die Streikstatistik deutlich.
       
       ## Eher kurze als unbefristete Flächenstreiks
       
       Im langfristigen Mittel liege die Zahl der von Streiks begleiteten
       Konflikte jedoch weiterhin auf relativ hohem Niveau, schreiben die
       WSI-Wissenschaftler Thilo Janssen und Heiner Dribbusch. Gründe dafür seien
       etwa die massiven [3][Kaufkraftverluste] der Vorjahre, die auch 2025 noch
       nicht in allen Branchen vollständig ausgeglichen gewesen seien. Zudem
       würden Beschäftigte und ihre Gewerkschaften viele Arbeitskämpfe führen, um
       gegen die seit Jahren sinkende Tarifbindung durch Arbeitgeber anzugehen.
       
       Die Zahlen deuteten auch auf eine geänderte Arbeitskampfführung der
       Gewerkschaften hin, hieß es. Unbefristete Flächenstreiks seien zur Ausnahme
       geworden, stattdessen gebe es eher einzelne, kurze Arbeitsniederlegungen.
       
       ## Streikgründe oft mehr Geld und Tarifbindung
       
       Die Gründe für die Streiks waren der Analyse zufolge unterschiedlich: In
       rund der Hälfte der Arbeitskämpfe sei es ausschließlich um ein höheres
       Entgelt gegangen, in weiteren rund 15 Prozent um Konstellationen aus
       Entgelt- und Arbeitszeitregelungen. Bei mehr als jedem vierten Arbeitskampf
       (27 Prozent) hätten die Beschäftigten um die Tarifbindung ihres
       Unternehmens gerungen, vor allem um Haustarifverträge.
       
       Die meisten Arbeitskämpfe seien von den im DGB organisierten Gewerkschaften
       geführt worden, hieß es. In der öffentlichen Aufmerksamkeit seien jedoch
       häufig auch kleinere Berufs- und Spartengewerkschaften präsent, die wegen
       ihrer spezifischen Stellung große Auswirkungen hätten, hieß es. Als
       Beispiele wurden hier etwa die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)
       und die im Luftverkehr aktive Vereinigung Cockpit (VC) genannt.
       
       Im internationalen Vergleich werde in Deutschland weiterhin vergleichsweise
       wenig gestreikt, hieß es. Auf internationalen Spitzenplätzen stünden 2025
       Finnland, Frankreich, Kanada und Belgien mit zwischen 100 und 92
       Ausfalltagen im Jahresschnitt. Deutschland liege nach Großbritannien,
       Norwegen und den USA mit 32 bis 23 Tagen im Mittelfeld.
       
       Die seit 2008 veröffentlichte Arbeitskampfbilanz des WSI basiert den
       Angaben zufolge auf Gewerkschaftsangaben, Pressemeldungen und
       Medienrecherchen.
       
       2 Jul 2026
       
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