# taz.de -- Wegbrechende Spritsteuer: Die Briten nennen es Fahrstromsteuer
> Mit der Antriebswende bei Autos schrumpfen die Mineralölsteuereinnahmen
> durch Verbrennersprit. Nun könnten neue Abgaben bei E-Fahrzeugen kommen.
(IMG) Bild: Besserstellung gegenüber dem Verbrenner war gestern. Inzwischen wird über eine Besteuerung des Fahrstroms für E-Autos nachgedacht
Großbritannien hat es schon getan. Die Regierung in London hat eine
Fahrstromsteuer für Elektroautos beschlossen. Ist das nur ein britischer
Spleen oder eine Blaupause auch für Deutschland?
Vom 1. April 2028 an werden auf der Insel für jedes reine Elektrofahrzeug
rund 2,2 Cent pro gefahrenem Kilometer fällig, Hybridfahrzeuge bezahlen die
Hälfte. Abgerechnet wird nach dem Kilometerstand, der bei der
Hauptuntersuchung ausgelesen wird. Die sogenannte Electric Vehicle Excise
Duty steigt in den Folgejahren gemäß dem Verbraucherpreisindex.
Die Regierung begründet die Steuer damit, dass alle Fahrzeuge zum
Verschleiß der Straßen beitragen. Während jedoch die Fahrer von Benzin- und
Dieselfahrzeugen Kraftstoffsteuer bezahlen, werden die Fahrer von
Elektrofahrzeugen bisher nicht adäquat belastet. Folglich dürften dem Staat
ohne einen Ersatz bald Milliardenbeträge fehlen.
Auch für Deutschland geht es um viel Geld. 15,5 Milliarden Euro
Energiesteuern auf Benzin und 17,8 Milliarden Euro auf Diesel flossen 2025
in den Bundeshaushalt. Daher ist auch hierzulande der Gedanke nicht neu,
die Ausfälle zu kompensieren.
## Schon lange gerechnet
Bereits im Jahr 2022 erstellte das Bundesverkehrsministerium ein Papier mit
dem Titel „[1][Kompensation zukünftiger Einnahmeausfälle des Staates
aufgrund der Antriebswende im Straßenverkehr“]. Es sei „naheliegend“, heißt
es darin, den Rückgang der Einnahmen aus Kraftstoffsteuern durch „Konzepte
mit gleichen Eigenschaften“ auszugleichen. Damit die Fahrstromsteuer die
Ausfälle bei der Mineralölsteuer auffangen kann, müsste sie bei etwa 16 bis
20 Cent pro Kilowattstunde liegen, rechnete damals das Ministerium vor. Das
wären etwa 4 Cent je Kilometer. Eine aktuelle Anfrage beim Ministerium über
konkrete Pläne blieb unbeantwortet.
Verkehrsexperten befürworten das Konzept. „Der motorisierte
Individualverkehr muss sich stärker an den Kosten der Infrastruktur
beteiligen“, sagt Andreas Knie, Sozialwissenschaftler am
Wissenschaftszentrum Berlin. Statt wie in Großbritannien pro Kilometer
abzurechnen, befürwortet Knie eine Bemessung der Steuer am Stromverbrauch.
Die Kopplung an die Fahrtstrecke sei zwar pragmatisch, sagt er, doch man
könne recht einfach auch eine Kfz-Stromsteuer pro Kilowattstunde
aufschlagen, sowohl an öffentlichen Ladestationen wie an privaten
Wallboxen. „Wer viel Strom verbraucht, sollte auch mehr bezahlen“, sagt
Knie. So würden sparsame Fahrzeuge begünstigt.
Gernot Sieg, der am Institut für Verkehrswissenschaft in Münster den
Lehrstuhl für Industrieökonomik leitet, setzt eher auf eine
Kilometerabgabe. Technisch sei sie „vergleichsweise einfach“ umzusetzen,
sagt er: etwa indem der Kilometerstand des Fahrzeugs halbjährlich gemeldet
wird.
## Flex-Preise denkbar
Aufwändiger sei eine Abrechnung per On-Board-Unit mit Mobilfunk, wie sie im
Lkw-Verkehr erfolgt, doch dafür habe das System einen großen Vorteil: „Die
Gebühr könnte je nach Ort und Zeit variieren.“ So könnte ein
Autobahnkilometer nachts kostenlos sein, während auf einer hoch belasteten
Strecke an einem Ferienwochenende bis zu 40 Cent pro Kilometer anfallen.
Die Kilometergebühr werde im Durchschnitt „vermutlich in der Größenordnung
von etwa 6 Cent“ liegen, sagt Sieg.
Eine [2][Pkw-Maut] sieht auch der Verkehrsclub VCD als die bevorzugte
Lösung. „Es muss etwas passieren, weil die Einnahmen aus der
Mineralölsteuer wegbrechen“, sagt Michael Müller-Görnert,
verkehrspolitischer Sprecher des Verbandes. Europarechtlich sei eine
Pkw-Maut auf allen Straßen möglich. Die Einnahmen, die auf kommunalen
Straßen anfallen, müssten dann auch an die Kommunen gehen, die auch die
Höhe der Maut bestimmen sollten. So könnten auch Städte und Gemeinden den
Verkehr lenken: „Wo häufig Stau ist, könnte man auch innerorts höhere
Gebühren erheben.“
4 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/kompensation-zukuenftiger-einnahmeausfaelle.html
(DIR) [2] /Steigende-CO2-Emissionen-in-Hamburg/!6192139
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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