# taz.de -- Von Bayern lernen: Braucht es eine Bundes-CSU?
> Soll der Söder Markus doch mal beweisen, dass er die AfD von der Macht
> fernhalten kann.
(IMG) Bild: Was sieht Markus Söder, wenn er nach rechts schaut?
Man darf ja keinen Gedanken ungedacht, keinen Stein unumgedreht lassen,
wenn es darum geht, die AfD von der Macht fernzuhalten. Gut ist, wenn
DemokratieforscherInnen helfen, die Fantasie dabei strapazierfähig zu
halten. „Nun verziehen Sie doch nicht so das Gesicht“, sagte Robert
Vehrkamp, als ich auf einen seiner Vorschläge mit spontaner mimischer
Abwehr reagierte. Vehrkamp, der an der Uni Lüneburg lehrt, hatte verkündet:
„Es braucht eine Bundes-CSU.“ Die CSU, so die Idee, müsse bundesweit
antreten. Nur sie könne die AfD noch verdrängen. Gemeint ist hier die Zeit
bis zur nächsten Bundestagswahl – wenn die denn zum vorgesehenen Termin
Anfang 2029 stattfindet (man weiß ja heutzutage nie).
Für eine Bundes-CSU müssten sich idealerweise 15 weitere Landesverbände
gründen, die natürlich ein außerbayerisches Programm bräuchten, also ein
paar Politikvorstellungen, die nicht allein dem Machterhalt der CSU in
Bayern dienen. Schon dieser Teil des Konzepts schien mir abwegig. Vehrkamp
aber führte unbeirrt aus: „Als Schwester der CDU bliebe eine Bundes-CSU an
die demokratische Mitte angebunden.“ Abgesehen von ein paar eingewachsenen
Zweifeln am Begriff der „Mitte“ entdeckte ich langsam die Reize des Plans.
Die CDU bekäme Gelegenheit, sich auf einen Kanzlerkandidaten Hendrik Wüst
auszurichten, der in Färbung und Ton ausgesprochen merkelhaft daherkommt
und Nordrhein-Westfalen geradezu provozierend [1][geräuschlos mit den
Grünen regiert], also die rustikaleren Teile der Partei nicht bedient.
Friedrich Merz, der nun genau diese Teile in kürzester Frist enttäuscht
hat, wird nicht im Ernst noch einmal antreten – wenn er denn die
Legislaturperiode überhaupt durchhält, siehe oben.
## Auch für Strauß war Kohl quasi zu merkelig
Die CSU aber könnte endlich beweisen, dass sie zu liefern vermag, was ihre
gottgleich ewige Führungsgestalt Franz Josef Strauß berühmterweise
forderte, „dass es rechts von der CDU/CSU keine demokratisch legitimierte
Partei geben darf“, was ich mir für diese Kolumne extra noch einmal [2][im
O-Ton angehört] habe. Die Äußerung ist von 1987, als die rechtsnationalen
Republikaner der Union Sorgen machten. Strauß sagt hier ausdrücklich, dass
er sich dabei „im Übrigen in vollem Einvernehmen mit Helmut Kohl“, dem
damaligen Kanzler, befinde, der genau diese Formulierung mit ihm
„hundertmal besprochen“ habe. Dieses volle Einvernehmen zwischen Kohl und
Strauß war allerdings erst mühsam hergestellt worden. Denn bis in die
frühen 1980er Jahre hatte Strauß selbst die CDU mit der Idee einer
Bundes-CSU gepiesackt, ihm war Kohl quasi zu merkelig. [3][„Vierte Partei“
lautete das Stichwort] dafür, man lebte noch in einer Union-SPD-FDP-Welt.
Nun ist diese Welt ja aber auch in Bayern längst versunken, und die Sache
mit „rechts von uns …“ klappt unter Markus Söder auch nicht mehr. Die AfD
bekam 2023 bei der Landtagswahl 14,6 Prozent. Für die Gesinnung der Freien
Wähler (15,8 Prozent und seither Koalitionspartner der CSU) mag man auch
[4][nicht durchgängig haften]. Die letzte Bayernumfrage vom März sah die
AfD bei 18 Prozent.
Womöglich bieten die altwestdeutschen Verhältnisse zwar reichlichen und
wohligen Anekdotenstoff [5][zum ewigen Konflikt zwischen konservativem und
liberalem Flügel] der Union, aber eben doch keine Vorlagen für die
Bekämpfung des 21.-Jahrhundert-Faschismus. Im oben schon zitierten Gespräch
mit Strauß ergänzte der noch: „Wir denken hier nicht natürlich an
rechtsradikale Narren“, sondern an „normale demokratische konservative
Kräfte, die bei uns ihre politische Heimat behalten müssen“. Vermutlich war
diese Grenze schon damals längst nicht so deutlich wie behauptet. Aber in
insgesamt geordneteren Zeiten hielten solche Fiktionen eben noch, was sie
versprachen.
15 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kanzlerfrage---oder-doch-nicht/!6179774
(DIR) [2] https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:a66bbc22a010ec62/
(DIR) [3] https://www.spiegel.de/politik/die-fuenfte-kolonne-organisiert-eine-vierte-a-090b059f-0002-0001-0000-000041406220
(DIR) [4] /Hubert-Aiwangers-Wahlprogramm/!5957786
(DIR) [5] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/streit-um-strauss-satz-cdu-und-csu-waren-sich-nicht-immer-gruen-14257524.html
## AUTOREN
(DIR) Ulrike Winkelmann
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