# taz.de -- Trendhund: Wenn der Pudel tollt
> Sie sind schwarz- bis apricotfarben, groß und schlank oder klein und
> teddyartig: Der Pudel ist zurück – und das hat gute Gründe.
(IMG) Bild: Diese Mähne, dieser Blick
Es tut sich etwas im Straßenbild der betuchten Gegenden von Wien und
Berlin. Da sind seit Neuestem weniger Dackel und Windhunde zu sehen, dafür
immer mehr Pudel. Nicht aus dem Kopf gehen mir die beiden großen
Pudeldamen, die ich neben ihrem Herrchen durch das Wiener Karmeliterviertel
stolzieren sah. Sie waren strahlend weiß und trugen den pompösesten aller
Pudelhaarschnitte: die sogenannte Löwenschur, mit voluminöser Mähne, dazu
kurzgeschorene Beine und extravagante Pompons an Knöcheln und Schwanz.
In Berlin begegnen mir neuerdings karamellfarbene bis schokobraune Klein-,
Zwerg- oder Toypudel, [1][die mit ihrem teddyhaften Aussehen] offenbar
weniger Eleganz, dafür ganz viel Cuteness ausstrahlen sollen. Und
vorgestern erst, da tänzelte mir in Prenzlauer Berg ein apricotfarbener
Pudel entgegen, dem seine Besitzerin sowohl die Schlappohren als auch die
Schwanzspitze in Neonpink gefärbt hatte.
Ist dies etwa das Comeback des Pudels?
Kurze Nachfrage beim VDH, dem Verband für das Deutsche Hundewesen. Der
bestätigt, dass der Pudel aktuell zu den beliebtesten Hunderassen gehört,
in der Welpenstatistik von 2024 nimmt er noch vor dem Golden Retriever den
fünften Platz ein. Allerdings sei seine Beliebtheit keine ganz neue
Erscheinung.
## Eine Pomponfrisur für alle Felle
Der Pudel hatte schon immer seine treuen Fans: Arthur Schopenhauer, Barbra
Streisand, die Jacob Sisters – der britische Premierminister Churchill
besaß einen Pudel namens Rufus, der während des Zweiten Weltkriegs sein
Begleiter war, ja sogar mit ihm in einem Bett schlief. Die amerikanische
Schriftstellerin Gertrude Stein wiederum vertrat die Ansicht, dass ihr
Pudel Basket sie beim Schreiben inspirierte. Auch der Hollywoodstar Orlando
Bloom ist dem Pudel verfallen, wie kürzlich in der Klatschpresse zu lesen
war.
Ein Anruf beim Deutschen Pudel Klub, dem ältesten Pudelverein Deutschlands
mit mehr als 1.500 Mitgliedern. Am Telefon Präsidentin Regina Schmeißer.
„Frau Schmeißer, wird der Pudel aktuell wieder beliebter?“ – „Ja, das kann
ich bestätigen“, sagt die Präsidentin, im Hintergrund hört man einen Wurf
Welpen quietschen. Regina Schmeißer ist selber Züchterin und kennt sich mit
Pudelzyklen aus: Nach einem regelrechten Pudelboom in den 70ern seien viele
Jahre andere Hunderassen favorisiert worden, erzählt Schmeißer, aber jetzt
gebe es wieder mehr Interessenten.
Kein Wunder, denn der Pudel ist intelligent, lernbegierig und folgsam,
allergiefreundlich und ein prima Familienhund. Außerdem könne man ihn laut
Schmeißer fast überall einsetzen: Als Blinden- oder Assistenzhund bei
Epilepsie oder Diabetes, er eigne sich zum Sport ebenso wie für die Jagd.
Diese war sein ursprüngliches Einsatzgebiet.
Erste Aufzeichnungen eines pudelartigen Hundes stammen aus der Antike. Im
Laufe der Jahrhunderte kam der Pudel von der Entenjagd an die Adelshöfe und
später in die Städte. Damit er sich bei der Jagd freier bewegen konnte,
wurde er geschoren. In Anlehnung an die beliebten Puderperücken verpasste
man ihm in Frankreich angeblich seine erste Pomponfrisur. Um aus ihm einen
Begleit- und Gesellschaftshund zu machen, schrumpfte man ihn auf
Schoßhundgröße.
Er wurde Artist und Bühnenstar und fand seinen Weg über historische Gemälde
auf Albumcover. In den 90ern wurde mit ironischem Gestus sogar der
[2][Hamburger Undergroundclub Golden Pudel] nach ihm benannt, Jeff Koons
„Balloon Dog“, auch ein Pudel, wurde 2013 für sage und schreibe 58,4
Millionen Dollar versteigert, ein Rekordpreis.
Aber auch ein Pudel aus Fleisch und Blut ist nicht ganz billig: „Mit 1.800
Euro muss man mindestens rechnen, nach oben hin gibt es keine Grenzen“,
sagt die Pudel-Klub-Präsidentin. Zudem muss so ein Pudel alle sechs bis
acht Wochen zum Friseur, wo er die ausgefallensten Haarschnitte bekommt.
Dies könnte vielleicht auch den neuen Pudelhype in den Großstädten
erklären, wo man ja selten nur einen treuen Begleiter, sondern oft auch
etwas fürs Auge sucht.
19 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anna Fastabend
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