# taz.de -- AfD-Kundgebung vor dem Roten Rathaus: Keine Berlin-Fans
> 600 Menschen kommen zum Wahlkampfauftakt der Berliner AfD. Die Stadt sei
> eine No-go-Area, sagt Parteichef Chrupalla. Spitzenkandidatin Brinker
> könne das ändern.
(IMG) Bild: Schade Deutschland, alles ist vorbei
Etwa 600 Menschen sind am Montagabend dem Aufruf der Berliner AfD zu einer
Kundgebung vor dem Roten Rathaus gefolgt. „Die Schuldigen sitzen da
drinnen“, hallt es über den Platz. Immer dann, wenn die Parolen in
Redebeiträgen besonders radikal sind, klatschen und johlen die
Teilnehmenden besonders laut.
Etwa dann, wenn [1][Kristin Brinker, Parteivorsitzende und
Bürgermeisterkandidatin der AfD für die Abgeordnetenhauswahl], von der
Zurückweisung von Migranten spricht. „Nur so kriegen wir wieder ein
sicheres und ordentliches Berlin“, ruft sie. „Bravo!“, kommentieren einige
im Publikum. Konkreter wird an diesem Abend der rechtsextreme AfD-Politiker
Dennis Hohloch aus Brandenburg: „Wir müssen Millionen Leute hier
abschieben“, raunt er ins Publikum. Auch von einer „Abschiebeoffensive“ ist
die Rede.
Um seiner Parteikollegin Brinker im Wahlkampf Rückhalt zu signalisieren und
für sie zu werben, ist auch der Parteivorsitzende Tino Chrupalla gekommen.
In seiner Rede zeichnet er ein düsteres Bild von der Hauptstadt. Die Stadt
sei „inzwischen eine No-go-Area an sich“. Mit Brinker als Bürgermeisterin
werde sich das allerdings ändern, so Chrupalla.
Die meisten der Teilnehmenden sind um die 60 Jahre alt. Viele von ihnen
kennt man noch von den verschwörungsideologischen Coronademonstrationen.
Nur wenige Jugendliche sind da, unter ihnen auch eine Handvoll Jungnazis
mit einschlägiger Kleidung, etwa vom Neonazi-Kampfsportevent [2][„Kampf der
Nibelungen“]. Ins Publikum haben sich auch zahlreiche Abgeordnete der
Partei gemischt.
## Bilder für den Wahlkampf
Angekündigt war die Veranstaltung als „große Kundgebung“. Tatsächlich aber
klaffen große Lücken auf dem Platz. Doch darum geht es an diesem Abend
augenscheinlich nicht. Vielmehr sollen Bilder für den eingeläuteten
Wahlkampf produziert werden.
Noch bevor die Kundgebung losgeht, heißt es für viele der Teilnehmenden
erst einmal Schlange stehen für ein [3][Selfie mit Ulrich Siegmund].
Siegmund ist Spitzenkandidat der Partei in Sachsen-Anhalt und der „Star“
des Abends, wie ein Teilnehmer im Gespräch mit der taz sagt.
Wie bei AfD-Veranstaltungen üblich, ist die Kundgebung ein Stelldichein
extrem rechter Medien aus dem sogenannten „Vorfeld“. Die AfD-nahe Plattform
Deutschland Kurier tummelt sich hier, der verschwörungsideologische Sender
AUF1 sowie zahlreiche rechte Streamer. Dass diese hier gern gesehen sind,
ist auch daran abzulesen, wie man sich begrüßt. So klatscht etwa Martin
Kohler, der Vorsitzende der Berliner AfD-Jugend, einen Redakteur der
[4][neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit] mit einem freudigen Handschlag
ab.
Selbst Sebastian Schmidtke, rechtsextremer Streamer und Mitglied der
Neonazipartei Die Heimat, wird hier herzlich empfangen. Auch Jannis George
vom extrem rechten und [5][identitären Filmkunstkollektiv] ist mit einer
Kamera vertreten. Er hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, eine
Fotojournalistin bei der Arbeit zu bedrängen, stellt ihr zeitweise nach und
macht ungefragt Selfies mit ihr. Währenddessen spricht Siegmund von seiner
Vision, den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen. Eine Message, die bei dem
Publikum besonders gut ankommt.
## Vernehmbare Gegenproteste
Etwa hundert Meter entfernt hat sich eine Gegendemonstration positioniert.
Ihre Trillerpfeifen und Parolen sind gut zu hören. Die AfD sei eine
„nationalistische, faschistische und rechtsextreme“ Partei, ruft dort eine
Aktivistin. „Wir stehen für ein vielfältiges und soziales Berlin zusammen.“
Für den Gegenprotest findet man bei der AfD an diesem Abend diverse
abfällige Bemerkungen, etwa „Krakeeler“, „Schreihälse“ oder „verstreute
Irre“, die im Publikum für viel Gelächter sorgen. „Wandert doch nach
Nordkorea aus“, ruft ein Mann mit Deutschlandfähnchen in der Hand in
Richtung des Gegenprotests.
Eine Handvoll Gegendemonstrierende haben sich auch mitten unter die
Teilnehmenden der AfD-Kundgebung gemischt. „Gefahr für die Menschenwürde“,
steht auf einem der Plakate, die sie in ihren Händen halten. Mit ihrer
Aktion wollen sie auf das Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte
(GFF) aufmerksam machen, das [6][ein Verbot der Partei für aussichtsreich
erklärt hatte].
Die Aktivist:innen verbleiben trotz Beschimpfungen und Beleidigungen
auf dem Platz. Angesprochen auf ihre Aktion sagt einer der
Aktivist:innen im Gespräch mit der taz, er habe „enorme Angst davor,
was passiert, wenn die AfD regiert“.
30 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nicolai Kary
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