# taz.de -- Proteste im Gazastreifen: Die Revolution fällt weitgehend aus
> Im palästinensisch kontrollierten Teil des Gazastreifens waren
> Großproteste gegen die Herrschaft der Hamas geplant. Sie blieben klein,
> die Repression war groß.
(IMG) Bild: Weiterhin an der Macht: Hamas-Kämpfer Ende März 2026 in Gaza
Aus der angekündigten [1][„26.-Juni“-Revolution im Gazastreifen] wurde eher
ein Revolutiönchen. Immerhin ein paar Hundert Menschen folgten am
Freitagnachmittag dem Aufruf zu Demonstrationen gegen die Hamas – unter
großer Gefahr. Sie sollten an 19 verschiedenen Orten im ganzen Gazastreifen
stattfinden. Kleinere Kundgebungen fanden Berichten zufolge aber vor allem
in Gaza-Stadt und im Norden statt. Videos und Bilder zeigen etwa eine
kleine Versammlung, „Wir wollen leben“, und „Hamas raus“ steht auf den
Schildern der Demonstrierenden.
Ein Grund, weshalb die Zahl der Protestierenden so gering blieb: Schon vor
dem geplanten Beginn der Proteste begann die Hamas mit einer massiven
Einschüchterungs- und Repressionskampagne. Journalisten wurde nach
Informationen der taz bereits Tage zuvor nahegelegt, nicht über die
Proteste zu berichten – unter Androhung von Gewalt.
Am Tag selbst berichteten lokale Quellen der taz, dass die Hamas angebliche
Journalisten entsandt hatte, um Protestierende zu fotografieren. Das lässt
sich nicht unabhängig bestätigen, doch Bilder in sozialen Netzwerken legen
das nahe. Die Hamas entsendete außerdem Truppen auf die Straße, Videos
zeigen sie bewaffnet und maskiert. In den sozialen Netzwerken und auf
Telegram erklärten Hamas-nahe Kanäle im Anschluss: Die „Revolution“ sei
gescheitert.
Grund genug haben die Menschen aber für Proteste. Die Hamas kontrolliert
derzeit territorial nur etwas mehr als 30 Prozent des Gazastreifens, den
Rest kontrolliert Israel – aber im Hamas-Gebiet befindet sich fast die
gesamte noch vorhandene Zivilbevölkerung des Gazastreifens. Sie lebt
großteils unter menschenunwürdigen Bedingungen: teils seit über zwei Jahren
in Zelten und anderen notdürftigen Behausungen, meist ohne Arbeit, oft ohne
ausreichende medizinische Versorgung, Sanitäranlagen, Trinkwasser.
Auch auf Kosten dieser Bevölkerung finanziert sich derzeit die Hamas. Wie
etwa die arabische Zeitung Asharq al-Awsat berichtet, nahm die Hamas
Zahlungen an ihre Mitglieder bereits kurz nach der Waffenruhe wieder auf,
vor allem an den bewaffneten Flügel der Gruppe. Und weil weniger Geld aus
dem Ausland kommt als vorher, müssen die nötigen Einnahmen „aus eigenen
kommerziellen Quellen“ besorgt werden, wie Asharq al-Awsat schreibt.
Güter wie Tabak oder Treibstoff werden besteuert, Händler müssen Zölle
bezahlen. Öffentliche Dienstleistungen – etwa eine Müllabfuhr –
funktionieren aber trotz dieser Defacto-Steuern kaum.
Hinzu kommt die Gewalt der Hamas gegen die palästinensische Bevölkerung.
[2][Insgesamt 249 Fälle zählt ein UN-Bericht] für den Zeitraum von August
2024 bis Januar 2026. Und das ist laut dem Bericht nur ein „Teil der Fälle
und Opfer“. Zugleich wurden über 70.000 Palästinenserinnen und
Palästinenser im Gazastreifen durch das israelische Militär getötet.
Der Anteil der Bevölkerung im Gazastreifen, die für eine Entwaffnung der
Hamas stimmt, steigt. Laut dem palästinensischen Thinktank PCPSR sprachen
sich im Oktober 2025 44 Prozent der Befragten dafür aus. Das ist nicht die
Mehrheit – doch etwa ein halbes Jahr zuvor waren es nur 30 Prozent gewesen.
Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren Protestwellen gegen die
Hamas gegeben – in den Jahren 2019 und 2023, sowie nach Kriegsbeginn im
Frühjahr 2025. Die Hamas schlug sie stets mit großer Brutalität nieder.
28 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Hamas-ist-wieder-Ordnungsmacht-in-Gaza/!6188162
(DIR) [2] https://www.ohchr.org/sites/default/files/documents/hrbodies/hrcouncil/coiopt/2606092E.pdf
## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
(DIR) Hisham Al-Masri
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