# taz.de -- Klimawandel in Deutschland: Organisationen fordern besseren Hitzeschutz
> Ein Bündnis aus mehr als 150 Organisationen verlangt systematisch mehr
> Hitzeschutz. Ein mehrtägiger Hitzedom könne zu Tausenden Toten in
> Deutschland führen.
(IMG) Bild: Heiß! Die Sonne am Himmel über Deutschland
dpa/epd/taz | Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage aus Sicht von
Gesundheits- und Klimaexperten bisher nicht ausreichend vorbereitet. Mehr
als 150 Institutionen und Verbände aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt
und Zivilgesellschaft fordern daher, Hitzeschutz systematisch in
Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu
integrieren.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung zum [1][„Hitzeaktionstag 2026“ an
diesem Donnerstag] warnt das Bündnis, dass in einem extremen
[2][Hitzedom]-Szenario Zehntausende Todesfälle in Deutschland innerhalb
weniger Tage als möglich beschrieben würden. Bei diesem meteorologischen
Phänomen bildet eine starke Hochdruckzone eine „Kuppel“ über einem
bestimmten Gebiet, wo die Hitze eingeschlossen wird.
Ein solcher Hitzedom ohne Vorbereitung könne zu mehreren Zehntausend
Todesfällen in wenigen Tagen führen, sagte der Mitgründer der Deutschen
Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), Martin Herrmann.
„Auf so ein Szenario ist Deutschland nicht vorbereitet“, hieß es in der
Pressemitteilung. Gesundheitsbezogener Hitzeschutz müsse daher konsequent
und flächendeckend umgesetzt werden.
## Temperaturen von 45 Grad möglich
Der Meteorologe und ARD-Wettermoderator Karsten Schwanke wies auf das
schnelle Ansteigen der weltweiten Temperaturen hin. Im Jahr 2024 lag die
globale Temperatur erstmals 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2031
könnte laut Schwanke die 2-Grad-Marke erstmals gerissen werden. Zudem seien
deutschlandweit die Hitzewellen deutlich wärmer als noch in den 1960er
Jahren: In Berlin seien diese um etwa 4 Grad heißer geworden, in Frankfurt
am Main um 5 Grad, in Münster gar um 6,5 Grad.
In Zukunft erwarteten die Menschen mehr Hitzetage mit mehr als 30 Grad und
mehr Tropennächte mit Temperaturen nicht unter 20 Grad, sagte Schwanke.
Höchsttemperaturen von 45 Grad könnten in den kommenden Jahren möglich
werden, warnte er.
## Im Mai war es teilweise 10 Grad zu warm
Mit zunehmender globaler Erwärmung steigen den Angaben zufolge Häufigkeit,
Dauer und Intensität von Hitzeperioden. Das habe man zuletzt in der
extremen Hitzewelle in Europa Ende Mai noch vor dem offiziellen
Sommerbeginn beobachten können. Solche stabilen Hochdrucklagen mit sehr
hohen Temperaturen ohne nächtliche Abkühlung seien besonders gefährlich und
könnten zu einer drastischen Zunahme hitzebedingter Todesfälle führen.
Am Mittwoch [3][veröffentlichte Daten des europäischen Klimadienstes
Copernicus] sprechen vom zweitwärmsten Mai seit Beginn der Messungen.
Westeuropa hat demnach in der zweiten Maihälfte eine ungewöhnlich frühe und
intensive Hitzewelle erlebt. Die stärksten Temperaturabweichungen seien im
Westen Frankreichs sowie in England und Wales verzeichnet worden. Dort
lagen laut Copernicus die Tagesdurchschnittstemperaturen mehr als 10 Grad
über dem Durchschnitt.
## Milliardenschäden durch Hitze
In solchen Hitzephasen nehmen nach Darstellung der Verbände, die sich jetzt
in Deutschland zusammengetan haben, auch wirtschaftliche Schäden deutlich
zu. Für Deutschland werden demnach in aktuellen Szenarien hitzebedingte
Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre erwartet.
„Wer Deutschland krisenresilient machen will, muss Hitze und andere
Extremwetterlagen systematisch mitdenken“, heißt es.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte, „längere und
intensivere Hitzeperioden belasten insbesondere ältere, kranke und
pflegebedürftige Menschen und stellen zugleich das Gesundheitswesen vor
große Herausforderungen“. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen
müssten auch unter Extrembedingungen leistungsfähig bleiben.
Nach den Worten der Gesundheits- und Sozialministerin von
Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese (SPD), sind die Auswirkungen von
klimawandelbedingten Extremwetterlagen auf die Gesundheit bislang noch
nicht ausreichend im öffentlichen Bewusstsein verankert.
Zu den Initiatoren des Bündnisses zählen laut den Angaben die
Bundesärztekammer, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, die
Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat, der
GKV-Spitzenverband, die Klima-Allianz Deutschland sowie die
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Insgesamt hätten
sich über 150 Institutionen und Verbände angeschlossen.
10 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://hitzeaktionstag.de/
(DIR) [2] https://www.springermedizin.de/hitzewellen/geriatrie-und-gerontologie/hitzedom-in-deutschland-und-wie-gut-wir-darauf-vorbereitet-sind/51152742
(DIR) [3] https://climate.copernicus.eu/what-do-we-know-about-europes-early-and-intense-heatwave-may-2026
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