# taz.de -- Dieter Nuhr, Volkswagen und Social Media: „Eine Altersgrenze für soziale Medien ist leider vernünftig“
> Digitale Splatter- und Pornokinos sollten nicht zur Freizeitgestaltung
> von Kindern beitragen. Und: Dieter Nuhr als Fallbeispiel für
> „Heterofatalismus“.
(IMG) Bild: Hat Witze über Femizide gemacht: Dieter Nuhr
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Küppersbusch: Mittags Radfahren.
Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Sonnenbrand.
Dieter Nuhr hat Witze über ermordete Frauen gemacht. Wie lustig finden Sie
ihn?
Küppersbusch: Nuhr zitiert Texte aus dem Magazin der Süddeutschen und aus
der taz, in denen Autorinnen über „Heterofatalismus“ schreiben. Also die
Frage, ob Beziehungen zwischen Frau und Mann trotz aller als strukturell
empfundenen Konflikte überhaupt wünschenswert sind und gelingen können. Für
seine Person gibt Nuhr eine klare Antwort: Nein, mit ihm geht das nicht.
Die Frauen haben also recht.
taz: US-Richter haben acht junge Aktivist*innen zu Strafen zwischen 30
und 100 Jahren verurteilt, weil sie vor einem Abschiebegefängnis
demonstriert haben. Woran erinnert Sie das?
Küppersbusch: An Begnadigungen und Amnestien Trumps für die teils
wesentlich gewaltsameren Verbrechen seiner Fans beim Sturm des Kapitols
2021.
Und wie [1][kriegen wir diese Antifaschist*innen jetzt wieder raus aus
dem Knast]?
Küppersbusch: Selbst wenn auf Trump ein demokratischer Staatschef folgte,
der die Kapitolstürmer wieder einlocht und jedenfalls gewaltlose
Demonstranten freilässt, sind die USA kein funktionierender Rechtsstaat
mehr, sondern ein rechtsbeugender Feudalstaat. Der mit Menschen Jojo
spielt. Hilft niemandem. Außer uns, uns nichts vorzumachen.
VW will laut einem Bericht vom „Manager Magazin“ weltweit 100.000 Stellen
streichen. Wo könnten die Fachkräfte danach wohl arbeiten?
Küppersbusch: In China. Dort hat der Konzern bereits über 30 seiner
weltweit gut 100 Produktionsstandorte und mit der „VW Group China
Technology Company“ in Hefei erstmals eine komplett autonome
Fahrzeugentwicklung. Also einen ehemaligen Schwanz, der künftig mit dem
Hund wackeln wird. „In China für China“, sagt Konzernchef Oliver es durch
den beziehungsweise die Blume: Wolfsburg und damit die deutschen Standorte
werden womöglich nur noch nachbasteln, was in Hefei schneller, digitaler,
weltmarktfähiger erfunden wird. Wenn den Volkswagnern dort ein neuer Käfer
beziehungsweise Golf beziehungsweise Volksstromer gelingt. Die
Konzernstrategie: Wenn man gegen die Konkurrenz aus China nichts
ausrichtet, muss man sie selbst halt sein.
Eine Expert*innenkommission hat Altersgrenzen für Social Media
vorgeschlagen. Ab wann wollen Sie da nicht mehr aktiv sein?
Küppersbusch: Insgeheim ist uns schon klar, dass wir hier das Menschenrecht
von Porno- und Splatterkinos diskutieren, zur Meinungsbildung und
Freizeitgestaltung von Kindern beizutragen. Um es mal in einem Vergleich
abzubilden, den auch wir Älteren verstehen. Viele der 56
„Handlungsempfehlungen“ klingen sinnvoll und frömmeln doch gut gemeint ins
Nichts: Schulen, Jugendhilfe, irgendwie die ganze Gesellschaft sollen mal
was machen, während Schulen, Jugendhilfe, irgendwie der ganzen Gesellschaft
gerade das Geld ausgeht. Ministerin Prien „sympathisiert“ deshalb mit einer
starren Altersgrenze von 13 Jahren bei Chatbots und „Sozialen Medien“, gern
europäisch, notfalls national. Das ist leider vernünftig, weil leicht
entzündliche Kinder nicht aus Vernunftgründen Codes entsagen, die
[2][skrupellos auf ihre Sucht justiert sind]. Und weil europäisches Recht
bedrohlicher wirkt, aber keine Ausrede für „passiert sowieso nie“ sein
darf. Der über 80-jährige US-Präsident Trump droht gerade mit seinen
notorischen „100 Prozent Strafzöllen“ gegen jeden und alle, die seinen
Oligarchenbuddies nur faire Steuern auferlegen. Dummerweise schreien viele
Ja, zeigt man Trump am Handy mit der Frage „Wollen Sie, dass Ihr Kind auch
so wird?“.
Und noch eine Alterskommission hat Ideen, diesmal aber für die Rente. Was
halten Sie von den Plänen?
Küppersbusch: Rente mit 63 – weg. Haltelinie 48 Prozent – weg. Länger
Arbeiten durch den „2 – 1“ -Faktor zwischen Lebenserwartung und
Eintrittsalter. Noch ein bisschen spärliche Brunnenkresse aus eitel
Härtefall und Übergang drübergestreut – fertig der Riesenfrosch, guten
Appetit, liebe Arbeitnehmerseite. Und dann der Kracher: die Aktienrente.
Das ist ein Pakt, der Arbeitnehmern viel Verschlechterung bringt, doch auch
eine epochale Neuerung: die Entkopplung vom „Generationenvertrag“. Und das
müssen die Arbeitgeber sogar paritätisch mitbezahlen. Bessere Regierungen
haben zu viel besseren Zeiten deutlich weniger bis gar nichts davon
hinbekommen. [3][Gute Sachen soll man nicht benörgeln], nur weil sie
Friedrich Merz aus Versehen passieren.
Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Hat nun den luxemburgischen Nationalspieler Aiman Dardari
angeheuert. Knapp daneben, Luxemburg spielt diesmal nicht mit, aber wir
sind auf dem Weg zu nächsten WM.
Fragen: Johannes Drosdowski
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und gar.
28 Jun 2026
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