# taz.de -- Bundesregierung und Bundestrainer: Verpackung wie Inhalt oder Jacke wie Hose
> Das Reformpaket ist kränker als ein Arbeitnehmer am ersten Krankheitstag
> sein kann und freut nur Jens Spahn und Philipp Amthor, die sich High five
> geben.
(IMG) Bild: Boston, USA, 29. Juni: Julian Nagelsmann nach dem WM aus der Deutschan Nationalmannschaft
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Friedrich Küppersbusch: Bis 2 Uhr wach bleiben, um sich besser ärgern zu
können. taz: Und was wird besser in dieser?
Friedrich Küppersbusch: Nichts, dauert bis 2030, dann WM in unserer
Zeitzone.
taz: Die Bundesregierung hat [1][ihr Reformpaket vorgestellt]. Welches
Teilstück finden Sie am schlechtesten?
Friedrich Küppersbusch: Kann ich die Verpackung bitte im Laden lassen?
Falls man sie vom Inhalt unterscheiden kann. Was zum Beispiel hat [2][die
Beschränkung des Informationsfreiheitsgesetzes] mit „Aufschwung und
Beschäftigung“ zu tun? Staatshandelnde sollen weniger „angefeindet und
bedroht“ werden von neugierigen Medien. Klingt, als hätten sich Jens Spahn
und Philipp Amthor an der Stelle High five gegeben.
Ebenfalls schlimm verirrt ein Passus, wonach Länder keine Gesetze mehr
machen dürfen, private Mietwohnungsbestände zu vergesellschaften. Das
widerspricht den Grundgesetz-Artikeln 14 und 15, klingt aber edler als das
Gemeinte: Die „Linke“ ist doof und stinkt.
Dagegen scheint die [3][„telefonische Krankschreibung“] ein Popanz: Sie
macht 0,8 – 1,2 % aller Krankschreibungen aus, hat nahe null Einfluss auf
den Krankenstand und taugt aber prima, von deutlich kränkeren Teilen des
Paktes abzulenken.
taz: Julian Nagelsmann ist als Nationaltrainer zurückgetreten. Können Sie
etwas Positives über seine Amtszeit sagen?
Friedrich Küppersbusch: Viertelfinale, also unter den besten acht bei der
EM ´24. [4][Gegen Paraguay kann man Mist spielen], auch wenn der Trainer
sich nicht vercoacht hat – wie inzwischen Frankreich bewiesen hat. Durch
seinen Abgang kann jetzt mal die stets dräuende Erlösungsfantasie mit
Jürgen Klopp durchgespielt werden. Und danach dann vielleicht mal ok
finden, nicht die Weltgeilsten zu sein.
taz: Das Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten vom 7. Oktober 2023
ist nun 1.000 Tage her. Können wir darauf hoffen, dass sich die Situation
in der Region in den nächsten 1.000 Tagen bessern wird?
Friedrich Küppersbusch: 1.000? Ok, auf die nächsten 100 würde ich schon mal
nichts setzen, bis zur Wahl im Oktober bleibt Netanjahu unkalkulierbar und
an Schlachtenruhm dringend interessiert. Laut Washington Post warnten die
USA im Frühjahr den Iran, Netanjahu wolle ihre Verhandler wegbomben. Noch
viel desinteressierter an Frieden kann man nicht sein.
Er setzt sich längst dem Verdacht aus, die Verbrechen der Hamas optimal für
seinen Machterhalt zu nutzen. Und für eine Vision von Groß-Israel gegen
jedes Völker- und Kriegsrecht. Es ist möglich, dass ihm das gelingt; es ist
sicher, dass sowas nicht in 1.000 Tagen heilt.
taz: Was würden Sie Friedrich Merz zum Thema „Umgang mit der AfD“ sagen,
wenn er Sie wie Mathias Döpfner ins Kanzleramt einladen würde?
Friedrich Küppersbusch: Ok also in Zeitlupe: [5][Ein neuer Podcast hatte
behauptet, Döpfner habe Merz zur Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt] und
dabei gedroht. Merz habe das Gespräch empört beendet. Inzwischen ist davon
etwas mehr dementiert als überhaupt behauptet wurde; die angegebenen
Termine stimmen nicht, das Zitat sei alt, aber falsch, sowas halt.
Mein O-Ton an Merz aber wäre „was Springer will, ist eh offensichtlich“ und
Merz Antwort stammt aus dem März: „Ich werde, auch wenn ich mittlerweile
aus einzelnen Verlagshäusern dazu aufgefordert werde, keine andere Mehrheit
suchen.“
taz: Die AfD hat zum Parteitag nach Erfurt gerufen. Was war die lauteste
Stimme, die Sie von dort gehört haben?
Schöne Krawallstrecke im „heute journal“ zwischen der kämpferischen Dunya
Hayali und der Fragemauer Weidel. Hayali wollte wissen, warum Chrupallas
Wahlergebnis schlechter war, wieso Weidel Extremisten-Kontakte duldet, und
was Höckes Kumpel im Bundesvorstand tut. Normal würde man sagen – ok, drei
Fragen, drei Minuten.
Hier werden es 9, in denen Weidel nichts antwortet, sich andere Fragen
wünscht, die Moderatorin herabwürdigt, und insgesamt einen Vorgeschmack
gibt auf Totalitarismus-TV nach ihrem Gusto. Lange Strecken reden beide
gleichzeitig, es ist sozusagen das körperbetonte Spiel des
Politjournalismus. Beklommen kann man kaum wegschauen und weiß doch: Viele
werden das jetzt gut finden.
taz: Männer sind öfter Singles als Frauen, Frauen sind mit ihrem
Singleleben häufig zufriedener als Männer, teilt das Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung mit. Klingt nach einer nicht sehr harmonischen
Geschlechterbeziehung – oder wie nehmen Sie das wahr?
Ich bin ja eher ’ne Langspielplatte. Wie war nochmal die Frage? Ah ja! Die
Grünen haben ein Manifest (nicht Mannifest, schade) veröffentlicht, wonach
man auch und gerade als moderner Mann pumpen und Porschefahren dürfe. Weil
die Partei auf manche Männer etwas überfeministisch wirke. Auch sehr
interessant.
taz: Und was macht der RWE?
Plant die neue Saison mit einem Kader im Transferwert von knapp sieben Mio
€. Zum Vergleich: Nationalmannschaft Transferwert 945 Mio €. Man kann auch
ohne Geld Spaß haben!
5 Jul 2026
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