# taz.de -- Linke, Labour und WM-Leidenschaft: „Die ganze Veranstaltung ist irre, hat mich aber am Haken“
> Während Trump nicht weiß, was er tut, tut Labour alles noch mal so wie
> einst die SPD. Und Jens Spahn ist eine Macht mit einem bösen Plan. Und
> dann: WM!
(IMG) Bild: „Mister Teflon“: An Jens Spahn scheint alles abzuprallen
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Friedrich Küppersbusch: Rentenpaket gerüchtelt seit Tagen herum.Und was
wird besser in dieser?
Küppersbusch: Es ist für jeden was dabei.
Ist der US-Iran-Israel-Deal nun ein Versailles, ein München oder einfach
eine Atempause für Autofahrer?
Küppersbusch: Für Trump gilt: Die Welt ist nicht genug. Während wir noch
still bescheiden hoffen: Die Welt ist nicht bescheuert genug. Also
ernsthaft zu glauben, ein mit Opas Edding bemalerter Lappen habe
irgendeinen Einfluss auf Israels Kriegsführung oder den Terror der
iranischen Revolutionsgarden. Für uns ist schon die aktuelle Deutung des
Kanzlers unvernünftig wagemutig: Trump unterstütze nun die Ukraine gegen
Russland, dafür sollten wir die [1][Bundesmarine nach Hormus] schicken.
Vulgo: Trump weiß morgen schon nicht mehr, was er da erzählt hat, und wir
stecken mitten in einem heißen Krieg. Nach Trump könnten Touristen in
Versailles Kaufverträge für Gebrauchtwagen abschließen, gegen Aufpreis
schaut Ralf Schumacher vorbei. Wir wissen, was Dein Auto wert ist.
Die Linkspartei hatte Parteitag. Aus wie vielen Parteien besteht sie
gerade?
Küppersbusch: Der neue „Co“ Luigi Pantisano hat im Casting einen zweiten
Platz im Banaszak-Ähnlichkeitswettbewerb gemacht, sein Wahlergebnis tunnelt
sogar das von Kubicki, und im ungefähr fünften Versuch kann er dann auch
präzis formulieren, was er meint, wenn er [2][erst mal die Faschismuskeule
durch den politischen Darkroom kreisen lässt]. Wer schon wähnte, die
mythische Glückssträhne der Linken müsse doch auch mal vorbei sein – der
Parteitag hat alles versucht. Samt eines zehnseitigen Versandhauskataloges
mit „alles für und gegen Israel“, samt Völkermordvorwurf und trotzdem
ordentlich Staatsräson. Aber der Wagen, der rollt, seit er keinen
kommunistischen Plattfuß mehr hat und solange die Sozis durchs Regieren
links genug Überholspur freilassen.
Die Bonner Nordbrücke muss abgerissen und neu gebaut werden – für die
Region ein großes Verkehrsproblem. Hätte das in der Bonner Republik auch
passieren können?
Küppersbusch: Damals gab es die „Aktion Roter Punkt“: Hippies, Studierende,
Kommunisten organisierten Anfang der 70er so ’ne Art Sozial-Uber als
Gratis-ÖPNV. Schwarzfahrkampagne und Roter Punkt ins Käfer-Fenster: Also
der Bonner Republik ordentlich Angst machen. Jetzt, über 50 Jahre später,
bietet die Stadt als Erste Hilfe und befristet Gratis-ÖPNV, Glückwunsch,
Genossen! Und der Bund, verantwortlich für die Autobahnbrücken, will nichts
dazugeben. Sondern den Brückenneubau bezahlen. Der Fortschritt ist eine
Schnecke, und für die Radfahrer und Fußgänger soll die Brücke bald wieder
geöffnet werden. Auf die Dauer sei es zu teuer, kaputte Brücken durch mehr
ÖPNV zu ersetzen. Eigentlich haben die letzten 50 Jahre das Gegenteil
bewiesen.
Der Labour-Politiker Andy Burnham hat eine Nachwahl zum Parlament gewonnen
und darf nun Premierminister Starmer herausfordern. Ist das mehr als eine
Nachricht von einer Nicht-EU-Insel?
Küppersbusch: Man kann nicht behaupten, dass das Gezerre „Scholz oder
Pistorius“ der SPD 2025 einen überwältigenden Wahlsieg beschert hätte. Aber
man kann den Quatsch natürlich nachmachen.
An Jens Spahn perlt anscheinend alles ab, auch seine nun geleakten
[3][Peter-Thiel-Treffen]. Trägt der Mann eine spezielle Maske?
Küppersbusch: Ja, und zwar das Fetischmodell „Du willst es doch auch“.
Viele seiner Minderleistungen mögen traditionelles Politikverständnis
verletzen. Zugleich ist einiges davon auch stets Leuchtrakete nach rechts
außen. Der Skandal, bei Thiel zu konspirieren, kostet ein paar Sympathien,
um die sich gefälligst irgendwelche Altmerkelianer kümmern sollen. Spahn
hingegen gewinnt Fleißkärtchen bei denen, die gern selber Thiel wären.
Sowas wie Döpfner, Gotthardt, die Liga. Das ist das eigentlich gefährliche
an Spahn.
Ganz so schlecht wie oft verkündigt scheint die Stimmung bei der WM nicht
zu sein. Oder täuscht da wer oder was?
Küppersbusch: Hier fahren Vielvölker-Autos herum mit je einer Nation pro
Seitenfenster, und natürlich ganze Wohnblocks mit türkischen, deutschen und
allen Fahnen, von denen die AfD schlimm Alpträume kriegt. Dass der
Doppelstabü Undav so schön einlocht und dann auch noch einen
Unisex-Vornamen hat („das Meer“) hat exakt das befürchtete Ergebnis: Die
ganze Veranstaltung ist irre, hat mich aber schon am Haken.
Und was macht der RWE? Küppersbusch: Diese Frage erinnert mich jede Woche
an den Nichtaufstieg. Ich gucke sofort wieder WM.
Fragen: waam
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und gebacken.
21 Jun 2026
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