# taz.de -- Massenprotest in Serbiens Hauptstadt: Zehntausende demonstrieren für vorgezogene Neuwahlen
> Student:innen und Bürger:innen gingen am Samstag in Belgrad gegen
> die Regierung von Aleksandar Vučić auf die Straße. Die hatte zuvor den
> Eisenbahnverkehr eingestellt. Am Rande kam es zu Scharmützeln mit der
> Polizei.
(IMG) Bild: Am Samstag rückten Polizisten in Belgrad an, um Regierungsgegner:innen während einer Kundgebung zu vertreiben, die von protestierenden serbischen Universitätsstudent:innen angeführt wurde
dpa/afp | Zehntausende Menschen haben Medienberichten zufolge am Samstag im
Zentrum von Belgrad für Neuwahlen demonstriert. „Sie sind unsere Chance,
unser Versprechen endlich einzulösen – eine ehrliche Regierung, Freiheit
und ein würdevolles Leben“, sagte einer der Redner, ein Student der
Elektrotechnik, der unabhängigen Nachrichtenagentur Beta zufolge. Am Rande
der Veranstaltung in der serbischen Hauptstadt kam es zu Zusammenstößen
zwischen unbekannten Maskierten und der Polizei.
Nach Angaben der unabhängigen Beobachtergruppe AJS nahmen mindestens
180.000 Menschen an der Kundgebung teil, damit war es die zweitgrößte
Demonstration in dem Land seit dem Sturz des früheren Machthabers Slobodan
Milošević vor 26 Jahren. Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer dagegen
mit lediglich rund 34.000 an.
Die Kundgebung war Teil einer Serie von Protesten, die der Einsturz eines
Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024
ausgelöst hatte. Bei dem Unglück waren 16 Menschen ums Leben gekommen.
[1][Die Protestbewegung wird von Student:innen getragen, die ein Jahr
lang praktisch alle Universitäten des Landes besetzt hatten].
Sie wird inzwischen von Millionen Bürger:innen unterstützt. Sie machen
die Schlamperei und Korruption der Regierung unter dem mächtigen
Präsidenten Aleksandar Vučić für das tödliche Unglück von Novi Sad
verantwortlich. Die Forderung nach vorgezogenen Neuwahlen soll einen
friedlichen Regierungswechsel ermöglichen. Die nächste reguläre
Parlamentswahl müsste Ende 2027 stattfinden.
## 23 Festnahmen und verletzte Polizisten
Die Ausschreitungen am Samstagabend fanden nach dem Ende der Demonstration
und in etwa ein Kilometer Entfernung vom Slavija-Platz, dem Zentrum der
Kundgebung, statt. Maskierte Männer feuerten Feuerwerkskörper in Richtung
der Polizei ab. Innenminister Ivica Dačić sagte, dass 23 Personen
festgenommen worden seien. Eine von ihm nicht näher genannte Zahl von
Polizisten sei verletzt worden.
Vučić sagte auf Instagram über die Demonstranten: „Wie schon so oft zuvor,
kehrten sie ihre gewalttätige Natur hervor.“ In der Vergangenheit hatten
bei ähnlichen Massenprotesten – wie sich im Nachhinein herausstellte –
eingeschleuste Provokateure ähnliche Gewalttaten verübt.
Wie schon bei früheren Anlässen dieser Art hatte auch diesmal die
Vučić-Regierung den Eisenbahnverkehr im ganzen Land eingestellt. Offiziell
gaben die Serbischen Eisenbahnen (Srbija Voz) keinen Grund für den
kompletten Betriebsstopp an. Doch offenbar soll damit Regierungsgegnern von
außerhalb von Belgrad die Anreise zu der Kundgebung erschwert werden.
## Vučić zu Besuch in China
Aleksandar Vučić ist unterdessen zu einem Besuch nach China gereist.
Chinesischen Staatsmedien zufolge landete er am Sonntag in Peking, wo er
seinen Kollegen Xi Jinping treffen sollte. Zuvor waren unter anderem
US-Präsident Donald Trump und [2][Russlands Staatschef Wladimir Putin von
Xi empfangen] worden. Serbien unterhält enge Beziehungen zu China, das zu
einem der wichtigsten Investoren in dem Balkanland geworden ist.
Es ist der erste offizielle Staatsbesuch für Vučić in Peking, der bislang
nur zu verschiedenen internationalen Gipfeltreffen und Foren nach China
gereist war. Unlängst hatte er die [3][„stählerne Freundschaft“ zwischen
Serbien und China] anlässlich eines milliardenschweren Vertrags über einen
Autobahnbau in seinem Land gewürdigt.
Nach offiziellen Angaben aus Belgrad gehören zu weiteren chinesischen
Projekten in Serbien der Bau einer U-Bahn und ein wichtiger Autotunnel in
der Hauptstadt sowie mehrere Brückenbauten. Die beiden Länder
unterzeichneten im vergangenen September zudem ein Auslieferungsabkommen.
24 May 2026
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