# taz.de -- Lindsey Graham verstorben: Ein Republikaner alter Schule
       
       > Mit 71 Jahren ist der einflussreiche republikanische Senator Lindsey
       > Graham verstorben. Für US-Präsident Trump war er Freund und Feind
       > zugleich.
       
 (IMG) Bild: US-Senator Lindsey Graham hatte ein ambivalentes Verhältns zu US-Präsident Trump
       
       Als Lindsey Graham während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 bei einer
       Kundgebung in seinem Heimatstaat South Carolina für [1][Donald Trump]
       werben wollte, wurde seine Rede von Trumps Anhängern durch laute Buhrufe
       erstickt. Trump selbst musste intervenieren, in dem er auf die Bühne trat
       und Graham verteidigte: „Er ist einer der Guten“, sagte Trump seiner
       MAGA-Gefolgschaft. „Wir brauchen ihn, um die liberalen Stimmern zu holen.“
       
       Der Augenblick charakterisiert trefflich das Verhältnis zwischen Trump und
       dem altgedienten und einflussreichen republikanischen Senator, der am
       vergangenen Samstag im Alter von71 Jahren an plötzlichem Herzversagen
       starb. Das New York Magazine nannte die beiden einmal „Frenemies“ – eine
       Mischung aus Freund und Feind. Trump brauchte Graham und umgekehrt.
       Wirklich warm miteinander wurden die beiden jedoch nie.
       
       Graham, der als Sohn eines Barbesitzers im ländlichen South Carolina
       aufwuchs und Jurist wurde, war eines prominentesten Gesichter der
       republikanischen Partei. Er wurde bereits 1994 ins Repräsentantenhaus
       gewählt, seit 2002 vertritt er seinen Staat, einen klassischen „roten“
       Staat, im Senat. Und auch bei der anstehenden Senatswahl im kommenden
       November galt er wieder als sichere Bank für seine Partei. Er gewann die
       Vorwahlen überlegen und lag in allen Umfragen vor seiner demokratischen
       Herausforderin Annie Andrews.
       
       Dabei war Lindsey Graham ein Republikaner alter Schule. Er war immer einer,
       der bereit war, mit den Kollegen der anderen Seite zu reden. In seiner
       Arbeit im Rechtsausschuss und im Haushaltsausschuss konnten die Demokraten
       bis zu Trumps Amtsantritt 2016 darauf zählen, dass man mit ihm verhandeln
       kann. Einer seiner engsten Freunde und Verbündeten im Parlament war John
       McCain, der 2008 gegen Barack Obama antrat und der sich zum Teil gegen den
       Widerstand der Partei stets darum bemühte, den Wahlkampf zivilisiert zu
       halten.
       
       ## Plötzlicher Verbündeter
       
       Noch 2016, als Graham selbst gegen Trump antrat, nannte er diesen einen
       „rassistischen, verlogenen, fremdenfeindlichen Heuchler“. Eine seiner
       Positionen war eine sinnvolle Einwanderungspolitik, die dem Bedarf der USA
       an fremder Arbeitskraft Rechnung trägt. „Wenn wir nicht, wie der oberste
       Bundesrichter Strom Thurmond, noch mit 67 bereit sind, Kinder zu zeugen,
       brauchen wir ein vernünftiges Einwanderungsgesetz“, witzelte er im
       Wahlkampf.
       
       Nach Trumps Wahlsieg wurde Graham jedoch plötzlich zu einem engen
       Verbündeten von Trump. Die beiden wurden regelmäßige Golfpartner, und
       Graham nannte Trump mehrfach den „einzigen Mann, der dieses Land retten
       kann“. Im Senat wurde Graham zu einem von Trumps wichtigsten Verbündeten.
       Er half ihm, im Rechtsausschuss Hunderte von Richterposten mit Trump
       Anhängern zu besetzen. Er war der feurigste Verteidiger des obersten
       Bundesrichters Brett Kavanaugh, der vor seiner Nominierung der sexuellen
       Gewalt gegen mehrere Frauen beschuldigt wurde. Und er half Trump mehrfach,
       seinen Haushalt gegen demokratische Widerstände durchzuboxen.
       
       Trotzdem wurde das Verhältnis noch einmal brüchig. Als Trump 2020 den
       Wahlsieg von Joe Biden nicht akzeptieren wollte, distanzierte sich Graham
       von ihm und kritisierte lautstark die Attacke auf das Kapitol am 6. Januar
       2021. Nachdem Trump 2024 wiedergewählt wurde, schien das alles jedoch
       wieder vergessen zu sein.
       
       ## Außenpolitische Positionen
       
       Zuletzt tat sich Graham entgegen von Trumps „America First“-Politik als
       Befürworter amerikanischer militärischer Interventionen hervor. Er machte
       sich für die Unterstützung der Ukraine stark und [2][hatte schon lange ein
       militärisches Vorgehen im Iran propagiert.] Sowohl Wolodymyr Selenskyj als
       auch Benjamin Netanjahu gehörten deshalb auch zu den ersten Kondolanten.
       
       Nachdem Mitch McConnell wegen gesundheitlicher Probleme seit Wochen
       abgetaucht ist, ist Grahams Senatssitz nun vermutlich der zweite
       republikanische Sitz, der noch vor der Zwischenwahl vakant wird. Die
       Hoffnung, dass eine DemokratIn ihn beerben könne, ist in South Carolina
       jedoch gering.
       
       12 Jul 2026
       
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