# taz.de -- Pressefreiheit in Ecuador: Sie wehren sich gegen die Morde an Journalisten
       
       > 2025 war das blutigste Jahr für Journalisten in Ecuador, viele gehen ins
       > Exil. Die Stiftung Periodistas sin Cadenas will der Gewalt etwas
       > entgegensetzen.
       
 (IMG) Bild: Familienmitglieder der 2018 ermordeten Kollegen: Journalist Javier Ortega, Fotograf Paul Rivas und Fahrer Efrain Segarra
       
       Unscheinbar und unauffällig ist das Büro von Susana Morán, Direktorin von
       Periodistas sin Cadenas (Journalisten ohne Ketten), in der ecuadorianischen
       Hauptstadt Quito. Morán legt Wert darauf, dass die knappen Mittel der
       Stiftung effizient investiert werden. „Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt
       darauf, Lokaljournalismus zu fördern. Wir unterstützen Kollegen vor Ort mit
       Kursen, Beratung und Vernetzung. Hin und wieder begleiten wir sie auch bei
       riskanten Recherchen – durch Erreichbarkeit“, so die Journalistin.
       
       Morán gehört zum Gründungskollektiv der Medienorganisation, die 2020 formal
       ins Leben gerufen wurde. Doch die Idee entstand im Frühjahr 2018.
       
       Da wurde ein dreiköpfiges Team der Tageszeitung El Comercío, für die auch
       Susana Morán damals arbeitete, von einer Dissidentengruppe der Guerilla
       Farc in der ecuadorianischen Provinz Esmeraldas entführt. Spätestens drei
       Wochen später, eventuell auch früher, wurden die drei Kollegen Javier
       Ortega, Paúl Rivas und Efraín Segarra ermordet.
       
       „Damals sind viele Kollegen hier in Quito aus Protest auf die Straße
       gegangen, um die Regierung aufzufordern, mehr zu tun. Es entstand die Idee,
       eine Presseorganisation zu gründen, die für die Reporter wirklich da ist“,
       erinnert sich Morán. Mit einer Handvoll Kolleg:innen koordiniert sie
       heute die Arbeit von Periodistas sin Cadenas, die mit fundierten
       Informationen auf die prekären Bedingungen aufmerksam macht, [1][unter
       denen in Ecuador oft gearbeitet wird].
       
       Diffamiert und diskreditiert 
       
       Das ist schon lange so – und der linke Ex-Präsident [2][Rafael Correa]
       (2007–2017) ist dafür mitverantwortlich. Er attackierte die privaten
       Medien, um sie zu einer anderen Berichterstattung zu bringen, diffamierte
       und diskreditierte die Journalist:innen. Parallel dazu wurden Sendelizenzen
       entzogen, Bußgelder verhängt und auch Strafprozesse eingeleitet.
       
       „Fakt ist, dass Journalismus als vierte Gewalt, die öffentliche Ausgaben,
       illegale Netzwerke und [3][dubiose Verbindungen] überprüft, nicht erwünscht
       ist“, meint Morán. Hinzu kommt, dass trotz mehrfacher Anläufe, einen
       Schutzmechanismus für Journalisten einzurichten, dieser bisher nur auf dem
       Papier existiert. „Wir haben das Gesetz, die Durchführungsbestimmung, aber
       in der Praxis funktioniert es nicht, weil kein Etat freigegeben wird“,
       kritisiert Morán.
       
       Direkte Folge ist, dass mehr als 20 Journalisten in den letzten drei, vier
       Jahren ins Exil gegangen sind. Fehlende Perspektiven sind der wesentliche
       Grund. Zudem ging das Jahr 2025 als das bisher blutigste in die Geschichte
       des ecuadorianischen Journalismus ein. „Sechs Kollegen wurden ermordet –
       alle in der Küstenregion“, erklärt Morán und schiebt ein Blatt mit Namen,
       Fotos, Todesort und Todeszeitpunkt über den Tisch.
       
       Trotz der Morde hat die Regierung [4][des rechten Präsidenten Daniel Noboa]
       bisher nicht reagiert, Gelder für den Schutz der
       Berichterstatter:innen wurden nicht freigegeben. „Also müssen sich die
       Kollegen so gut wie möglich selbst schützen. Wir sorgen für Expertise,
       Tipps und wenn möglich Weiterbildung im Ausland“, sagt die mehrfach
       prämierte investigative Journalistin. Sie hat mehrere Kolleg:innen, die sie
       für Seminare oder kleine Auszeiten zu Reporter ohne Grenzen vermittelt hat
       – den letzten im Juni 2025 nach Berlin.
       
       25 Jun 2026
       
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