# taz.de -- Vetternwirtschaft in Ecuador: Im Interesse der eigenen Familie?
> Daniel Noboa, Ecuadors Präsident, vergibt mutmaßlich
> Steuererleichterungen an Verwandte. Der Umweltjurist Yaku Pérez erhebt
> Vorwürfe.
(IMG) Bild: Ecuadors Präsident Daniel Noboa
Auf der großen schwarzen Tafel über der schmalen Eingangstür steht der Name
Yaku Pérez. Darunter steht Estudio Jurídico, Anwaltskanzlei. Schon von
Weitem ist die recht große Tafel an dem Eckhaus in der Altstadt von Cuenca
zu sehen. Die Stadt im Süden Ecuador ist die drittgrößte des Landes und
Hauptstadt der Provinz Azuay.
Yaku Pérez, der 57-jährige Jurist und Umweltaktivist, gehört hier zur
Prominenz, denn er hat die Provinz vor ein paar Jahren regiert. Nicht erst
seitdem ist seine Kanzlei für Teile der Zivilgesellschaft ein Anlaufpunkt.
„Ich bin derzeit der Koordinator der Vereinigung der indigenen und
kleinbäuerlichen Organisationen von Azuay (FOA). Ich und der gesamte
Vorstand benötigen juristischen Beistand. Wir werden kriminalisiert“, sagt
Pérez.
Für den indigenen Rechtsanwalt ist es nicht das erste Mal, denn der
drahtige Mann hat immer wieder Proteste im Süden Ecuadors gegen die
neoliberal agierenden Regierungen von Lenín Moreno (2017–2021) und
Guillermo Lasso (2021–2023) angeführt. Drei Verfahren laufen derzeit noch
gegen Pérez, eines hat er gerade zu seinen Gunsten beendet. Er ist sich
sicher, dass die Regierung von [1][Präsident Daniel Noboa] dafür
verantwortlich ist.
„Attacken auf die Zivilgesellschaft und die Justiz“
„Wir haben es mit einer Regierung zu tun, die immer autoritärer auftritt
und die Gewaltenteilung mit Füßen tritt“, kritisiert Pérez, der bei den
[2][Präsidentschaftswahlen 2023] kandidierte, aber abgeschlagen auf einem
der hinteren Plätze landete. Zwei Jahre zuvor war das anders. Da scheiterte
Yaku Pérez an wenigen tausend Stimmen an [3][der Stichwahl], die der
Bankier Guillermo Lasso schließlich für sich entschied.
Bis heute halten sich die Gerüchte, dass Pérez bei den Auszählungen
benachteiligt wurde. Doch das ist heute kein großes Thema mehr für Pérez.
Er kritisiert, dass die Regierung Noboa Politik im eigenen Interesse macht.
„82 Millionen US-Dollar wurden dem Unternehmen seines Vaters, Corporación
Noboa, an Steuern erlassen. Mehreren anderen einflussreichen Unternehmen
wurden ihre Steuerschulden zu Beginn des Jahres ebenfalls erlassen“,
kritisiert Pérez.
Angesichts der chronischen Medikamentenknappheit in den Krankenhäusern, der
unzureichenden Finanzierung präventiver Jugendarbeit gegen die Rekrutierung
durch Kartelle und der wieder steigenden Gewaltkriminalität ist dies für
Pérez ein Zeichen völligen sozialpolitischen Versagens. Eine Einschätzung,
die auch Ingrid García, Direktorin der Menschenrechtsorganisation Inre DH
aus Quito, teilt.
Sie attestiert der Regierung von Daniel Noboa, sich „wie eine Krake der
Institutionen des Staates zu bemächtigen. Die Gewaltenteilung wird von
Daniel Noboa und seinen Ministerien nicht akzeptiert“, kritisiert die
Afroecuadorianerin und fährt fort: „Wir haben es mit einer Regierung zu
tun, die das Gros der staatlichen Institutionen wie die
Generalstaatsanwaltschaft bereits unter ihrer Kontrolle hat. Einzig die
höchste juristische Instanz des Landes, das Verfassungsgericht, setzt ihr
noch Grenzen.“ Mehrere Gesetze der Regierung Noboa wurden überprüft und für
nicht verfassungskonform erklärt.
## Marsch durch Quito gegen das Verfassungsgericht
Doch genau das akzeptiert der Präsident nicht. Letztes Jahr hat er im
August zur Demonstration gegen die Verfassungshüter aufgerufen. Mehrere
hundert Menschen folgten ihm damals bei einem Marsch durch Quito, bei dem
auch Plakate der Verfassungsrichter gezeigt wurden. „Eine Aktion, die von
fehlender demokratischer Reife zeugt. Daniel Noboa strebt die komplette
Macht in Ecuador an“, meint García.
Diese Einschätzung teilt auch Yaku Pérez, der der [4][bergbaufreundlichen
Politik] der Regierung kritisch gegenübersteht. „Sie hoffen, dass der
Bergbau die seit Jahren sinkenden Einnahmen aus der Ölförderung
kompensieren kann. Das seit Februar geltende neue Bergbaugesetz senkt nicht
nur die Umweltvorgaben, sondern auch die Abgaben.“
Die Regalías, die Abgaben auf die Umsätze der Minen, wurden von 5 Prozent
auf 3 gesenkt. Eine Umweltkonzession für die Eröffnung einer Mine ist seit
dem 26. Februar 2026, dem Tag der Verabschiedung des neuen Gesetzes, mit
deutlich weniger Aufwand zu bekommen – Umweltgutachten sind nicht mehr per
se vorgeschrieben. Das passt zum neuen Kurs der Regierung, die schon im
Juli 2025 das Umweltministerium in das Ministerium für Energie und Bergbau
integriert hatte.
Im Interesse der eigenen Familie?
Alberto Acosta, Nachhaltigkeitsexperte und 2008 Vorsitzender der
verfassunggebenden Versammlung, hält das für einen Irrweg. „Die
Unterordnung von Umweltaspekten unter Förderaspekte widerspricht der
Verfassung.“ Doch das interessiert den 39-jährigen Unternehmer und
Politiker Daniel Noboa nur partiell. Yaku Pérez ist sich sicher, dass er
auch das ökonomische Interesse der eigenen Familie im Sinn hat.
„Seine Tante Isabel Noboa dirigiert die Holding Nobis, der wiederum auch
Unternehmen angehören, die Aktienpakete mehrerer kanadischer
Bergbaukonzerne halten, die wiederum in Ecuador Konzessionen erworben
haben“ erklärt Pérez. „Eines der Projekte heißt Curipamba, ist in der
Region Las Navas in der Provinz Bolívar angesiedelt“, so Yaku Pérez.
Er kritisiert jedoch auch, dass der Präsident mit seiner Frau 2025 eine
Bergbaumesse im kanadischen Toronto besuchte und dass First Lady Lavinia
Valbonesi Spenden im großen Umfang für ihre soziale Stiftung
entgegengenommen habe. „Da liegt eine Interessenverflechtung vor, zumal im
Anschluss an die Visite in Kanada hier in der Region Cuenca noch eine
Umweltkonzession für eine extrem umstrittene Mine eines kanadischen
Konzerns erteilt wurde. Das habe ich angezeigt“, erklärt Pérez.
Doch die Anzeige wurde in Ecuador nicht zugelassen. Für Yaku Pérez ist der
zentrale Grund, dass die Regierung bereits große Teile der Justiz
kontrolliere. „In Ecuador ist immer weniger übrig von unserer Demokratie –
es ist die Karikatur einer Demokratie“, ärgert sich der indigene Anwalt,
der landesweit für den Schutz der Wasserressourcen kämpft. Mit abnehmendem
Erfolg.
28 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Praesidentschafts-Stichwahl-in-Ecuador/!6082503
(DIR) [2] /Wahlergebnis-in-Ecuador/!5966469
(DIR) [3] /Neuauszaehlungen-bei-Wahl-in-Ecuador/!5751871
(DIR) [4] /Kriminalisierte-NGOs-in-Ecuador/!6175134
## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
## TAGS
(DIR) Ecuador
(DIR) Daniel Noboa
(DIR) Umweltschutz
(DIR) Gewässerschutz
(DIR) Bergbau
(DIR) Schwerpunkt Korruption
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Ecuador
(DIR) Naturschutz
(DIR) Ecuador
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Pressefreiheit in Ecuador: Sie wehren sich gegen die Morde an Journalisten
2025 war das blutigste Jahr für Journalisten in Ecuador, viele gehen ins
Exil. Die Stiftung Periodistas sin Cadenas will der Gewalt etwas
entgegensetzen.
(DIR) Repressionen gegen Umweltschützer: Hohe Geldstrafe wegen falscher Buchungsspalte
Ecuador kriminalisiert die Initiator:innen des erfolgreichen
Volksbegehrens gegen Ölförderung im Regenwald. Doch die organisieren
Widerstand.
(DIR) Präsidentschafts-Stichwahl in Ecuador: Daniel Noboa im Amt bestätigt
Die linke Herausforderin verliert mit zehn Prozentpunkten Abstand gegen den
liberalen Amtsinhaber. Beide hatten im Wahlkampf auf Sicherheitspolitik
gesetzt.