# taz.de -- Doppelerdbeben in Venezuela: Mehr als zehntausend Tote befürchtet
> Die heftigsten Beben in Venezuela seit mehr als 100 Jahren lassen
> zahlreiche Häuser einstürzen, vor allem an der Küste. Zahl der
> registrierten Opfer steigt auf 164.
(IMG) Bild: In Venezuela dauert die Suche nach Überlebenden nach zwei Erdbeben weiter an
Dieser Text wird im Laufe des Tages immer wieder aktualisiert.
dpa/ap/kna/epd/taz | Nach zwei starken Erdbeben in Venezuela hat die
Übergangsregierung des Landes den Notstand ausgerufen. Bei den beiden Beben
in Venezuela sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Mittlerweile
stieg die Zahl der bestätigten Opfer auf 164, sagte die geschäftsführende
Präsidentin Delcy Rodríguez am Donnerstagmorgen (Ortszeit). Tatsächlich
dürfte die Zahl sehr viel höher liegen.
## Wahrscheinlich viele Tausende Tote
Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und
7,5 an. Eine Modellrechnung der Behörde legte nahe, dass eine sehr hohe
Opferzahl zu befürchten war. Die automatische Modellrechnung der
US-Erdbebenwarte basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger
Städte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als 1.000
Todesopfern nahe.
Mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 Prozent sei sogar mit mehr als
10.000 Toten zu rechnen, heißt es [1][auf der Webseite der Erdbebenwarte].
Demnach könnte es sogar noch mehr werden.
## Stärkstes Beben seit mehr als 100 Jahren
Die Beben gehören zu den stärksten, die Venezuela seit mehr als einem
Jahrhundert getroffen haben. In Städten bis hin zum brasilianischen
Amazonasgebiet – rund 1.700 Kilometer von Caracas entfernt – wurden Gebäude
evakuiert. Starke Erdbeben sind in Venezuela ungewöhnlich. Obwohl das Land
nahe mehrerer Verwerfungslinien liegt, führt seine Lage zwischen der
Südamerikanischen und der Karibischen Platte dazu, dass Erdbeben dort
seltener auftreten als in anderen Teilen Lateinamerikas.
Ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,7 gab es zuletzt im Jahr 1900
nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas, wie aus Daten
der Organisation hervorgeht.
## Zwei schwere Erdbeben innerhalb einer Minute
Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste
Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit; 0.04 Uhr MESZ
Donnerstag) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in
einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erbeben ereignete
sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund 10 Kilometern Tiefe.
Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer
sein.
Allein in den relativ nahe gelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe
leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort
war vom Einsturz von Gebäuden und erheblichen Schäden die Rede.
Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und
Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr
als 150 Kilometer östlich davon.
Laut der US-Erbbebenwarte ist vor allem die Küstenregion betroffen. Dort
erstreckt sich der Bundesstaat La Guaira als schmaler Streifen entlang der
zentralen Karibikküste etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt Caracas
entfernt. Unmittelbar südlich der Küstenzone der früher Vargas genannten
Region erhebt sich ein mehr als 2.000 Meter aufragendes Küstengebirge.
Schwere Schäden im Küstenstaat La Guaria
In dem Bundesstaat La Guaira liegen der internationale Flughafen der
Hauptstadt Caracas, der geschlossen werden musste, und ein wichtiger
Seehafen. „Dort sind Dutzende Gebäude kollabiert, und es sind intensive
Rettungsarbeiten zugange, um die Leben zu retten, die Gott uns retten
lässt“, hatte Rodríguez bereits in der Nacht zum Donnerstag gesagt.
Auch laut einem [2][Bericht der Webseite El Nacional] sind allein in dem
Bundesstaat an der Küste Dutzende Häuser eingestürzt. Die Region gleiche
einem Katastrophengebiet. [3][Auf X geteilte Bilder von dort] zeigen
zahlreiche eingestürzte Wohngebäude. In der gleichnamigen Hauptstadt des
Bundestaates La Guaria sind offenbar [4][auch Hochhäuser schwer beschädigt]
worden, in Brand gerateb oder [5][komplett eingestürzt]. Krankenhäuser
scheinen dort extrem überlastet.
## Fotos und Videos zeigen Ausmaß der Schäden
Ein [6][Video auf X] zeigt zudem die Schule einer Marienakademie in dem 40
Kilometer nördlich von Caracas gelegenen Küstenort Catia La Mar, die
offenbar komplett eingestürzt ist.
In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschädigten Gebäuden und
Schäden unter anderem am Flughafen von Caracas. Videos zeigten, wie
verängstigte Menschen am Flughafen versuchten, sich in Sicherheit zu
bringen, während der Boden bebte und Staubwolken aufstiegen.
[7][Ein Video auf Bluesky] zeigt eingestürzte Gebäude in einem Stadtteil
der Hauptstadt Caracas.
Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter
den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der
Gouverneur des Bundesstaats Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV.
Rund 22 Verletzte würden dort in Kliniken medizinisch versorgt.
Ansonsten werden auf den Social-Media-Kanälen bisher verhältnismäßig wenig
Bilder aus den Küstenstädten [8][Tucacas], Puerto Cabello und Moron
gepostet, die wesentlich näher am Epizentrum des Bebens liegen als La
Guaria. Es ist aber unklar, was das über das tatsächliche Schadensmaß dort
aussagt, da an vielen Orten auch das Stromnetz zusammengebrochen ist.
## Zahlreiche Staaten bieten ihre Hilfe an
Die geschäftsführende Präsidentin sprach von einem „Vorfall mit
schwerwiegenden Folgen“. Das US-Außenministerium richtete nach eigenen
Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen
Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische
Hilfe zu schicken.
Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der
Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen
Hilfsgüter bereit, um in die Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.
Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte,
spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen
nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien, Mexiko, Panama und weitere
Staaten signalisierten Hilfsbereitschaft.
Auch die deutsche Bundesregierung hat Hilfe zugesagt. „Die Nachrichten vom
fürchterlichen Erdbeben in Venezuela machen tief betroffen. Deutschland
steht an der Seite Venezuelas und wird helfen“, schrieb Bundeskanzler
Friedrich Merz auf X. „Unsere Gedanken gelten den Opfern und jenen, die ihr
Hab und Gut verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle
Genesung.“
## Innenminister: „Äußerst alarmierende Situation“
„Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun“, sagte
Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf,
an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise
Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen
könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die
Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.
Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María
Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf
der Plattform X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete
gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen
Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns
herrschen.“
25 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://earthquake.usgs.gov/earthquakes/eventpage/us6000t7zp/pager
(DIR) [2] https://www.elnacional.com/2026/06/decenas-de-edificios-colapsaron-en-estado-la-guaira-ya-van-32-muertos-por-terremotos/
(DIR) [3] https://x.com/DaniArguinzones/status/2069998916427296929
(DIR) [4] https://bsky.app/profile/bananaosint.bsky.social/post/3mp37ojdcer2p
(DIR) [5] https://x.com/AndrewsAbreu/status/2070014758258970744
(DIR) [6] https://x.com/BarbaraUSanz/status/2069949454954942715
(DIR) [7] https://bsky.app/profile/andrewmceo.bsky.social/post/3mp32wf35ik2q
(DIR) [8] https://x.com/AndrewsAbreu/status/2069923016817942678
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