# taz.de -- Schwäbische Verlagsgruppe auf Abwegen: Das Ganze hat System
> Einst kamen aus Schwaben Zeitungen, die dem christlichen Weltbild
> verpflichtet waren. Nun ist der Verlag zur Arena rechter Kulturkämpfer
> geworden.
(IMG) Bild: Die Schwäbische trägt stolz den Untertitel „Tageszeitung für christliche Kultur und Politik“
Deutschlands Zeitungen werden immer unaktueller. Die Sonntagszeitungen
erscheinen mittlerweile schon am Samstag, und auch mit der Kommentierung
aktueller Ereignisse ist das so ’ne Sache.
Am Montag hat der Nordkurier aus Neubrandenburg den da schon fünf Tage
alten Summs kommentiert, dass der Lerchenberg seinen „ZDF heute
Live“-Beitrag über Elon Musk und die Ausschreitungen in Belfast ändern
musste. Weil die Anmoderation dem Tech-Bro sehr deutlich unterstellte,
direkt zu Gewalt aufgerufen zu haben.
Der Kommentar stammt direkt vom Chefredakteur der ganzen Zeitungsgruppe, zu
der der Nordkurier gehört. Von daher darf hier Absicht unterstellt werden.
Die nächste Lüge: „Öffentlich-Rechtliche pfuschen sich immer tiefer in die
Krise“, schreibt Christoph Reisinger.
Noch schlimmer: „Es war journalistisch-handwerklicher Pfusch mit Vorsatz,
kein Versehen, kein Flüchtigkeitsfehler“, geht es weiter und schließt mit
„ZDF und ARD müssen sich nach dem Fall Musk mehr denn je die Frage gefallen
lassen: Wer braucht sie noch in einer internetdominierten Medienwelt voller
Hass- und Lügen-Blasen, wenn sie nicht der Wahrheit verpflichtet
berichten?“
## Was sich von selbst versteht
Jetzt ließe sich die Frage stellen, was denn bitte die ARD mit dem
ZDF-„Fall Musk“ zu tun hat? Hier lohnt ein genauerer Blick auf Herrn
Reisinger. Der übt sich im schlecht verstellten Kulturkampf gegen alles
Öffentlich-Rechtliche und ist seit Januar Chefredakteur der
[1][Schwäbischen Zeitung] und damit auch Chef des „Editorial Boards“ für
alle Tageszeitungen der Schwäbischen Verlagsgruppe aus Ravensburg. Dazu
gehören neben dem Nordkurier noch die [2][Schweriner Volkszeitung], die
[3][Norddeutsche Neueste Nachrichten] (Rostock) sowie der
Zollern-Alb-Kurier (Balingen).
Das Ganze hat System, „Rechtsruck in Ravensburg“ titelte die taz ja schon
2024 über das regionale Großverlagshaus in Tief Südwest und Hoch Nordost.
Reisinger ist dabei nicht ganz so derb zugange wie der frühere
Chefredakteur des Nordkuriers, Lutz Schumacher. Deshalb ist Schumacher auch
nicht Chefredakteur, sondern Geschäftsführer und CEO beim Schwäbischen
Verlag.
Und damit in Sachen Populismus auch ja nichts schiefgeht, ist [4][Jan David
Sutthoff] für alle digitale Plattformen der Titel verantwortlich. Sutthoff
war mal kurzzeitig Chefredakteur bei Julian Reichelts Populismusschleuder
Nius.
Schuhmacher baut den Laden seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren
grundsätzlich in Richtung rechtskonservativ-populistische
Anschlussfähigkeit um. Dass es da gern gegen die Öffentlich-Rechtlichen
geht, versteht sich von selbst.
Weniger verständlich ist, warum die Verleger- und Besitzerfamilien des
Schwäbischen Verlags dahinterstehen. Die Schwäbische trägt stolz den
Untertitel „Tageszeitung für christliche Kultur und Politik“.
Vielleicht sollten sie den ein oder anderen aus ihrer Führungsmannschaft
zum Teufel jagen. „Die moderne Kirche 4.0 bedeutet seelsorgerische Beratung
oder kleine Beichte, statt öffentliche Buße und Ausschluss. Sichert heute
wie damals die eigene Autorität“, sagt die Mitbewohnerin.
22 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwaebische-Zeitung-auf-Abwegen/!6029392
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Schweriner_Volkszeitung
(DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Norddeutsche_Neueste_Nachrichten
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_David_Sutthoff
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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