# taz.de -- Fête de la Musique in Berlin: Witzeln bis man Ohr wird
       
       > Die Fête de la Musique kann auch ein Wortspielhöllenritt sein. Manchmal
       > läuft aber eine Waschmaschine, und das ist auch schön.
       
       Es ist Fête de la Musique. Und es ist heiß, sehr heiß. Matteo hat für jeden
       von uns einen Handventilator mitgebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich
       ihm dafür dankbar bin, aber ich bin es. „Wie heißt die Band, die wir gleich
       hören?“, fragt Maral.
       
       „Drunk at Your Wedding“, sagt Matteo. „Und die Band danach?“ „The Uninvited
       Wedding Guests.“ „Du machst Witze“, sagt Maral. „Tatsächlich nicht“, sagt
       Matteo. „Sie spielen aber in verschiedenen Locations. Für die Uninvited
       Wedding Guests müssen wir nachher zur Marie rüberlaufen.“ Ob die Bands sich
       kennen, überlege ich.
       
       „Warum spielen sie im Prenzlauer-Berg und nicht im Wedding?“, fragt Maral.
       „Weil die erste Band dann Drunk in Wedding heißen müsste“, sagt Matteo.
       „Die zweite könnte ihren Namen aber behalten“, sage ich. „Wo wir gerade
       beim Thema sind“, sagt Maral. „Was hört ihr aktuell für Musik? Immer noch
       baltischen Dancehall-Reggae?“ Sie sieht Matteo an.
       
       Er schüttelt den Kopf. „Momentan bin ich autobiografisch unterwegs. Die
       großen Meilensteine.“ „Die großen Meilensteine?“ Ich sehe Matteo fragend
       an. „Letzte Woche habe ich Lieder aus meinem Geburtsjahr gehört.“ „Ah.“
       „Und diese Woche Songs aus dem Jahr, in dem ich entjungfert wurde.“ „Oh.“
       
       Maral zieht die Augenbrauen hoch. „Nenn mal einen Titel“, sage ich. „I'm
       too sexy“, sagt Matteo. „Wissen wir“, sagt Maral. „Das ist der Titel“, sagt
       Matteo. Ich stelle meinen Ventilator auf höchste Stufe und halte ihn mir
       vors Gesicht.
       
       „Let's Talk About Sex“ ist übrigens auch aus dem Jahr. Und der „Shoop Shoop
       Song“ von Cher. „It's in his kiss“, sagt Maral. „That's where it is“, sagt
       Matteo. Der Luftzug tut gut. „Lief denn währenddessen auch Musik?“, frage
       ich. „Während was?“, fragt Matteo. „Während deiner Entjungferung.“
       
       „Ach so. Nein, da lief keine Musik. Aber eine Waschmaschine. Im
       Schleudergang.“ „Ich sehe euch vor mir“, sagt Maral. „Ein Schleudertraum“,
       sage ich. „Ha, ha“, sagt Matteo. „Macht euch nur lustig.“ Maral deutet nach
       vorne. „Es geht los. Wedding-Bomber Part One.“ „Klingt wie ein
       Ego-Shooter“, sage ich. „Ist aber Indie-Pop“, sagt Matteo.
       
       Und dann sind wir ganz Ohr.
       
       22 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Klaus
       
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