# taz.de -- Linkspartei und Antisemitismus: „Linkspartei für Juden unwählbar“
> Der Zentralrat der Juden zeigt sich entsetzt vom Beschluss der Linken zum
> Nahost-Konflikt. Die Partei habe jede Glaubwürdigkeit verloren, sagt
> Präsident Schuster.
(IMG) Bild: „Linke leistet wachsendem Antisemitismus weiteren Vorschub“: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
kna/dpa | Der Präsident des [1][Zentralrats der Juden in Deutschland],
Josef Schuster, hat die Partei der Linken nach ihrem Parteitag am
Wochenende scharf kritisiert. Mit dem dort gefassten Beschluss leiste sie
dem wachsenden Antisemitismus weiteren Vorschub, erklärte Schuster dem
Tagesspiegel.
Die Linke hatte sich in dem Beschluss zu ihrer besonderen historischen
Verantwortung gegenüber Israel bekannt und sich zugleich dem
„Genozid“-Vorwurf internationaler Organisationen gegen das Land
angeschlossen.
„Statt sich mit dem wachsenden Antisemitismus zu befassen, der gerade auch
von linken Gruppen forciert wird, nutzt die Linke ihren Bundesparteitag für
Lippenbekenntnisse zum Schutz jüdischen Lebens, die zwischen
Boykottunterstützung und ‚Genozid‘-Vorwürfen gegen Israel jede
Glaubwürdigkeit verlieren“, sagte Schuster [2][nach der Lektüre der
Parteitagsformulierungen].
Schon zuvor hatte der Zentralratspräsident gegenüber der Welt klargestellt:
„Für Jüdinnen und Juden macht sie sich damit unwählbar.“
## Beschluss gilt als Kompromiss
In dem nach langem Ringen verabschiedeten Beschluss des Linken-Parteitags
in Potsdam ist davon die Rede, dass dem Staat Israel als Schutzraum für
Jüdinnen und Juden „eine besondere historische und gegenwärtige Bedeutung“
zukomme, weshalb [3][man auch zu dessen Existenzrecht stehe]. Zugleich
würden aber auch „gewaltfreie Versuche, die Besatzungspolitik Israels zu
beenden“, ausdrücklich unterstützt. Dazu zählt die Linke auch
wirtschaftliche Sanktionen.
Zu der Feststellung, dass mehrere internationale Organisationen und
Juristen von einem Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung im
Gazastreifen sprechen, heißt es in dem Parteitagsbeschluss der Linkspartei
vom vergangenen Freitagabend: „Wir schließen uns dieser Einschätzung an.“
Der Beschluss gilt wohlgemerkt als Kompromiss. Stark vertretene
Pro-Palästina-Gruppen in der Partei hatten auf dem Parteitag versucht, ein
sehr viel radikaleres antiisraelisches Papier zu verabschieden.
Linke-Bundeschefin Ines Schwerdtner sah sich zuletzt genötigt, sich [4][von
öffentlich gewordenen antiisraelischen Vernichtungsfantasien und
Lobpreisungen des Stalinismus innerhalb der Parteinachwuchs-Organisation
Solid] zu distanzieren.
22 Jun 2026
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