# taz.de -- Ein Reise aus dem Hotelzimmer: Der blaue Elefant und der Dritte Weltkrieg
       
       > Während Generäle die Welt erklären, erzählt ein alter Western eine andere
       > Geschichte. Über Krieg, Eindeutigkeit und die Sehnsucht nach Trickstern.
       
 (IMG) Bild: Weternhelden wie es sie früher einmal gab
       
       Kürzlich in einem Hotel in Wuppertal. Ich sitze vor dem Fernseher und
       schalte alle zwei Minuten den Sender um. Heute entscheidet nicht der
       Algorithmus, was als Nächstes kommt. Ich bastel meine eigenen Reels und
       schaue, welche Wirklichkeit dabei entsteht.
       
       Der blaue Elefant kaut sein Kaugummi übertrieben laut. Ein Revolver liegt
       auf einem Tisch.
       
       Der blaue Elefant erreicht eine Schlucht und bleibt kurz davor stehen.
       
       Ein Mann namens Nobody betritt den Saloon. Er füllt jede Gesprächspause wie
       ein kinderloser Onkel auf Familienfeiern. Er sucht sein Vorbild [1][Jack
       Beauregard], den gealterten Revolverhelden.
       
       ## Schneller als die anderen
       
       Leute in gebügelter Kleidung sprechen über die [2][Notwendigkeit von
       militärischer Abschreckung.]
       
       Der Elefant kratzt sich am Kopf.Der General spricht, als würde er Befehle
       erteilen. Der Mann namens Nobody zieht seinen Revolver schneller, als die
       Augen erfassen können.
       
       Der General sagt „mit Verlaub“ und erklärt, welche Rakete welche Rakete
       abschrecken soll. Vor einer animierten Weltkugel zerstört [3][Russland
       Museen in Kyjiw.] Der US-Präsident schließt einen Deal mit dem Iran.
       
       Nobody wird von Cowboys verfolgt: die Wilde Horde. Sie wollen einen Zug
       überfallen. Nobody kommt ihnen zuvor. Er hat eine Idee.Auch der Elefant hat
       eine Idee. Er bläst das Kaugummi auf, bis es größer ist als er.
       
       Endlich hört das nervige Knatschen auf.
       
       Nobody zündet das zuvor in der Erde versteckte Dynamit, fast alle Gangster
       explodieren.
       
       Die Idee des Elefanten funktioniert. Er hebt ab und schwebt über die
       Schlucht. Schätze, in diesem Fall ist die Pistole ein Kaugummi und der
       Elefant eine Art Nobody.
       
       Der General fordert Waffen, Waffen, Waffen. Die Moderatorin nickt und nickt
       und nickt. Die Überlebenden der Horde erschießt Nobody ohne zu zögern. Pam,
       pam, pam.
       
       Ich frage mich, warum ich Nobody mehr vertraue als dem General. Ich schaue
       aus dem Fenster und betrachte die von der Sonne gleißende Außenwand.
       
       Nobody ist ein seltsamer Held. Albern, verspielt, trickreich. Er will nicht
       die Welt retten. Aber er will eine Art Gerechtigkeit. Niemand ist heute wie
       Nobody. Die Gegenwart erlaubt keine Widersprüche, sie verlangt
       Eindeutigkeit.
       
       Der General erklärt die Welt als Gleichung. Nobody erzählt eine Fabel. Vom
       Vogel, der im Winter fast einfriert, bis eine Kuh auf ihn scheißt. Der Mist
       wärmt ihn, er beginnt vor Glück zu piepen. Ein Kojote hört es, zieht ihn
       aus dem Dreck und frisst ihn. Nicht jeder, der dich aus der Scheiße zieht,
       ist dein Freund. Und wenn du in der Scheiße sitzt, halt den Mund.
       
       Der General hat den Dritten Weltkrieg in eine Excel-Tabelle übersetzt, in
       der für ungezogene Elefanten und Nobodys kein Platz ist. Ich beneide
       Nobody. Niemand verlangt von ihm, alles erklären zu können.
       
       Wann wurden die Trickster und die blauen Elefanten weggesperrt? 
       
       Am Ende des Films täuscht Nobody den Tod seines Helden vor, damit er nach
       Europa flüchten kann. Als würde der Westen seinen eigenen Mythos beerdigen.
       Zurück bleiben die gebügelten Hemden und die Excel-Tabellen.
       
       Vielleicht hat Nobody recht: Wenn wir bis zum Hals im Mist stecken, sollten
       wir darauf achten, wer uns herausziehen will.
       
       Irgendwo zwischen dieser Erkenntnis und dem Hotelbett lauert die
       geopolitische Pointe. Ich schalte den Fernseher aus und öffne Google Maps.
       
       Hallo Wuppertal, wo ist dein nächster Saloon?
       
       21 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] /Russische-Angriffe-auf-Kulturstaetten/!6187249
       
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