# taz.de -- Krieg im Libanon: Manchmal stirbt auch die Hoffnung
> Mal wieder gilt eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah.
> Mal wieder wird sie gebrochen. Israel torpediert mit Luftangriffen den
> US-Iran-Deal.
(IMG) Bild: Nach einem israelischen Militärschlag im Südlibanon steigt am Freitag Rauch in den Himmel auf – aufgenommen vom Norden Israels
Mona Khalil liebte das Meer in Mansouri im Süd-Libanon, besonders [1][wegen
der Wasserschildkröten, die dort jedes Jahr brüten und die sie als
Umweltaktivistin dabei beschützte]. In einem orangefarbenen Haus hieß sie
Gäste willkommen, gemeinsam mit Freiwilligen säuberte sie den Strand von
Plastik und Papier. Während des Krieges schloss sie die Tür für Gäste,
weigerte sich aber, selbst zu fliehen, sagen Freunde. Das wurde ihr zum
Verhängnis. Ein israelischer Angriff traf ihr Haus, Zeugen zufolge schlug
das Geschoss auf der Seite ihres Schlafzimmers ein.
Die Umweltschützerin starb am Freitag an ihren Verletzungen. Sie ist nun
eine von 3.980 Menschen, die durch Israels Angriffe im Libanon seit dem 2.
März getötet wurden.
Der israelische Angriff traf das Wohnhaus am 4. Juni, eigentlich galt da
eine Waffenruhe. Seit der Ausweitung des Krieges zwischen Israel und der
Hisbollah-Miliz im März wurden bereits mehrere Waffenstillstände
ausgerufen: am 7. April, 17. April, 3. Juni, am 14. Juni [2][durch den
neuen Friedensplan zwischen den USA und Iran]. Obwohl dieser explizit die
Front im Libanon einschloss, trat [3][am Freitagmittag ein separater
sogenannter Waffenstillstand] zwischen Israel und der Hisbollah in Kraft.
Aber auch diese Waffenruhe wurde [4][laut libanesischen Angaben bereits
wieder gebrochen].
Beide Parteien hatten sich auf die Waffenruhe geeinigt, verkündete ein
US-Beamter. Ein hochrangiger israelischer Beamter und zwei
Hisbollah-Quellen bestätigten das der Nachrichtenagentur Reuters. Ein
hochrangiger US-Beamter teilte Reuters mit, der Deal sei von Vermittlern
der USA und Katar mit Unterstützung Irans ausgehandelt worden.
## J. D. Vance ist am Flughafen umgekehrt
Zuvor hatten israelische Angriffe das US-iranische Interimsabkommen schwer
auf die Probe gestellt. Am Freitag waren Angestellte des US-Vizepräsidenten
J. D. Vance bereits am Flughafen Richtung Obbürgen in der Schweiz, um dort
mit iranischen Vertretern die Details zu verhandeln. Doch dann wurde der
Trip abgesagt. Der Grund: Israels Angriffe im Libanon.
Seit der Nacht auf Freitag bombardierte Israels Militär im Südlibanon und
im Ostlibanon rund 100 Ziele, so libanesische Medien. 47 Menschen wurden
getötet, darunter zahlreiche Kinder und Frauen, meldet Libanons
Gesundheitsministerium. Es zählt 97 Verletzte. Die Hisbollah hatte zuvor
vier israelische Soldaten bei ihrem Einmarsch im Südlibanon getötet.
Dabei hatte Iran zuvor gedroht, das Abkommen zu brechen, sollten
israelische Angriffe im Libanon weitergehen. Die israelische Regierung
lehnt das Abkommen entschieden ab und sieht darin eine politische
Niederlage. Israels Ministerpräsident [5][Benjamin Netanjahu möchte freie
Hand] haben beim völkerrechtswidrigen Einmarsch in den Libanon.
Israel wurde bei den Verhandlungen zur Vereinbarung zwischen den USA und
Iran vergangene Woche wohl nicht konsultiert – die ultrarechte Regierung
reagierte entsprechend verärgert auf die Forderung, den Einmarsch und die
militärische Besatzung von 55 Grenzdörfern im Libanon zu beenden.
## Bombardement kurz vor dem Deal
Weil US-Präsident Donald Trump den Deal mit Iran gefährdet sieht, ist er
wütend auf Netanjahu. Dieser hatte bereits mehrfach die Verhandlungen
torpediert, zum Beispiel mit einem Angriff auf Wohngebiete in Süd-Beirut.
Wenige Stunden vor der Verkündung des Deals bombardierte die israelische
Armee ein Wohnhaus im Beiruter Vorort Ghobeiry. Dabei wurden nach Angaben
des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens drei Menschen getötet
und 15 verletzt. Der Angriff brachte die Verhandlungen zeitweise an den
Rand des Scheiterns.
Entsprechend Druck scheinen die USA gemacht zu haben, um mithilfe von Katar
und Iran die Lage nun zu beruhigen. Am Freitagnachmittag wurde überraschend
die Waffenruhe verkündet.
Ein paar Stunden sah es auch tatsächlich gut aus. Zwei libanesische
Sicherheitsquellen berichteten, nach 17 Uhr Ortszeit seien keine Angriffe
verzeichnet worden. Ein israelischer Militärbeamter bestätigte das.
Israelische Streitkräfte würden aber weiter im Süd-Libanon bleiben, sagte
ein israelischer Beamter gegenüber Reuters.
Am Samstagmorgen aber ist die Waffenruhe offenbar schon wieder Geschichte.
Die staatliche Nachrichtenagentur NNA teilte mit, dass bei Angriffen von
Kampfflugzeugen auf die Stadt Arabsalim im Raum Nabatija drei Menschen
getötet worden seien. Zudem soll eine israelische Drohne einen
Motorradfahrer getötet haben. Weiter berichtete die Agentur über den
Beschuss der Stadt Nabatija und ihrer Vororte. Allein dort solle, so hieß
es später vom libanesischen Zivilschutz, 16 Leichen geborgen worden seien.
Das israelische Militär teilte mit, es habe auf Beschuss seitens der
Hisbollah reagiert. Mehr als 50 Geschosse seien in der Nacht auf
israelische Streitkräfte im Südlibanon abgefeuert worden.
20 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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