# taz.de -- Iran-Abkommen: Im Krieg gefangen
> So positiv wie die Absichtserklärung für ein Kriegsende im Iran ist, so
> wenig lässt sich voraussagen, wie es weitergeht. Knackpunkt ist der
> Libanon.
(IMG) Bild: Beirut, 18. Juni, ein Zelt für Kriegsflüchtlinge: Die Lage im Libanon entscheidet, wie es weitergeht
Dutzende Male wurde verkündet, dass eine Einigung kurz bevorstünde. Ebenso
oft, dass alles noch scheitern könnte. Aber nun ist sie unterzeichnet:
[1][die Absichtserklärung zwischen den USA und Iran, den Krieg an allen
Fronten zu beenden] – am Golf, aber auch im Libanon. Beide Seiten werden
sich misstrauisch beäugen, ob die jeweils andere sich an das Vereinbarte
hält.
Die zunächst größte Frage: Was hat US-Präsident Donald Trump, der zusammen
mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu diesen Krieg begonnen hat,
tatsächlich erreicht? Die konkretesten Absichten wie die Öffnung der Straße
von Hormus und das Ende der US-Seeblockade gegen Iran stellen die freie
Schifffahrt am Golf wieder her, einen Zustand, wie er vor diesem Krieg
geherrscht hatte.
Vieles bleibt offen. Der Schlüsselsatz, der immer wieder auftaucht, lautet:
Bis ein endgültiges Abkommen Näheres regelt. Das betrifft auch die
Atomverhandlungen, so sie denn tatsächlich innerhalb von 60 Tagen beginnen
werden – Trumps größtes Problem. Er muss erst einmal zu dem Punkt kommen,
den der damalige US-Präsident Barack Obama nach 21 Monaten Verhandlungen
mit Iran m[2][it seinem damaligen Atomabkommen] erreicht hatte. Wenn Trump
[3][diesen Deal nicht zerrissen hätte], hätten die Iraner ihr Uran nicht so
weit anreichern können, wie es international vermutet wird.
Der Poker zwischen Iran und den USA ist mit der Unterzeichnung alles andere
als beendet. Beide Seiten halten wichtige Karten zurück. Für die USA sind
das vor allem die Sanktionen gegen Iran. Für Iran sind es die Verhandlungen
über sein Atomprogramm. Da befindet sich zwischen Absicht und
Implementierung ein weites Feld. Beide Parteien werden zunächst abwarten,
wie sich die jeweils andere Seite verhält; und, ob das Vereinbarte
tatsächlich durchgesetzt wird. Das ganze Konstrukt kann auch wieder infrage
gestellt werden.
Die Achillesferse ist der Libanon. Dort hängt Trump vollständig vom
Verhalten seines israelischen Alliierten ab. Die israelischen Truppen
bleiben weiterhin im Libanon präsent. Für die Hisbollah sind alle
israelischen Soldaten auf libanesischem Boden ein legitimes Ziel. Es ist
aber Iran, der die Hisbollah vollständig kontrolliert.
Ob Trump das auch von seinem Verbündeten Israel sagen kann, ist fraglich.
Netanjahu steht innenpolitisch unter Druck, den Krieg im Libanon
fortzusetzen. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz machte
bereits klar, dass sich die israelische Armee nicht aus dem Libanon
zurückziehen werde, egal wie groß der Druck sei. Im Abkommen findet sich
dazu auch keine derartige Klausel.
## Israels Regierung ist gegen das Abkommen
Trotzdem ist genau die weitere Präsenz der israelischen Armee die Lunte,
die das Ganze hochjagen könnte. Das gilt umso mehr, als die israelische
Regierung gegen dieses neue Abkommen ist. Dort ist vor allem davon die
Rede, dass die volle Handlungsfreiheit der israelischen Armee im Libanon
gewährleistet sein müsse. Man müsse auf Sicherheitsbedrohungen reagieren
können. Israel ist also so etwas wie eine unlenkbare Rakete für die Zukunft
des amerikanisch-iranischen Abkommens.
Die Lage im Libanon entscheidet, wie es weitergeht. Aber die Auswirkungen
des Ganzen gehen weit über den Libanon hinaus. Es ist auch ein Testfall für
das Verhältnis zwischen Trump und Netanjahu. Der israelische Premier kann
das Abkommen – über das er definitiv nicht glücklich ist – torpedieren. Die
Frage ist, ob Trump seinen israelischen Verbündeten bremsen kann. Es dürfte
nicht reichen, dass Trump Netanjahu inzwischen öffentlich rügt und ihn
auffordert, „im Libanon verantwortungsvoller zu handeln“.
Netanjahu an die Kandare zu nehmen, ist für Trump auch eine innenpolitische
Herausforderung. Denn eines ist in den vergangenen Kriegsmonaten deutlich
geworden: Netanjahu wird für Trump immer mehr von einem Bündnispartner in
der Nahostregion zu einer Belastung für die US-Außenpolitik. Schafft es
Netanjahu tatsächlich, diesen Deal zu torpedieren, wird Trump erneut in
seinem eigenen Krieg gefangen sein, den er auf Anraten Netanjahus begonnen
hat.
Denn eines haben die Iraner in diesem Krieg auf jeden Fall erreicht: Sie
haben gezeigt, dass sie durch ihre geografische Lage genug
Abschreckungspotenzial dafür haben, dass Trump sich zweimal überlegen muss,
sich nicht an das Abkommen zu halten.
19 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Karim El-Gawhary
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