# taz.de -- +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Gespräche zwischen Iran und USA starten
       
       > Bei den Verhandlungen geht es um Teherans Atomprogramm und ein Ende der
       > Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel. US-Vizepräsident Vance gibt
       > sich optimistisch.
       
 (IMG) Bild: Auf dem Weg zu den Verhandlungen in der Schweiz: US-Vizepräsident J. D. Vance
       
       Überschattet von den Kämpfen der israelischen Armee mit der libanesischen
       Hisbollah-Miliz sollen heute in der Schweiz hochrangig besetzte Gespräche
       zwischen den Kriegsparteien USA und Iran beginnen. Ziel ist es, das
       vergangene Woche unterzeichnete Rahmenabkommen für ein Ende des Irankriegs
       zu konkretisieren. Eine endgültige Vereinbarung, auch zum Umgang mit
       Teherans umstrittenem Atomprogramm, soll dem Rahmenabkommen zufolge
       innerhalb von 60 Tagen ausgehandelt werden.
       
       Besonders die Kämpfe im Libanon hatten zuletzt für Spannungen zwischen
       Washington und Teheran geführt. Iran verkündete deshalb am Samstag eine
       Schließung der Straße von Hormus. Die Meerenge war infolge des
       Rahmenabkommens gerade erst wieder nach und nach geöffnet worden.
       
       ## US-Vizepräsident Vance rechnet mit Fortschritten
       
       An den heutigen Gesprächen im Luxusresort Bürgenstock unweit von Luzern
       sollen neben den Kriegsparteien auch Vertreter der Vermittler Pakistan und
       Katar teilnehmen. Für die USA reiste Vizepräsident J. D. Vance an. Er
       zeigte sich vor dem Abflug vorsichtig optimistisch: „Ich denke, wir werden
       hoffentlich Fortschritte in der Atomfrage erzielen und auch in der Frage
       der Waffenruhe im Libanon vorankommen“, sagte er.
       
       Vance sagte zudem, dass sich der Schwiegersohn von US-Präsident Donald
       Trump, Jared Kushner, sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff bereits in
       der Schweiz befänden. Sie kümmerten sich um technische Aspekte dieser
       Verhandlungen. Nach seinem Eindruck liefen die Dinge gut. Der Vizepräsident
       wird nicht länger in der Schweiz sein. „Ich kann nur ein oder zwei Tage
       dort sein“, sagte er vor dem Abflug.
       
       Von iranischer Seite sollen unter anderem Parlamentspräsident Mohammed
       Bagher Ghalibaf als Verhandlungsführer und Außenminister Abbas Araghtschi
       teilnehmen. Für den Vermittler Pakistan reiste unter anderem
       Premierminister Shehbaz Sharif an. Es war zunächst unklar, wie lange die
       Gespräche auf Ebene der Verhandlungsführer dauern sollten. Denkbar schien
       zum Beispiel, dass nach einem Auftakt zunächst für bestimmte Themen
       Arbeitsgruppen gebildet werden, die dann auf niedrigerer Ebene
       weiterverhandeln.
       
       Ursprünglich hätte in der Schweiz bereits am Freitag eine erste
       Gesprächsrunde stattfinden sollen, diese war aber wegen der gegenseitigen
       Angriffe der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah nicht
       zustande gekommen.
       
       ## Trump droht mit US-Maut in Straße von Hormus
       
       Das am Mittwochabend separat unterschriebene Abkommen sieht unter anderem
       eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der US-Seeblockade vor.
       Zudem darf Iran während der 60-tägigen Verhandlungen nicht wie angedroht
       Gebühren für die Passage verlangen. Das Abkommen trat nach pakistanischen
       Angaben mit „sofortiger Wirkung“ in Kraft.
       
       Nach der erneuten Schließung drohte US-Präsident Donald Trump am Abend
       seinerseits mit einer US-Maut in der Meerenge. Sollte kein finales
       Friedensabkommen zustande kommen, könnten sich die USA so ihre Dienste als
       „Schutzengel“ der Region vergüten lassen, schrieb er auf seiner Plattform
       Truth Social.
       
       Die USA hatten Iran Ende Februar gemeinsam mit Israel angegriffen und so
       den Krieg begonnen. Seit Anfang April galt zuletzt eine Waffenruhe, während
       der es nur noch vereinzelt zu Angriffen kam. Israel ist an den
       Verhandlungen mit Iran nicht beteiligt.
       
       ## Kämpfe im Libanon gehen trotz Waffenruhe weiter
       
       Trotz einer erneuten Waffenruhe im Libanon, die seit Freitagnachmittag
       gilt, gingen dort die Kämpfe zwischen israelischer Armee und
       Hisbollah-Miliz auch am Wochenende weiter –und sorgten für Verstimmungen
       zwischen den USA und Iran. Teheran sperrte deswegen nach eigenen Angaben
       die Straße von Hormus erneut für die Durchfahrt aller Schiffe. Iran fordert
       die Einhaltung der Waffenruhe und einen Abzug des israelischen Militärs aus
       dem Südlibanon.
       
       Das US-Militär widersprach der Darstellung und bekräftigte, der
       Schiffsverkehr in der Meerenge laufe weiter. 55 Schiffe mit unter anderem
       17 Millionen Barrel Öl hätten die Meerenge passiert. Wie die New York Times
       berichtete, war das die größte Anzahl an Schiffen seit der Schließung kurz
       nach Kriegsbeginn.
       
       Am Samstag hatten libanesische Medien über zahlreiche israelische
       Luftangriffe mit mindestens 35 Toten berichtet. Die israelische Armee und
       die proiranische Hisbollah-Miliz machen sich gegenseitig für die Kämpfe und
       Verstöße gegen die Feuerpause verantwortlich. Am Sonntagmorgen meldete die
       Staatsagentur NNA sieben Tote bei erneuten israelischen Luftangriffen im
       Südlibanon.
       
       Bereits am Freitag waren laut libanesischem Gesundheitsministerium 83
       Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden.
       
       ## Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig
       
       Die israelische Armee warf der Hisbollah wiederholte Verstöße gegen die
       Feuerpause vor. Als Reaktion seien Raketenstellungen, Waffenlager und
       Kommandozentralen der Hisbollah angegriffen worden. Dagegen erklärte die
       Miliz, sie habe auf einen Vormarsch der israelischen Truppen reagiert. Die
       Angaben der Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig
       überprüfen.
       
       Iran verlangt von den USA, Druck auf die israelische Führung auszuüben. Die
       israelische Armee erklärte jedoch, sie werde auch künftig gegen jede
       Bedrohung für den Staat Israel und seine Soldaten vorgehen. (dpa)
       
       21 Jun 2026
       
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