# taz.de -- Umzug des Fischer-Verlages: Ist es mit der Literatur doch noch nicht vorbei?
       
       > Der Fischer Verlag sucht die Reibungsenergie mit Autorinnen und Autoren
       > und zieht nach Berlin. Verbunden ist das mit einem Bekenntnis zur
       > Literatur.
       
 (IMG) Bild: Die Fassade des Hauses der S. Fischer Verlage in Frankfurt
       
       Eine Gedenktafel in der einst reichen, dann lange heruntergekommenen Ecke
       der [1][Berliner Bülowstraße] konnte einem auf Spaziergängen Anlass zum
       Wundern geben. „In diesem Haus befand sich ab 1897 der S. Fischer Verlag“,
       steht drauf. Huch, dachte man, Fischer? Sitzt doch in Frankfurt. Tut der
       Verlag auch, aber erst seit dem Zweiten Weltkrieg. Gegründet wurde das
       traditionsreiche Haus in Berlin. Und dort will es jetzt auch wieder hin,
       eine passende Immobilie muss allerdings erst noch gefunden werden. Die
       angespannte Mietenlage kennen die Fischer-Leute allerdings, sie haben ja
       schon ein großes Büro in Mitte.
       
       Aus Frankfurt kamen zu diesem Umzug erwartbare Reaktionen. Die
       Kulturdezernentin Ina Hartwig äußerte sich erschüttert, die FAZ ist
       angefressen, vor einigen Jahren musste Frankfurt schließlich auch schon den
       [2][Wegzug von Suhrkamp] verkraften.
       
       Aus Berlin dagegen: so richtig keine Reaktion. Vielleicht kann man hier
       sein Glück so dermaßen nicht fassen, dass es sprachlos macht. Vielleicht
       ist die Kulturpolitik nach zuletzt zwei Rücktritten von
       Kultursenator*innen auch etwas unsortiert. Mit der offiziellen
       Kulturpolitik scheint die Verlags-Entscheidung eh nichts zu tun zu haben.
       Die Berliner wussten bis zur Pressemitteilung des Verlages nichts von
       diesem Schritt.
       
       Dabei ist die Begründung für diesen Schritt über die unmittelbar betroffene
       Verlagsszene hinaus interessant. Verbunden ist sie mit einem emphatischen
       Bekenntnis zur Literatur. An den „lähmenden Aberglauben“, das mit der
       Literatur sei vorbei, glaube er nicht, sagte der Fischer-Verleger Oliver
       Vogel der FAZ. Aber er sagte auch: „Es findet ein Übergang zu einem
       plattformgesteuerten Aufmerksamkeitsmarkt statt, in dem die Ökonomie der
       Plattformen sich die Kultur einverleibt hat.“
       
       ## Der direkte Austausch
       
       Die Analyse, dass die sozialen Medien stark an Einfluss gewonnen haben, ist
       alles andere als neu. Interessant sind nun aber die Folgerungen, die Oliver
       Vogel für seinen weiter inhaltlich agieren wollenden Verlag daraus zieht:
       Für ihn scheint klar zu sein, dass man vor Ort sein muss. Dort, wo die
       Autor*innen sind und (manchmal) auch neue Trends entstehen – und das ist
       nun mal (wenn es die offizielle Kulturpolitik [3][nicht noch kaputt macht)]
       Berlin. Die Hoffnung ist also offenbar, dass im direkten Austausch eine
       Reibungsenergie entsteht, die sich literarisch im Programm als Lebendigkeit
       niederschlagen wird.
       
       Man kann dem Fischer-Verlag nur viel Glück dabei wünschen. Und darüber
       hinaus den Gedanken mitnehmen, dass selbstverständlich das Internet längst
       den Strukturwandel auch der literarischen Öffentlichkeit vorgibt, die
       Folgerungen, die sich daraus ergeben, aber auch darin bestehen können, dass
       die analogen Gegebenheiten gleichzeitig auch wichtiger werden. Kurz gesagt:
       Das Internet ist nicht die Lösung. Ein Haus, das literarische und
       intellektuelle Strahlkraft aussenden möchte, muss real präsent sein. Man
       darf verfolgen, wie das dem Fischer-Verlag gelingen wird.
       
       17 Jun 2026
       
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