# taz.de -- Katherina Reiches nächster Streich: Eine Zukunft für die Erdgasindustrie
> Das staatliche Unternehmen Sefe plant Flüssiggaskäufe bis 2050. Bis dahin
> soll Deutschland aber quasi fossilfrei sein. SPD und Grüne sind empört.
(IMG) Bild: Von wegen Exit: Die CDU-Wirtschaftsministerin arbeitet weiter an der LNG-Nutzung – hier auf dem Gasspeicherschiff „Höegh Esperanza“
[1][Fossile Energie soll ab 2045 hierzulande eigentlich kaum mehr genutzt
werden]. Doch dieses Datum steht zunehmend infrage. Der staatliche deutsche
Strom- und Gaslieferant Sefe GmbH etwa will bis 2050 Flüssiggas aus Kanada
beziehen. Damit werde das Ende der fossilen Energie 2045 umgangen,
kritisiert Grünen-Politiker Michael Kellner. Das CDU-geführte
Bundeswirtschaftsministerium weist den Vorwurf zurück.
Sefe war bis 2022 Gazprom Germania, eine Tochter des russischen
Energiekonzerns. Die Bundesregierung verstaatlichte das Unternehmen nach
Russlands Angriff auf die Ukraine und benannte es um. Sefe versorgt über
50.000 Kunden mit Gas und Strom, darunter viele Firmen in Deutschland.
Ende Mai veröffentlichte [2][Sefe eine gemeinsame Absichtserklärung mit dem
kanadischen Konsortium Ksi Lisims] über den Import von Flüssigerdgas (LNG)
ab Beginn der 2030er Jahre – und zwar „über einen Zeitraum von bis zu 20
Jahren“. Das geplante Gasfördergebiet liegt vor der kanadischen Westküste
im Pazifik.
Das Vorhaben könnte im Gegensatz stehen zur europäischen
Gasbinnenmarktrichtlinie, die der Bundestag jetzt gerade in deutsches Recht
überträgt. Sie verbietet langfristige Lieferverträge für fossiles Gas nach
Europa über Ende 2049 hinaus. Denn dann soll die europäische Wirtschaft im
Prinzip klimaneutral arbeiten. Für Deutschland kommt das Ende wegen des
früheren [3][nationalen Klimaziels schon 2045].
## Hintertüren offenbar nicht genutzt
„Die [4][Gasbinnenmarktrichtlinie] ist gerade in der parlamentarischen
Umsetzung, aber vorher soll sie noch schnell umgangen werden“, kritisiert
Michael Kellner. Er war früher grüner Staatssekretär im
Wirtschaftsministerium und sagt jetzt, das Ressort „hintertreib[e] nun das
Fossilende, zusammen mit Sefe2“.
Allerdings bietet die Richtlinie auch Hintertüren. So bleiben
Lieferverträge nach 2045 oder 2050 möglich, wenn das [5][klimaschädliche
Kohlendioxid (CO2) abgetrennt und gespeichert] wird, das beim Verbrauch des
importierten Gases entsteht – wobei in den Ankündigungen des Vertrages, die
Sefe und das Wirtschaftsministerium gemacht haben, keine Rede davon ist,
CO2 abscheiden zu wollen.
„LNG-Lieferverträge mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren, die erst ab
2030 abgeschlossen werden, überschreiten die rechtlich zulässige Grenze –
erst recht, wenn darin ab 2045 keine verpflichtende Abscheidung von CO2 mit
dessen Nutzung oder Verpressung vorgesehen ist“, bemängelt auch Nina
Scheer, die energiepolitische Sprecherin der SPD. „Angesichts der
Beteiligung an Sefe erwarte ich vom Bundeswirtschaftsministerium, dass es
aktiv auf entsprechende Korrekturen hinwirkt.“
## Vage Zukunftsaussagen
Das Ministerium sieht freilich kein Problem in dem angebahnten Vertrag. In
seinem Bericht zu diesem Thema an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie
des Bundestages schreibt das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU):
„Für die Zeit ab 2045 können diese Mengen dann in den asiatischen Märkten
als emissionsarmer Brennstoff eingesetzt werden.“ Mit anderen Worten:
Dürfte Sefe das Importgas hier nicht mehr verkaufen, fänden sich schon
Kunden irgendwo auf der Welt.
Währenddessen warnt die Deutsche Umwelthilfe: „Bei sinkendem Gasbedarf ist
ungewiss, ob Deutschland das Gas überhaupt abnehmen kann.“ Weltweit
[6][drohe bereits ein LNG-Überangebot]. Die Umweltorganisation fordert die
Bundesregierung auf, „Sefe anzuweisen, den angestrebten neuen
LNG-Liefervertrag mit Ksi Lisims zu widerrufen“.
Das Vorgehen im Fall Sefe passt zu anderen Entscheidungen des Ministeriums.
Einerseits betont man offiziell, an den Klimazielen und am Umstieg auf
erneuerbare Energie festzuhalten, andererseits spielt fossile Energie
wieder eine zunehmende Rolle. Zum Beispiel [7][im
Gebäudemodernisierungsgesetz]: Während die vorhergehende Ampel-Regierung
fossiles Gas und Öl in Hausheizungen ab Ende 2045 untersagt hatte, will die
aktuelle Union-SPD-Regierung solche Brennstoffe nun wieder erlauben – ohne
Enddatum.
16 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ausstieg-aus-fossiler-Stromerzeugung/!6050198
(DIR) [2] https://www.sefe.eu/de/medien/newsroom/pressemitteilungen/pressemitteilungen-details_2688.html
(DIR) [3] https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgasminderungsziele-deutschlands
(DIR) [4] https://eur-lex.europa.eu/DE/legal-content/summary/rules-for-renewable-gas-natural-gas-and-hydrogen-in-the-internal-market.html
(DIR) [5] /CO2-Entnahme-aus-der-Atmosphaere/!6185006
(DIR) [6] /Metastudie-zu-LNG-Terminals/!5919992
(DIR) [7] /Trotz-heftiger-Kritik-in-Ausschuessen/!6186734
## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
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