# taz.de -- Megaprojekt in Patagonien: Staatsgarantie für argentinisches Frackinggas?
       
       > Deutschland will Flüssiggas aus dem südamerikanischen Land importieren.
       > Das widerspricht internationalen Klimaversprechen, warnen
       > Umweltschützer*innen.
       
 (IMG) Bild: Argentinische Frackinggas-Förderung ist nun geschützt
       
       Umweltschützer*innen warnen die Bundesregierung davor, ein
       Exportterminal für Flüssiggas in Argentinien per Staatsgarantie
       abzusichern. Dass das im Raum steht, hat das Wirtschaftsministerium von
       Katherina Reiche (CDU) der Linken im Bundestag in einer Antwort auf eine
       schriftliche Anfrage bestätigt: „Im Bereich der Garantien für ungebundene
       Finanzkredite liegt der Bundesregierung seit Ende Januar 2026 eine
       Voranfrage vor, die sich auf ein LNG-Projekt in der Provinz Rio Negro in
       Argentinien bezieht“, heißt es in dem Schreiben.
       
       Ungebundene Finanzkreditgarantien oder kurz UFK-Garantien sichern
       Kreditgeber von Rohstoffvorhaben im Ausland gegen politische und
       wirtschaftliche Risiken ab.
       
       Ab 2027 sollen jedes Jahr zwei Millionen Tonnen Flüssiggas aus der Region
       Vaca Muerta im Westen Argentiniens nach Deutschland gebracht werden – und
       das acht Jahre lang. Zu Beginn des Jahres hat die [1][Securing Energy for
       Europe (SEFE)], die ehemalige deutsche Gazprom-Tochter, die nach dem
       russischen Überfall auf die Ukraine vom Bund verstaatlicht wurde, einen
       Deal unterzeichnet. Partner ist das [2][argentinische Unternehmen Southern
       Energies.]
       
       Die Deutsche Umwelthilfe warnt nun, eine ungebundene Finanzkreditgarantie
       würde die fossile Agenda des argentinischen Präsidenten Javier Milei
       unterstützen. Außerdem verstoße sie gegen internationale Versprechen zum
       Klimaschutz. Beispielsweise hat Deutschland 2021 am Rande des
       UN-Klimagipfels in Schottland zugesagt, [3][öffentliche Finanzierungen für
       fossile Brennstoffe im Ausland zu beenden].
       
       Vor den Klimaschäden des Projekts warnen auch argentinische
       Umweltschützer*innen. Die Nutzung des zusätzlichen Flüssiggases sei
       unvereinbar mit den 2015 getroffenen [4][Pariser Klimazielen]. „Nicht nur
       für Argentinien als Produzenten, sondern auch für Europa als Verbraucher“,
       so María Marta di Paola, Direktorin des argentinischen Umweltverbands
       Fundación Ambiente y Recursos Naturales (FARN).
       
       ## „Schwimmende Bomben“
       
       Umweltverbände auf deutscher sowie argentinischer Seite kritisieren den
       Deal zwischen SEFE und Southern Energies heftig. Neben den Klimaschäden
       birgt das Projekt demnach weitere Umweltgefahren. Es werde zu einer
       Ausweitung der Gasförderung mit der besonders aggressiven Frackingmethode
       führen, die in Deutschland seit 2017 verboten ist. Die Aktivist*innen
       warnen vor Wassermangel, Grundwasserverschmutzung, giftigen Bohrschlämmen
       und Lecks, Erdbeben und Gesundheitsrisiken.
       
       Der Liefervertrag führe auch zu einem massiven Ausbau der fossilen
       Infrastruktur, so die Kritik. Eine 500 Kilometer neue Pipeline ist geplant,
       um das Gas von der Förderstelle bis zum Golf von San Matías zu
       transportieren. Dort sollen außerdem ein Exportterminal und mindestens zwei
       schwimmenden Verflüssigungsanlagen gebaut werden.
       
       Der argentinische Aktivist Fabricio di Giácomo von der Initiative
       Multisectorial del Golfo San Matías verglich diese mit „schwimmenden
       Bomben“, die Klimagase in die Luft und warmes Abwasser ins Meer leiten –
       und das in einem Hotspot der Biodiversität, an dem sich zum Beispiel Wale,
       bedrohte Delfinarten und Pinguine tummeln.
       
       ## Frackingpropaganda soll Bevölkerung überzeugen
       
       Laut Di Giácomo würden Energiekonzerne versuchen, Gegenstimmen aus der
       Zivilgesellschaft zum Schweigen zu bringen, etwa durch die Störung von
       Versammlungen. Auch Einschüchterungen durch physische Gewalt seien keine
       Seltenheit.
       
       Zudem versuche die argentinische Regierung die Bevölkerung mit
       Desinformationskampagnen für neue Frackingprojekte zu gewinnen. Dazu würden
       auf Social Media bezahlte Werbekampagnen laufen, aber auch neue
       Nachrichtenportale geschaffen werden. „Sie versprechen Arbeitsplätze, und
       dass es das Land reicher machen wird“, erklärte Ana Domingues von FARN. Die
       ökologischen und sozialen Risiken würden dabei verschleiert.
       
       „Deutsche UFK-Garantien wären ein Türöffner für dieses verheerende fossile
       Expansionsprojekt“, so Regine Richter von der NGO Urgewald. „Die
       Klima-Glaubwürdigkeit der Bundesregierung steht auf dem Spiel.“
       
       13 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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