# taz.de -- WM-Aus für Deutschland: Merz prahlen sehen, während er den Sozialstaat zerlegt?
> Das gescheiterte DFB-Team ist genau das Team, das Deutschland und seine
> herrschende Klasse verdienen. Es ist zum Schämen.
(IMG) Bild: Enttäuschte Fans nach der Niederlage gegen Paraguay – aber Deutschland und seine herrschende Klasse, haben genau dieses Team verdient
Gut, dass es vorbei ist, mögen manche gedacht haben nach dem [1][Aus der
deutschen Männer im Sechzehntelfinale gegen Paraguay]. Nicht nur, weil es
derzeit einiges an Masochismus braucht, um DFB-Fußball zu ertragen. Sondern
auch, weil dieses Nationalteam wenig Liebe weckt. Rechte nutzen es eh seit
Langem am liebsten als Punching Ball. Doch mittlerweile hat die Mannschaft,
die von circa 2006 bis 2014 ein eher progressives postmigrantisches
Deutschland symbolisierte, auch fast alle anderen verprellt.
Mit ihrem [2][politischen Schweigen,] der abgeschafften Regenbogenbinde,
der Nicht-Haltung zum mit Menschenfeinden vernetzten Missionar Nmecha und
diesem unangenehmen Vibe: Ehrgeizlingen wie Kapitän Joshua Kimmich, der
Paraguay mit peinlichen Grimassen traktierte, oder der Arroganz des
[3][inzwischen zurückgetretenen Trainers Julian Nagelsmann]. Das Team steht
ratlos in einer kriselnden, zersplitterten Gesellschaft. Es kann einem ein
wenig leidtun. Egal, was es politisch tut oder nicht tut, es kann nur
verlieren. Helfen würden nur Fußballtriumphe, aber ach.
Das Aus Deutschlands sagt wenig über den Abstieg dieses Landes, es sind
schon viele kriselnde Staaten Weltmeister geworden – und mit Argentinien,
Frankreich, England und Marokko stehen neue Kandidaten bereit. Aber der
Abstieg des Landes macht viel mit der Wahrnehmung der DFB-Elf. Welche
Migrantin will für Deutschland schreien, während ein deutscher Kanzler
genussvoll gegen Minderheiten hetzt und Menschen in Europa um
[4][ICE-artige Deportationen] fürchten müssen? Wer möchte derzeit
Deutschland als Weltmeister sehen, das wegen Beihilfe zum Völkermord an den
Palästinenser:innen vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt
ist, Kritik daran gefährlich einschränkt und mit einem WM-Titel
vortrefflich das internationale Image polieren könnte? Wer will Friedrich
Merz prahlen sehen mit der Leistungskultur der DFB-Elf, während er das
letzte Stück Sozialstaat zerschlägt?
Und wer möchte diesem Land, das bis 2039 stärkste Militärmacht Europas sein
soll, noch eine fußballerische Steilvorlage geben zu deutschem Größenwahn?
Bitte nicht. Selten fühlte sich der Gedanke an deutschen Welterfolg so
falsch an. Nein, das aktuelle DFB-Team ist genau das Team, das dieses Land
und seine herrschende Klasse verdient. Dass auch das Scheitern den Rechten
nützt, gehört zur Ironie der Lage.
Viele Jahre wirkte das demonstrative Schreien vieler Linker gegen das
deutsche Männerteam ein wenig lächerlich und performativ.
Weltmeisterschaften sind per se Nationalismuspropaganda. Wer das
nachvollziehbar doof findet, kann sie boykottieren. Stattdessen wahllos
deutsche Gegner zu feiern, deren Menschenrechtskatalog genauso schlecht
oder schlimmer aussah, und sich dafür gut zu fühlen, war, nun ja, sehr
deutsch. Bitterer fühlt es sich an, wenn man mit diesem Land – das ein
kapitalistischer Nationalstaat ist, aber trotzdem manches einst ganz okay
machte – und seinem Team mal was verband. Vielleicht sogar Hoffnung. Und
jetzt nur noch Scham und Gleichgültigkeit fühlt.
4 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Alina Schwermer
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