# taz.de -- Metastudie zu Männlichkeit: Bedrohtes Ego
       
       > Nicht stark genug, nicht männlich genug – Männer werden in ihrer
       > stereotypen Vorstellung von Männlichkeit verunsichert. Das hat
       > weitreichende Folgen.
       
 (IMG) Bild: Männliche Pose an der Reckstange
       
       Männliche Aggression ist für nahezu alle Menschen Teil des Alltags. Seit
       Jahren steigt die Zahl der Gewalttaten gegen Frauen: Belästigungen,
       Vergewaltigung, Femizide. Auf Social Media trenden Männer, die
       oberkörperfrei im Wald stehen, in die Luft boxen und von ihrer „männlichen
       Energie“ reden.
       
       Gerade in der jungen Generation sind politische Positionierungen an den
       Außenrändern deutlich: Junge Frauen werden liberaler, junge Männer
       konservativer. Wie viel Verunsicherung steckt hinter der vermeintlichen
       Stärke?
       
       ## Die Studie
       
       In einer Metastudie, die kürzlich in der [1][Fachzeitschrift Personality
       and Social Psychology Review] erschien, sichtete ein Forschungsteam der
       Universitäten Kaiserslautern-Landau und Kassel 123 experimentelle Studien,
       in denen die knapp 20.000 Teilnehmer auf verschiedene Arten und Weisen in
       ihrer Männlichkeit verunsichert wurden. Zum Beispiel sollten in einem der
       Experimente die Teilnehmer von ihren Interessen oder Verhaltensweisen
       erzählen. Daraufhin sagte man ihnen, das sei nicht männlich genug. In einer
       anderen Studie sollten die Männer stereotypisch weibliche Dinge tun und
       sich die Nägel lackieren oder einer Puppe Zöpfe flechten.
       
       Danach beobachteten die Forscher*innen, wie solche Momente verunsicherter
       Männlichkeit das Verhalten verändert – oft im Vergleich zu Teilnehmern
       verändert, deren Männlichkeit nicht infrage gestellt worden war. Dafür
       ließen sie die Teilnehmer je nach Experiment zum Beispiel über ihre Gefühle
       sprechen, auf Boxsäcke boxen oder beobachteten sie in Gruppen.
       Verunsicherte Männer reagierten sehr emotional, äußerten Ärger, Angst und
       Unwohlsein und wurden aggressiv.
       
       Sie neigten durch die Verunsicherung stärker dazu, autoritäre
       Machtverhältnisse und kriegerische Handlungen zu befürworten. Die
       Metastudie zeige, sagt Sozialpsychologin und Studienautorin Lea Lorenz,
       Männer mit „bedrohter Männlichkeit“ werten andere eher ab, sprechen queeren
       Menschen die Rechte ab und verhalten sich frauenfeindlicher, als Männer,
       die sich in ihrer Männlichkeit sicher sind.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Lea Lorenz sieht in dem aggressiven und ausgrenzenden Verhalten einiger
       Männer in den Experimenten einen Versuch, ihre Männlichkeit
       wiederherzustellen. Die Experimente zeigten allerdings nicht, wie Männer im
       Alltag zwangsläufig reagieren und die Erkenntnisse ließen sich deswegen
       nicht direkt übertragen. Männliches Verhalten werden auch dadurch geprägt,
       welche gesellschaftlichen [2][Männlichkeitsbilder dominieren] und wie
       Einzelne ihre Männlichkeit definieren.
       
       Deshalb braucht es in den Augen von Lea Lorenz mehr Debatten über
       vielfältige Männlichkeiten. Männer müssten darin unterstützt werden, ein
       Selbstbild aufzubauen, mit dem sie sich nicht ständig fragen, ob etwas
       männlich ist oder nicht. Stattdessen sollten sie sich mehr an positiven
       Werten und Grundeinstellungen messen.
       
       27 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/10888683261433109
 (DIR) [2] /Maennlichkeitsbilder-in-Schulen/!6175397
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tomke Blohm
       
       ## TAGS
       
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