# taz.de -- Zukunft des Hambacher Waldes: Alte Malzfabrik wird zum Ideenspeicher
       
       > Was kann man mit 85 Quadratkilometern Fläche machen? Das Umland des
       > Hambacher Braunkohlelochs wollen viele Player verschieden gestalten.
       
 (IMG) Bild: 2023 hofften AktivistInnen in Lützerath noch auf Rettung des gesamten Hambacher Forsts
       
       Jahrelang passierte wenig, und jetzt wurden binnen einer Woche gleich zwei
       Weichen gestellt: Erst hat sich ein Arbeitskreis aus Landesregierung, dem
       Braunkohleriesen RWE, Umwelt-NGOs und Kommunen darauf geeinigt, den
       Hambacher Wald in die öffentliche Hand zu überführen. Bis 2035 soll ein
       „Wildnisentwicklungsgebiet“ entstehen.
       
       Der Erhalt des Hambi ist damit politisch besiegelt. Noch weiß jedoch
       niemand, wie hoch sich Eigentümer RWE seinen Abgang vergolden lassen will
       und wie genau man wohl Wildnis entwickelt.
       
       Was aber macht man mit den 85 Quadratkilometern Fläche drumherum? Am
       Samstag lud die „Initiative Freund*innen der Malzfabrik Buir“ zum
       [1][Ideenaustausch in das ehemalige Fabrikgebäude], direkt am S-Bahnhof
       Buir gelegen. Die frühere Fabrik, bis 2025 noch als Getreidespeicher
       genutzt, ist eine Landmarke, 38 Meter hoch und kaum zwei Kilometer von den
       Resten des Hambi entfernt. Jetzt soll sie zum weithin sichtbaren
       Infozentrum für spätere BesucherInnen werden.
       
       Zahlreiche Ideen und Pläne zur Nachnutzung der Braunkohle-Welt ploppten
       auf, engagiert diskutiert zwischen Anwohnern, Wissenschaftlerinnen,
       Aktivisten, Künstlerinnen mit Strukturwandel-Verantwortlichen der Neuland
       Hambach GmbH und der grünen NRW-Wirtschaftministerin Mona Neubaur. Ziel:
       „Enkeltaugliche Transformation“ der „Tagebaufolgelandschaften“ mit
       „Zielgruppenspagat“ zwischen Kultur, Tourismus, wirtschaftlicher und
       wissenschaftlicher Nutzung. Übergeordnet fragte Neubaur: „Wie geben wir den
       Menschen Frieden zurück? Das wird Generationen beschäftigen.“
       
       ## Braunkohlebagger im See versenken
       
       Im einzig erhaltenen Dorf, dem weitgehend entsiedelten
       Morschenich-Bürgewald, gibt es die meisten konkreten Planungen: Bioökonomie
       mit Systemen von Solaranlagen über landwirtschaftlich genutzten Böden.
       Andere Forschungsvorhaben im möglichst energieautarken Ort sollen folgen.
       Eine Landkommune will ein selbstverwaltetes Lebensmodell aufziehen, jetzt
       schon leben in einer Wohnwagensiedlung mitten im Ort ehemalige
       Hambi-BesetzerInnen.
       
       Vom weggebaggerten Dorf Manheim bleiben die Kirche und ein
       denkmalgeschützter Vierkanthof [2][direkt am Rand des geplanten Sees],
       komplett gefüllt frühestens 2070. Dazu ist ein riesiger Braunkohlerbagger
       vorgesehen, mehr als doppelt so hoch wie die Kirche direkt daneben. Darum
       gab es heftige Debatten: Soll dem Werkzeug der Vernichtung im „Kulturpark
       Manheim alt“ ein Denkmal gesetzt werden? Oder wird dadurch das
       Spannungsfeld zwischen Zerstörung und Aufbau symbolisiert? Charmanter wäre,
       den Bagger am Uferrand in den werdenden See zu setzen und vom steigenden
       Pegel allmählich halb überspülen zu lassen. Ein Mahnmal der
       Selbstvernichtung.
       
       Im Buirer Siloturm möchte auch [3][die „hambitionierte Ausstellung“ über
       den Widerstand gegen Naturverbrechen und Heimatvertreibung], ein Projekt
       der Initiative „Buirer für Buir“, Heimat finden. „Bewegung und Begegnung an
       der Kante“ heißt sie und wandert seit zwei Jahren auf Pop-up-Tour durch die
       Region. Ihr könnte bald ein Sonderteil für den „Mönch von Lützerath“
       angegliedert werden.
       
       Der französische Altenpfleger war Anfang 2025 vom Amtsgericht Erkelenz
       [4][zu 140 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt] worden – wegen unbotmäßigen
       Schubsens eines Polizisten in den Schlamm bei der großen Lützerath-Demo im
       Januar 2023. Weil Loïc S. aus Nancy dabei eine braune Franziskanerkutte
       trug, um „Spiritualität in den Widerstand“ zu bringen, war er umgehend zum
       Medienstar geworden.
       
       Derzeit hat der 30-Jährige, in Frankreich „Deutscher Schlamm-Wizard“
       genannt, neuen Ärger. Im Mai hat ihm die Staatsanwaltschaft eine
       Schadenersatz-Rechnung über 53.000 Euro geschickt – weil er bei einer Demo
       gegen ein gigantisches Wasserprojekt in Sainte-Soline Polizeiautos
       beschädigt haben soll. „Das ist ein harter Versuch, mich zum Schweigen zu
       bringen“, meint er. In Buir würde er gehört und gesehen. Wie es mit den
       anderen Ideen für den Hambi und seine Umgebung weitergeht, wird sich
       Schritt für Schritt zeigen.
       
       15 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DZIVEo-gpaU/?utm_source=ig_web_button_share_sheet
 (DIR) [2] /Die-Zukunft-wie-sie-RWE-sieht/!5973726
 (DIR) [3] https://verheizte-heimat.de/events/die-hambitionierte-ausstellung-begegnung-bewegung-an-der-kante-bitte-schaut-fuer-die-genauen-termine-in-den-beitrag/
 (DIR) [4] /Urteil-nach-Protest-in-Luetzerath/!6063869
       
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