# taz.de -- Betretungsverbot fürs Sündenwäldchen: Besetzte Reste des Hambacher Waldes in Gefahr
       
       > Der Energiekonzern RWE braucht längst nicht mehr die Braunkohle, sondern
       > das Erdreich darüber. Dafür könnten nun weitere Bäume fallen.
       
 (IMG) Bild: Aktivisten protestieren gegen die bevorstehende Rodung des Sündenwäldchens durch den Kohlekonzern RWE, am 29.9.2025
       
       Aachen taz | Der [1][Hambacher Wald] war 2018 gerettet worden, durch den
       [2][Einsatz tausender Menschen] und letztlich das Rodungsverbot des OVG
       Münster. Der ganze Wald? Nein: Zum ehemals riesigen Waldareal gehört auch
       das Sündenwäldchen („Sündi“) am Dorfrand des fast komplett abgerissenen
       Dörfchens Manheim. Da sollen in den kommenden Tagen die Kettensägen kommen.
       Die Stadt Kerpen hat zu Beginn der Rodungssaison ab 1.10. ein
       Betretungsverbot verkündet, gültig ab 6. Oktober, 0 Uhr.
       
       Das Sündenwäldchen, dessen Name sich ableitet von allerlei früheren
       Heimlichkeiten der Bevölkerung (Saufgelage, Kiffenstreff, Sex) drohte schon
       Ende 2024 abgeholzt zu werden. Es gelang nur in Teilen, weil [3][Aktivisti
       sich dort verschanzt hatten]. Der Waldrest, etwa ein Hektar groß, blieb das
       Sommerhalbjahr 2025 über in Baumhäusern bewohnt.
       
       Der Energiekonzern RWE, Eigentümer mittlerweile fast der ganzen Wüstenei
       Manheim, braucht längst nicht mehr die Braunkohle, sondern das Erdreich
       darüber. Damit sollen die Grubenböschungen des bis über 400 Meter tiefen
       Tagebaus abgeflacht werden für die geplanten Seenprojekte. Angeblich ist
       die Nutzung genau dieser fast 250 Millionen Kubikmeter Manheimer Erde
       alternativlos. „Wasser marsch“ soll 2030 starten – aus dem 30 Kilometer
       entfernten Rhein via unterirdische Röhrensysteme.
       
       In der „Allgemeinverfügung zur Räumung eines Rest-Waldstücks“ untersagt die
       Stadt Kerpen nun jedes Betreten und Befahren von Betriebsfremden, bis „die
       Freimachung der Flächen“ abgeschlossen ist: „Eine vollständige Rodung war
       bis zum Ende der Rodungssaison am 28.02.2025 aufgrund der fortdauernden
       Besetzung einer letzten Restfläche des Sündenwäldchens nicht möglich. Es
       sind Bodenstrukturen (Zelte, Hütten) vorhanden; auf rund einem Dutzend
       Bäumen wurden geschützte Plattformen sowie mehrere ausgebaute Baumhäuser
       errichtet. Derzeit halten sich rund 5 bis 10 Personen in dem Gebiet auf und
       übernachten dort in den Einrichtungen.“ Es sei, so die Stadt Kerpen, indes
       anzunehmen, dass per sofort „zahlreiche weitere Personen die Freimachung
       der Flurstücke verhindern wollen“.
       
       In der Begründung der Stadt ist von „schweren wirtschaftlichen Folgen für
       die RWE Power AG“ die Rede, falls es zu weiteren Verzögerungen komme.
       Konzern und Kommune gelten als eng verschwistert. Schon 2023 war die bis
       dahin geheimgehaltene „Rahmenvereinbarung für eine nachhaltige
       Zusammenarbeit“ mit Verpflichtung zu einer gedeihlichen Partnerschaft
       aufgetaucht.
       
       Die Widerstandsszene (Kirchen im Dorf lassen, Unser-Wasser-Rheinland, BUND)
       bittet derweil um Kleidungs- und Essensspenden für die ausharrenden
       BesetzerInnen und hat zu einer Pressekonferenz vor Ort geladen, Montag 11
       Uhr.
       
       2 Oct 2025
       
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 (DIR) Bernd Müllender
       
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