# taz.de -- Zeitenwende in Japan: Tokio erlaubt jetzt auch den Export „tödlicher Waffen“
> Japan entfernt sich noch weiter von seinem Pazifismus der Nachkriegszeit.
> Die Regierung von Sanae Takaichi nennt sicherheitspolitische Gründe.
(IMG) Bild: „Schwierigstes“ Sicherheitsumfeld seit dem Zweiten Weltkrieg: japanische Soldaten bei einer Übung im Januar 2026
Nach Verdopplung des Verteidigungsetats in den letzten Jahren auf 2 Prozent
der Wirtschaftsleistung hat Japans nationalkonservative Regierung jetzt
einen weiteren bahnbrechenden Schritt weg von der früheren pazifistischen
Außen- und Sicherheitspolitik gemacht. Die Regierung hob am Dienstag die
Selbstbeschränkung für den Export von „tödlichen“ Waffen wie Raketen und
Kriegsschiffen weitgehend auf, die sich das Land nach dem Zweiten Weltkrieg
auferlegt hatte.
Japan durfte nach den 2014 eingeführten Regeln bisher nur
„Verteidigungsausrüstung“ für Rettung, Transport, Warnung, Überwachung und
Minenräumung ins Ausland ausführen. Die neue Politik gilt für alle Länder,
mit denen Japan sicherheitspolitisch zusammenarbeitet.
So wie in Deutschland bleibt ein grundsätzliches Lieferverbot in
Konfliktgebiete bestehen. Jedoch sollen „unter besonderen Umständen“
Ausnahmen möglich sein, die Japans Sicherheitsbedürfnisse und die
militärischen Operationen der USA im indopazifischen Raum berücksichtigen.
Dadurch rücken auch Lieferungen von japanischen Waffen an die Ukraine auf
die Tagesordnung. Minister und Beamte sollen die Ausfuhren einzeln prüfen.
Das Parlament wird – anders als bisher bei „nicht tödlicher“ Ausrüstung –
erst im Nachhinein informiert.
## Sorgen vor China, Nordkorea, Russland, Zweifel an Trump
Mit dem historischen Politikwechsel reagiert Japan auf sein nach eigener
Einschätzung „schwierigstes“ Sicherheitsumfeld seit dem Zweiten Weltkrieg.
Gemeint sind insbesondere [1][die Aufrüstung von China und dessen
Besitzanspruch auf Taiwan] sowie die Atom- und Raketenrüstung von
Nordkorea, aber auch der Schulterschluss von Russland mit China und
Nordkorea.
Auch herrschen erhebliche [2][Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA als
Sicherheitspartner unter Präsident Donald Trump]. Diese Sorge wird jedoch
nicht offen kommuniziert, um Trump nicht zu verärgern.
Japan werde „seine Grundprinzipien als friedliebende Nation wahren, die
seit Kriegsende über mehr als 80 Jahre hinweg aufgebaut wurden“, beteuerte
Kabinettschef Minoru Kihara. Wenig später erklärte China seine „tiefe
Besorgnis“ über die neue Exportpolitik. Die internationale Gemeinschaft
werde Japans jüngste gefährliche Schritte im Militär- und
Sicherheitsbereich weiterhin mit großer Wachsamkeit beobachten, sagte
Chinas Außenamtssprecher Guo Jiakun.
Auch Japans Beteiligung an einem der bisher größten gemeinsamen
Militärmanöver der USA und der Philippinen dürfte China kaum gefallen. Bei
der fast dreiwöchigen Übung „Balikatan“ („Schulter an Schulter“), die am
Montag mit 17.000 Soldaten aus sieben Ländern begann, wollen japanische
Einheiten den Beschuss einer ausgemusterten Schiffseinheit mit Raketen
simulieren. Bisher beschränkte sich Japans Beteiligung an dem jährlichen
Großmanöver auf humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz.
## Rüstungsgeschäfte ante portas
Eines der ersten japanischen Waffengeschäfte nach den neuen Regeln könnte
nach Reuters-Informationen der Export gebrauchter Kriegsschiffe nach Manila
sein. Japans Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi besucht die Philippinen
Anfang Mai. China dürfte solche Waffenlieferungen als Provokation
betrachten, da sie die Philippinen beim Streit mit China über die
Grenzlinien im Südchinesischen Meer stärken würden.
Die Gesetzesänderung schafft auch die rechtliche Grundlage für bereits
verabredete internationale Rüstungsgeschäfte. Am Wochenende schlossen Japan
und Australien einen Vertrag über die Lieferung von drei Fregatten der
Mogami-Klasse im Wert von umgerechnet mehreren Milliarden Euro. Auch das
Kampfflugzeug, das Japan gemeinsam mit Großbritannien und Italien
entwickeln will, dürfte sich nur rechnen, wenn es in hoher Stückzahl gebaut
und an andere Länder verkauft werden kann.
21 Apr 2026
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