# taz.de -- Gesundheitsrisiko aus der Landwirtschaft: EU senkt Grenzwert für giftige Säure TFA aus Pestiziden
       
       > Die Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft ein Abbauprodukt vieler
       > Ackergifte nun als gefährlicher ein als bislang. Werden sie jetzt
       > verboten?
       
 (IMG) Bild: TFA kann durch Pestizide in das Grundwasser, den Boden und in Nahrungspflanzen gelangen
       
       Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit hält Trifluoressigsäure (TFA),
       die unter anderem beim Abbau mehrerer [1][Pestizide] entsteht, für deutlich
       giftiger als bisher. Das Amt mit Sitz im italienischen Parma senkte die
       gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge von 0,05 auf 0,014
       Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht – um mehr als 70 Prozent. Die
       Umweltorganisation PAN Europe forderte daraufhin erneut, alle Ackergifte
       mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) zu verbieten, die teils
       TFA bilden.
       
       TFA kann der Behörde zufolge durch Pestizide in das Grundwasser, den Boden
       und in Nahrungspflanzen gelangen. Die Säure bleibt extrem lang in der
       Umwelt und lässt sich bei der Trinkwasseraufbereitung nur schwer entfernen.
       TFA-Vorsubstanzen sind außer in Pestiziden in Produkten wie Medikamenten,
       [2][Pappbechern und antihaftbeschichteten Pfannen], aber auch in
       Kältemitteln zum Beispiel für Autoklimaanlagen.
       
       Die EU-Lebensmittelbehörde [3][teilte nun mit], ihre aktualisierten
       Grenzwerte „basieren auf neuen Erkenntnissen, die unter anderem gezeigt
       haben, dass TFA den Thyroxinspiegel verändert – ein von der Schilddrüse
       produziertes Hormon, das eine wichtige regulierende Rolle im Körper
       spielt“. Diese Störung kann laut PAN die Entwicklung von Föten und ihren
       Gehirnen beeinträchtigen. Die Organisation bezeichnete die Entscheidung der
       Behörde als einen „längst überfälligen Schritt“. Die notwendigen Studien
       seien 10 bis 15 Jahre zu spät angefordert worden.
       
       Vergangenen Juni empfahl dann der Risikobewertungssausschuss der
       EU-Chemikalienbehörde, TFA als „[4][wahrscheinlich reproduktionstoxisch]“
       wegen entwicklungsschädigender Wirkungen an Embryonen und Föten
       einzustufen. Demnach kann TFA vermutlich auch die Fruchtbarkeit
       beeinträchtigen.
       
       ## Industrie kritisiert neue Grenzwerte
       
       Die Grenzwerte der Lebensmittelbehörde böten weiterhin „[5][keinen
       ausreichenden Schutz]“, kritisierte Pauline Cervan, Toxikologin des
       französischen Umweltverbands Générations Futures. Die Behörde akzeptiere
       nach wie vor ein hohes Maß an Schilddrüsenfunktionsstörungen. Wegen
       Datenlücken bezüglich etwa des krebserzeugenden Potenzials hätte die
       Behörde einen doppelt so hohen Sicherheitsfaktor anwenden sollen.
       
       Die gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge spielt eine wichtige
       Rolle bei der Pestizidzulassung. Wenn ein Wirkstoff zu einer höheren Dosis
       führt, muss die EU prüfen, ob sie seine Nutzung einschränkt oder untersagt.
       Wohl auch deshalb kritisiert der Verband der Pestizidindustrie in der EU,
       CropLife Europe, die neuen Grenzwerte. Sie seien „sehr konservativ und
       führen zu einer hohen Risikowahrnehmung, die durch die verfügbaren
       wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht gestützt und daher nicht
       gerechtfertigt ist“, schrieb der Verband am Freitag der taz.
       
       24 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/3521/publikationen/2021_hg_chemiekalieneintrag_bf.pdf
 (DIR) [3] https://www.efsa.europa.eu/de/news/efsa-lowers-safe-level-exposure-tfa
 (DIR) [4] https://echa.europa.eu/documents/d/guest/rac77_final_minutes_en
 (DIR) [5] https://www.pan-europe.info/press-releases/2026/07/efsa%E2%80%99s-new-health-based-values-tfa-urge-ban-pfas-pesticides
       
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 (DIR) Jost Maurin
       
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