# taz.de -- Deutscher Sachbuchpreis: Ausgezeichnetes Auslaufmodell
> Der Deutsche Sachbuchpreis geht an Konstantin Richter und seine
> „Dreihundert Männer“. Er schreibt über Kapitänstypen, die westdeutschen
> Wohlstand begründeten.
(IMG) Bild: Mover und shaker: Der Krupp-Generalbevollmächtigte Berthold Beitz (M.) 1958 bei seiner Ankunft auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo
Hier zu sitzen, fühlt sich an wie der Aufenthalt in der Gebärmutter oder im
Magen eines sehr großen Aliens. Das liegt an der organischen Form der Wände
und ihrer rötlichen Tönung. Im Kleinen Saal [1][der Hamburger
Elbphilharmonie] wurde am Montagabend vom Börsenverein des Deutschen
Buchhandels der [2][Deutsche Sachbuchpreis] vergeben. Konstantin Richter
war der Glückliche, der nach einer knappen Stunde den Preis zugesprochen
bekam für sein Buch „Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland
AG“.
In einer Fülle von Vignetten beschreibt Richter darin jenes Netzwerk aus
Unternehmern, Bankiers, Managern und Lobbyisten, das mit der frühen
Industrialisierung entstand. Walther Rathenau hatte an Sparta gedacht, als
er zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb, dass dreihundert deutsche Männer
die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents bestimmten.
Die Deutschland AG bestimme bis heute unser Selbstverständnis als
erfolgreiche Wirtschaftsnation, so begründete nun die Jury ihre Wahl.
Konstantin Richter zeige in seiner Geschichte der deutschen Wirtschaft seit
der frühen Industrialisierung, wie wenig die damit verbundenen
Vorstellungen und Konzepte noch auf die Gegenwart passten. Der Preis ist
mit 25.000 Euro dotiert. Die sieben übrigen Nominierten erhalten jeweils
2.500 Euro.
## Starke Konkurrenz
Die Konkurrenz war groß, manche vermuteten, [3][Irina Scherbakowa] könne
den Preis für ihr Buch „Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer
Erinnerungen“ und damit zugleich für ihr Lebenswerk bekommen, die
Aufarbeitung der stalinistischen und sowjetischen Verbrechen und ihre
unermüdliche Arbeit für den Aufbau einer kritischen und selbstbewussten
Zivilgesellschaft in Russland. Als „Gewinnerin der Herzen“ wurde sie
nachher beim Empfang bezeichnet.
Nominiert waren außerdem Heike Behrends „Gespräche mit einem Toten“ über
den Propheten vom Arendsee, und Florence Gaubs „Szenario“, ein Buch, das
Szenarien über die nähere Zukunft wie ein interaktives Spiel entwickelt.
Tilmann Lahme zeichnet in seiner Biografie „Thomas Mann“ auf Grundlage
lange nicht bekannter und beachteter Briefe, [4][wie stark sich Mann
zeitlebens an seiner Homosexualität abarbeitete]. Bettina Schöne-Seifert
bringt ihrer Leserschaft aktuelle Kontroversen der Medizinethik um „Leben,
Körper, Tod“ nahe.
Ebenfalls im Rennen: Roberto Simanowski will mit seinen philosophischen
Betrachtungen [5][der sogenannten künstlichen Intelligenz] unter dem Titel
„Sprachmaschinen“ die Freude am Denken im Gang setzen. [6][Ronen Steinke
schließlich zeigt in „Meinungsfreiheit“] anhand vieler Beispiele, „wie
Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken“, und plädiert dafür, den
Trend umzukehren, immer mehr Äußerungen unter staatlichen Vorbehalt zu
stellen.
Der Vorsteher des Börsenvereins, [7][Sebastian Guggolz], hatte anfangs eine
gut gelaunte und gewitzte Rede gehalten. Darin sinnierte er über die
Gegenstände der Betrachtung durch Sachbücher, Non-Fiction. Und hielt sich
selbst davon ab [8][vom Verfassen zum Verfassungsschutz zu kommen], was mit
Beifall quittiert wurde.
9 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ulrich Gutmair
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