# taz.de -- Basketballeuphorie in New York: Spaß an jeder Ecke
       
       > New York begeistert sich an den Erfolgen der Knicks und an sich selbst
       > als bunte Stadtgesellschaft. US-Präsident Donald Trump wird ausgebuht.
       
 (IMG) Bild: Public Viewing in der ganzen Stadt: New York ist kurz vor der Fußball-WM im Basketballfieber
       
       Wenn ich durch die Straßen meiner Nachbarschaft im Norden Manhattans laufe,
       werde ich in den vergangenen Tagen immer wieder mahnend gefragt, warum ich
       mir noch kein Knicks-Trikot besorgt habe. Und wenn ich mich dann so
       umschaue, dann schäme ich mich tatsächlich, dass ich es immer noch nicht
       geschafft habe, mir ein orange-blaues Textil zu verschaffen. Es gibt
       derzeit kaum jemanden, die nicht ihre Solidarität mit der
       Basketballmannschaft der Stadt modisch kundtut.
       
       Meine Gegend ist in vielerlei Hinsicht typisch für New York. Es ist eine
       traditionell schwarz/lateinamerikanische Arbeitergegend, die vom Zulauf
       meist junger weißer Professionals noch nicht gänzlich überlaufen ist. Es
       gibt keinen Mangel an sozialen Reibungspunkten, doch seit ein paar Wochen
       ist das egal. Die Drogendealer an der Ecke können sich mit dem Architekten
       auf dem Weg zur Arbeit und mit dem jemenitischen Kioskbesitzer [1][auf die
       Knicks einigen].
       
       Es mag etwas kitschig klingen, aber in der Stadt herrscht seit dem
       Playoffs-Lauf der Knicks eine völlig andere Atmosphäre als sonst. Man nimmt
       Blickkontakt mit seinen Mitbürgern auf – ansonsten ein Tabu in New York.
       Man lächelt sich wissend an, manchmal raunt man sich ein „Go Knicks“ zu. Es
       macht gerade Spaß, in New York zu sein. Kultregisseur und Knicks-Edelfan
       Spike Lee hat es mit der schlichten Formulierung „Fun City – born again!“
       beschrieben.
       
       Die Möglichkeit, dass die Knicks ihre erste Meisterschaft seit 1973
       gewinnen, hat die Stadt zusammengebracht wie kaum etwas anderes in der
       jüngeren Erinnerung. Und der Glaube daran ist immer noch stark, auch wenn
       am Dienstagabend [2][die San Antonio Spurs] die Final-Serie durch einen
       115:111-Erfolg im Madison Square Garden auf 1:2 verkürzen konnten.
       
       ## Neues Selbstbewusstsein
       
       Dahinter steckt mehr als nur die Identifikation mit einem Basketballklub,
       dessen Fans jahrzehntelanges Leid hinter sich haben. Es ist auch
       [3][Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins] der Stadt, das der
       Knicks-Erfolg nur an die Oberfläche spült.
       
       Ein Fan formulierte es nach dem zweiten Sieg gegen San Antonio in einem
       Spontan-Rap so: „My mayor is Muslim, my bagels are Jewish, my Christian
       Dior, Knicks in Four.“ Der junge Mann brachte zum Ausdruck, wie stolz man
       darauf ist, alles zu sein, was Trump und MAGA hassen.
       
       Ein Ort, wo Muslime und Juden miteinander auskommen, wo man keine Angst vor
       dem „Great Replacement“ hat, sondern immer noch und immer wieder
       Pluralismus und Differenz zelebriert. Das passiert bei jeder der Hunderten
       von Public Viewing-Parties, die gerade bei jedem Spiel an jeder Ecke, in
       jedem Park und in jeder Kneipe stattfinden.
       
       So wurde Trumps Besuch beim ersten Heimspiel der Serie am Montag mit lauten
       Buhrufen bedacht. Trump saß auf Einladung seines Freundes Jim Dolan, des
       Betreibers des Gardens, der in der Stadt auch nicht eben populär ist, in
       einer verglasten VIP-Box und verdöste den Großteil des Spiels. Aus
       Sicherheitsgründen mussten dafür die Straßen rund um den Garden gesperrt
       werden, Straßenpartys fielen aus. Der US-Präsident interpretierte dies
       indes als Jubel der Zuschauer. „Das waren in erster Linien Anfeuerungsrufe,
       scheint mir, lautstark und begeistert“, erklärte Trump.
       
       Bürgermeister Mamdani hatte sich für die Finalpartie eine Stehplatzkarte
       für 1.000 Dollar besorgt – ein Schnäppchen, die teuersten Karten kosteten
       90.000 Dollar.
       
       Es ist in gewisser Weise das Mamdani-New York, das sich während dieser
       Finalserie feiert und selbstbewusst dem Land präsentiert. Ein buntes New
       York gewiss, aber auch ein optimistisches, freudiges, das daran glaubt, die
       eigenen Probleme und die des Landes überwinden zu können. So wie die Knicks
       jahrzehntelanges Missmanagement und einen Haufen Pech überwunden haben.
       
       Von der Fußball-WM, die nächste Woche in die Stadt kommt, redet noch kaum
       jemand. Aber das Knicks-Fieber macht auch darauf Vorfreude. Dann nämlich
       kann sich die Stadt, so wie sie jetzt ist, der ganzen Welt präsentieren.
       
       9 Jun 2026
       
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