# taz.de -- Überwachung im US-Sport: Unerwünschte Gäste
> In den US-Sportarenen sind dank Gesichtserkennungssoftware und
> Datensammelwut der Willkür Tür und Tor geöffnet. Beobachten lässt sich
> das in New York.
(IMG) Bild: Hier wird aussortiert: New York Knicks-Fans vor dem Eingang des Madison Square Garden
Sportfans sind eine schwer zu kontrollierende Gruppe. Fußballvereine und
Sicherheitskräfte in ganz Deutschland sind schwer damit beschäftigt, den
Enthusiasmus der Stadiongänger*innen im Zaum zu halten. Im
US-amerikanischen Profisport geht es vergleichsweise sehr viel zahmer zu
und dennoch erprobt man dort aktuell biometrische Überwachungstechnologien,
die Vorboten der präventiven Sicherheitsmaßnahmen in Stadien sein könnten.
Die Aufmerksamkeit für dieses Thema ist dem fragilen Ego des Besitzers der
Basketballmannschaft New York Knicks zu verdanken. James Dolan ist ein
Unternehmer in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie, dem unter anderem
das sogenannte Basketball-Mekka, der Madison Square Garden, gehört. Unter
den New Yorker*innen ist er seit Jahren mehr als umstritten und selber
im Gegenzug auch nicht gut auf die Fans zu sprechen. Doch mit welcher
Vehemenz Dolan diesen recht klassischen Konflikt austrägt, ist erst seit
einigen Wochen im Detail bekannt.
James Dolan nutzt KI-gestützte Gesichtserkennungssoftware, eine Datenbank
und ein Punktesystem, um unerwünschte Gäste zu identifizieren und
herauszufiltern. Druckst du online T-Shirts mit einem Dolan-kritischen
Spruch oder rufst „sell the team“ während eines Spiels, landet dein Gesicht
in der Kartei des Sicherheitsteams. Über 1.200 Fotos von Mitarbeitenden der
Anwaltskanzleien, die sich im Rechtsstreit mit Dolans Firmen befinden,
wurden auch in die Software eingespeist und stehen also auf der schwarzen
Liste des MSG.
Während der „lawyer ban“ schon länger bekannt ist, beschreibt die in
[1][Wired veröffentlichte Investigativrecherche von Noah Shachtman und
Robert Silverman] die Willkür und Akribie von Dolans Sicherheitsapparat.
Zwei Jahre lang wurden die Bewegungen einer Transfrau im Madison Square
Garden anlasslos bis hin zur Frequenz ihrer Toilettenbesuche getrackt.
Was nach einem skurrilen Fall eines beleidigten Milliardärs klingt,
entlarvt jedoch eine Praktik, die sich abseits der öffentlichen
Aufmerksamkeit seit Jahren in amerikanischen Sportstätten etabliert hat:
die systematische Sammlung biometrischer Daten. Neben der Basketballliga
NBA, sind alle 32 NFL- und 9 MLB-Stadien mit Gesichtserkennungssoftware
ausgestattet. Diese dienen entweder der Erfassung der Mitarbeitenden, der
Automatisierung der Ticketkontrolle oder der Erhebung von Daten der Fans.
Im Inuit Dome, der neu gebauten Halle der Los Angeles Clippers, wird so das
Verhalten der Fans quantifiziert. Wer die höchste Dezibelzahl vorzuweisen
hat, oft aufgestanden ist oder direkt sein Gesicht am Tresen einscannen
lässt, bekommt Rabatte oder kleine Preise. Ziel ist es auch hier, eine
möglichst große Menge biometrischer Daten zu generieren.
KI-Werkzeuge zur Online-Gesichtssuche wie Cliearview oder PimEyes sind
rechtlich höchst umstritten und insbesondere für [2][staatliche Akteure nur
eingeschränkt nutzbar]. In diesem Kontext werden Datensammlungen privater
Anbieter besonders interessant für externe Abnehmer. Die Überwachung der
Fans ist somit nicht nur Ausdruck der eigenen Allmachtsfantasie, sondern
vor allem ein veritables Geschäftsmodell.
Noch sind derartige Praktiken in deutschen Stadien verboten und auch im
spanischen Fußball, wo es bereits getestet wurde, [3][muss sich La Liga nun
juristisch verantworten]. Dennoch könnte das Thema sehr bald erneut
aufkommen. Im SoFi-Stadium in Los Angeles, in dem 8 WM-Spiele ausgetragen
werden, wird dieselbe Software der Firma eConnect verwendet wie im Madison
Square Garden. Sie setzt auf „persistent facial enrollment“ – einer Art
biometrischer Vorratsdatenspeicherung jedes einzelnen Stadiongastes.
13 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.wired.com/story/madison-square-garden-jim-dolan-surveillance-machine/
(DIR) [2] https://starweb.hessen.de/cache/DRS/20/0/09650.pdf
(DIR) [3] https://www.stadiaworld.com/news/96440/laliga-contests-fine-for-face-biometrics-in-the-stadium
## AUTOREN
(DIR) Philon Griesel
## TAGS
(DIR) American Pie
(DIR) Schwerpunkt Überwachung
(DIR) New York
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Fußball
(DIR) Schwerpunkt Fußball-EM 2024
(DIR) Schwerpunkt Überwachung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Proteste der Fußballfans: Schweigen statt Singen
Die Innenminister sehen ein Gewaltproblem im Fußball und wollen drastische
Maßnahmen ergreifen. Die Ultras sehen das als Angriff auf die Fankultur.
(DIR) Überwachung bei der Fußball-EM: Polizeispiele ohne Grenzen
Grenzkontrollen, zweifelhafte Polizei-KIs und Live-Tracking: Bei der EM in
Deutschland wurden vermeintliche Überwachungsfantasien zur Realität.
(DIR) Vermessung des Menschen: Biometrische Systeme im Einsatz
Technik aus Science-Fiction-Filmen kommt heute schon zum Einsatz, im Zoo,
im Kriegsgebiet und im Reisepass. Ein Überblick.