# taz.de -- Vor den Finals in der NBA: Bekennender Softie
> Victor Wembanyama führt die San Antonio Spurs ins Endspiel gegen die New
> York Knicks. Der Franzose vergießt Tränen der Freude und steht dazu.
(IMG) Bild: Zum Heulen: Victor Wembanyama kann nicht fassen, dass er in den NBA-Finals steht
Sie werden ihre geliebten Spurs also noch ein paar Tage mehr in ihre Gebete
einschließen. Bilder der drolligen Schwestern vom Salesianerinnenorden des
heiligen Don Bosco in San Antonio waren während der Finalserie um den Titel
in der Western Conference der NBA viral gegangen. Die Damen, die Trikots
ihrer Lieblingsfranchise über ihre weißen Gewänder gezogen hatten,
[1][waren aber auch wirklich ein Hingucker].
Vor Spiel vier der Serie gegen die Titelverteidiger der Oklahoma City
Thunder segneten sie gar den Spurs-Center Luke Kornet. Jetzt stehen die
Spurs doch tatsächlich im Endspiel um den Titel. In der Nacht auf
Donnerstag beginnt die Serie gegen die New York Knicks.
Hat der Herrgott also die Gebete der Schwestern erhört? Quatsch! Es war
bestimmt nicht der Herrgott, der die Serie entschieden hat. Es war Victor
Wembanyama, [2][der 2,26 Meter hohe Alleskönner] in den Reihen der San
Antonio Spurs. Nicht Gott also, aber doch ein Außerirdischer. Denn der
Riese aus Frankreich mit dem ungewöhnlich feinen Gespür für den Ball wird
gern „The Alien“ genannt.
22 Jahre jung ist Wembanyama, der zum besten Spieler der Serie um den Titel
in der Western Conference gegen Oklahoma gewählt worden ist. Dass er weit
mehr kann, als an den Brettern seine Größe einzusetzen, das wurde schon
bewundert, als er 2023 in die NBA gekommen ist. Schon lange wundert sich
niemand mehr über das ansehnliche Ballhandling des großen Mannes und dass
er auch von jenseits der Dreierlinie recht treffsicher ist, auch daran hat
man sich gewöhnt.
## Viel diskutierte Tränen
Aber da ist noch etwas, was Wembanyama von den meisten seiner Kollegen
unterscheidet. Er zeigt Gefühle. Nach dem entscheidenden 103:111-Erfolg im
siebten Spiel der Serie gegen Oklahoma wollte der Franzose seine Tränen
nicht verstecken. Und noch bevor die üblichen Machos in den üblen sozialen
Netzwerken begannen, sich über den Softie lustig zu machen, da hatte er
längst klargestellt, dass er zu seinen Gefühlsregungen steht. „Ich mag die
Last, meine Emotionen zu verbergen, nicht auf mich nehmen“, stellte er
klar.
Natürlich konnte das die Kommentatoren, für die echte Männer nur weinen
dürfen, wenn ihre Partnerin ihnen ein Kind schenkt oder ihr Klub einen
Titel gewonnen hat, nicht ruhigstellen. Wembanyama, der nach dem Sieg gegen
Oklahoma zum wertvollsten Spieler gewählt worden war, hatte sich doch glatt
erlaubt, schon vor dem Titelgewinn Gefühle zu zeigen. Und dann steht er
auch noch dazu. Sachen gibt’s!
Da hat sich also ein ganz neuer Typus Mann auf den Weg gemacht, zum
Superstar des Basketballs zu werden. Dass er das Zeug dazu hat, ist
unbestritten. Dass er schon in so jungen Jahren zum ganz großen Coup
ausholt, dass er das mit der jüngsten Truppe der NBA macht, sorgt für
anerkennendes Staunen. Aber dass da einer unterwegs ist, der sich nicht
dafür auslachen lassen will, dass er zu jeder Auswärtsfahrt ein Buch
mitnimmt, daran muss sich die Liga erst noch gewöhnen.
Was er so liest, hat er jüngst auf einer Liste öffentlich gemacht. Stephen
King ist dabei und Fantasy-Reihen wie „The Game of Thrones“. Die meisten
Bücher auf der Liste sind auf Englisch, er liest aber auch französische
Romane, [3][„Le Magasin des Suicides“ von Jean Teulé] zum Beispiel. In der
Satire geht es um eine Milliardärsfamilie, die ihr Vermögen in Zeiten einer
vom Klimawandel gebeutelten Welt mit Selbstmordutensilien gemacht hat.
Finstere Gestalten sind das – bis auf einen, das weiße Schaf der Familie.
Der sorgt dafür, dass aus dem Suizidbusiness ein Scherzartikelgeschäft
wird.
Er krempelt alles um. Beinahe so wie Victor Wembanyama das gerade mit der
NBA macht.
3 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=PZ-uam51kqk
(DIR) [2] /Ausnahmetalent-Wembanyama-in-der-NBA/!5988979
(DIR) [3] https://www.goodreads.com/book/show/1484827
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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Triple-Double. Viel zu feiern gibt es beim Team aus Texas ansonsten nicht.