# taz.de -- Internationaler Strafgerichtshof: Chefankläger Khan vom Dienst suspendiert
> Dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes wird sexuelles
> Fehlverhalten vorgeworfen. Die Entscheidung schlägt auch in Israel hohe
> Wellen.
(IMG) Bild: Staatsanwalt Karim Khan, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, sitzt im Gerichtssaal des Weltstrafgerichts
Wegen Vorwürfen des sexuellen Fehlverhaltens ist der Chefankläger am
Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), Karim Khan, von seinem Amt
suspendiert worden. Diese Entscheidung verkündete am Montagabend das
Präsidium der Versammlung der Vertragsstaaten (ASP). Der Fall solle an die
Vollversammlung verwiesen werden, die alle Mitgliedsstaaten des
Gerichtshofs umfasst.
Das aus 21 Mitgliedern bestehende Präsidium entschied nach eigenen Angaben
„mit qualifizierter Mehrheit, den Ankläger mit sofortiger Wirkung vom
Dienst zu suspendieren, bis die Versammlung der Vertragsstaaten als
zuständiges Entscheidungsorgan eine endgültige Entscheidung trifft“.
Zugleich wurde betont, „dass diese Suspendierung keinen Hinweis auf den
endgültigen Ausgang des Verfahrens darstellt“.
Medienberichten zufolge wird Khan sexuelles Fehlverhalten gegenüber einer
Mitarbeiterin seines Büros vorgeworfen. Laut dem Wall Street Journal hatte
eine Assistentin UN-Beamten mitgeteilt, dass Khan sie über mehrere Monate
hinweg sexuell belästigt und schließlich zum Geschlechtsverkehr gezwungen
habe.
Khan hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und sich bereiterklärt, mit den
Ermittlern zu kooperieren. Wegen der Vorwürfe gegen ihn legte er bereits im
Mai vergangenen Jahres sein Amt vorerst nieder. Nun wurde er formell
suspendiert.
## Khan hatte immer wieder für Aufsehen gesorgt
Khan ist seit Juni 2021 Chefankläger am IStGH. Er hatte in den vergangenen
Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. So erwirkte er Haftbefehle des
IStGH gegen den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, den
damaligen israelischen Verteidigungsminister Joav Gallant und mehrere
Anführer der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas wegen
mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und mutmaßlicher
Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg.
Khan erwirkte zudem einen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten
Wladimir Putin wegen des Vorwurfs der unrechtmäßigen Verschleppung
ukrainischer Kinder. Der IStGH mit Sitz in Den Haag verfolgt seit 2002
besonders schwerwiegende Straftaten wie Kriegsverbrechen. (afp)
Laut wurden die Vorwürfe, kurz nachdem der Chefankläger Haftbefehl gegen
den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erlassen hatte.
Israels Botschafter fordert nun eine Aufhebung des Haftbefehls gegen
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die Suspendierung Karim Khans
beweise, „dass diese Institution bis ins Mark verdorben ist“, schrieb
UN-Botschafter Danny Danon auf X. „Nun ist es an der Zeit, die
ungeheuerlichen Haftbefehle gegen Ministerpräsident Netanjahu aufzuheben!“
(dpa mit taz)
9 Jun 2026
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