# taz.de -- Digitalisierung in Deutschland: Die Staatsmodernisierung zieht sich
> Digitalminister Wildberger (CDU) zieht eine positive Bilanz für seine
> Modernisierungsagenda. Die Linke kritisiert die Beschneidung von
> Arbeitnehmerrechten.
(IMG) Bild: Bund und Länder sehen Fortschritte bei Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger (CDU) zog am Montag eine erste Zwischenbilanz
Ende des vergangenen Jahres haben Bund und Länder ihr [1][Konzept für
Digitalisierung und Entbürokratisierung vorgestellt]. Deutschland solle
„schneller, digitaler und handlungsfähiger“ werden, hieß es. Nun zieht die
Bundesregierung zusammen mit den Ministerpräsidenten aus NRW und
Baden-Württemberg eine erste Zwischenbilanz – und ziehen ein positives
Fazit.
Die föderale Modernisierungsagenda umfasst mehr als 200 Maßnahmen.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) stellt am Montag in der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft die ersten Maßnahmen
vor, die bereits umgesetzt werden: Im Februar sei das nationale
Datenaustauschsystem „Noots“ an den Start gegangenen. Es soll dafür sorgen,
dass Behörden künftig nicht mehrmals Daten von Bürger:innen abfragen
müssen. Wildberger dämpft die Erwartungen aber auch gleich wieder: So etwas
funktioniere nicht auf Knopfdruck, es sei komplex, führt Wildberger aus. Es
müssten erst viele verstreute Register zusammengeführt werden.
Bei der Entbürokratisierung führte Wildberger zurückgefahrene
Sicherheitsvorschriften für Unternehmen an: Künftig solle es [2][123.000
Sicherheitsbeauftragte] weniger geben – „Nicht, weil uns Sicherheit weniger
wichtig ist“, sondern weil Wirkung mehr zähle als Formalismus, sagt
Wildberger. Zukünftig sollen erst Betriebe mit mindestens 50
Mitarbeiter:innen einen Sicherheitsbeauftragten beschäftigen müssen.
Anne-Mieke Bremer, Sprecherin für digitale Infrastruktur der Linken im
Bundestag, kritisiert das gegenüber der taz. Was oberflächlich als
Entlastung der Wirtschaft verkauft werde, bedeute in der Realität eine
„massive und akute Gefährdung“ von Arbeitnehmer:innen. Insgesamt seien die
Pläne darauf ausgerichtet, Bürokratiekosten für Unternehmen zu senken und
den Verwaltungsapparat abzubauen. Bei genauerer Betrachtung bedrohe das
aber die Zukunftsfähigkeit des Staates und die Rechte der Beschäftigten,
kritisierte sie.
Als einen Erfolg bei der Digitalisierung verbucht Karsten Wildberger, dass
sich mittlerweile rund 60 Millionen Menschen online ummelden könnten. Vor
Kurzem seien es noch die Hälfte gewesen, sagt er. Wichtig bei der
Modernisierung sei dabei die Zusammenarbeit mit den Ländern, betont er.
## Ein Staat, der weniger regelt und mehr vertraut
Um die Fortschritte bei der Staatsmodernisierung zu unterstreichen, war
auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Henrik Wüst (CDU) an
Wildbergers Seite. Der mahnte am Montag in der Akademie der Wissenschaft
einen Mentalitätswechsel an: Das Vertrauen der Menschen könne nur
wiedergewonnen werden, wenn die Menschen einen handlungsfähigen Staat
erlebten.
Es brauche einen Kulturwandel zu einem Staat, der „weniger regelt, dafür
mehr vertraut“, so Wüst. Er sehe aber aktuell ein Momentum für diesen
Kulturwandel – also gute Chancen für Bürokratieabbau, Staatsmodernisierung
und Digitalisierung. Um Planungsprozesse zu beschleunigen, schlägt Wüst
etwa vor: „Alles, was nicht binnen drei Monaten eine Ablehnung bekommen
hat, gilt als genehmigt.“ Er meint damit die sogenannte
Genehmigungsfiktion. Bei sich in Nordrhein-Westfalen will Wüst [3][diese
jetzt einführen].
9 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /100-Millionen-Euro-an-Entlastung/!6127242
(DIR) [2] https://www.mdr.de/ratgeber/neu-ab/spritpreis-foerdergelder-energieausweis-100.html
(DIR) [3] https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/baugenehmigung-bauturbo-genehmigungsfiktion-100.html
## AUTOREN
(DIR) Pascal Maier
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