# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Europäer und Ukraine fordern Putin zu Verhandlungen auf
> In London sprachen Starmer, Merz und Macron dem Vorschlag Selenskyjs für
> „direkten Dialog“ mit Moskau ihre Unterstützung aus. Der Kremlchef hatte
> das zuvor abgelehnt.
(IMG) Bild: Friedrich Merz, Wolodymyr Selenskyj, Keir Starmer und Emmanuel Macron (v.l.n.r.) in der Downing Street, 07.06.2026
Der britische Premierminister Keir Starmer, Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben sich hinter einen
Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für direkte
Waffenruhe-Gespräche zwischen Moskau und Kyjiw gestellt. Die Staatenlenker
„unterstützen den Vorschlag für einen direkten Dialog zwischen der Ukraine
und Russland – unter aktiver Beteiligung der USA und Europas –, um eine
Waffenruhe zu erreichen und weitere Verhandlungen zu fördern“, erklärten
Starmer, Merz und Macron nach [1][Gesprächen mit Selenskyj am Sonntag in
London].
„Die derzeitige Kontaktlinie sollte der Ausgangspunkt für Verhandlungen
sein“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. Internationale Grenzen
dürften „nicht gewaltsam verschoben werden“.
Selenskyj hatte am Donnerstag Kremlchef Wladimir Putin in einem offenen
Brief ein persönliches Gespräch vorgeschlagen. „Die Ukraine ist für eine
vollständige Waffenruhe für die Dauer der Verhandlungen bereit“, erklärte
er. Putin lehnte den Vorschlag ab, woraufhin Selenskyj erklärte, der
Kremlchef wolle den Krieg „einfach nicht beenden“.
Selenskyj dankte seinen Gesprächspartnern für ihre Unterstützung. „Wir
trafen uns im wichtigen E3-Ukraine-Format. Im Mittelpunkt einer intensiven
Diskussion stand unsere Verteidigung. Ich informierte sie über die Lage an
der Front und die Verluste Russlands“, schrieb Selenskyj am Sonntagabend im
Onlinedienst X.
Im Sender Sky News sagte Selenskyj zudem, er habe sich in Kyjiw auch mit
dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch getroffen, um Putin eine
Botschaft zu übermitteln. Seine „Kernbotschaft“ sei gewesen, dass die
Ukraine die wichtige Industrieregion Donbass nicht aufgeben werde. „Ich
habe ihm gesagt: ‚Wir werden unser Territorium nicht verlassen, nein, wir
werden euch keinen solchen Sieg schenken‘“, sagte Selenskyj. Er fügte
hinzu, er habe in der Botschaft seine Bitte um ein persönliches Treffen mit
Putin bekräftigt.
Abramowitsch war nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar
2022 wegen seiner Verbindungen zum Kreml von Großbritannien und der EU mit
Sanktionen belegt worden. Laut Selenskyj kam Abramowitsch nach Kyjiw und
bot ihm an, eine Botschaft von ihm entgegenzunehmen und sie an Putin
weiterzuleiten.
Putin hatte am Freitag auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St.
Petersburg den Besuch eines russischen Geschäftsmannes in Kyjiw erwähnt,
ohne allerdings dessen Namen zu nennen. „Ich kenne diese Person schon seit
langem. Auch wenn wir keine engen Beziehungen pflegen, halte ich ihn für
vertrauenswürdig und ehrlich“, hatte der russische Staatschef erklärt.
Moskau und Kyjiw hatten in den vergangenen Monaten ihre gegenseitigen
Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des seit mittlerweile
mehr als vier Jahren andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken
derzeit. Moskau fordert unter anderem, dass die Ukraine die gesamte
Donbass-Region abtreten soll, was Kyjiw strikt ablehnt. (afp)
## Ukraine greift Passagierzug an
Bei einem neuen [2][ukrainischen Drohnenangriff] auf einen Passagierzug auf
der Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist ein Lokführerassistent laut
Behördenangaben getötet worden. Der Lokführer selbst sei verletzt worden,
teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter auf der Krim, Sergej
Aksjonow, bei Telegram mit.
Der Personenzug sei auf der Strecke Moskau–Simferopol getroffen worden.
„Fahrgäste blieben unverletzt“, teilte Aksjonow mit. Der Zugverkehr wurde
in der touristischen Hochsaison vorübergehend eingestellt.
Es seien sämtliche Züge evakuiert und die Passagiere in Bussen
weitertransportiert worden, teilte die Bahngesellschaft Grand Service
Express bei Telegram mit. Bereits vorige Woche gab es nach einem
ukrainischen Drohnenangriff auf einen Nahverkehrszug laut Behörden einen
Toten und zwei Verletzte. (dpa)
## Schlag in der Tourismusregion
Der neuerliche Angriff trifft auch das Hotel- und Gaststättengewerbe auf
der Krim empfindlich. Experten rechnen laut der Moskauer Zeitung Kommersant
damit, dass auf der bei den Russen beliebten Halbinsel in diesem Jahr drei
bis vier Millionen Touristen wegbleiben. Die Zeitung berichtete von
zahlreichen Stornierungen und rückläufigen Buchungszahlen.
Grund für die ausbleibenden Urlauber sei auch die Rationierung von
Kraftstoff an den Tankstellen. Die Benzinkrise hält viele Autofahrer von
Reisen auf die Krim ab.
Russland hatte die Krim 2014 annektiert und nutzt sie auch als
Aufmarschgebiet für seine Truppen im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kyjiw
will mit [3][den Drohnenangriffen] vor allem den militärischen Nachschub
stören. Das Land verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die
russische Invasion. (dpa)
## Auch Ölterminal in Noworossijsk erneut getroffen
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den nächtlichen
Abschuss von mehr als 300 Drohnen in verschiedenen Regionen, darunter auch
auf der Krim. Überprüfbar sind die Angaben von unabhängiger Seite nicht.
Getroffen wurde erneut auch ein Ölterminal in dem Schwarzmeer-Hafen
Noworossijsk. Es sei niemand verletzt worden, teilten die Behörden mit.
Die Ukraine will mit den Schlägen gegen die russische Ölindustrie vor allem
den Energieexport treffen, mit dem Moskau seine Kriegsmaschinerie
finanziert. Die russische Führung hatte zuletzt Rückgänge bei der
Ölförderung und wirtschaftliche Probleme durch die zunehmenden ukrainischen
Drohnenangriffe eingeräumt, betonte aber, dass die Lage unter Kontrolle
sei. (dpa)
8 Jun 2026
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