# taz.de -- Ukraine-Gipfel in London: Russland an den Verhandlungstisch zwingen
> Bislang will Putin nicht mit, sondern nur über die Ukraine reden. Um das
> zu ändern, ist weiterer militärischer Druck nötig.
(IMG) Bild: Die selbsternannten Putin- Bezwinger in London
Bringt das Jahr 2026 das Ende des russischen Angriffskrieges gegen die
Ukraine? Was vor einem Jahr noch als Hirngespinst abgetan werden konnte,
ist inzwischen ein reales Szenario. Die Ukraine setzt Russlands
militärische Infrastruktur und Ölwirtschaft massiv außer Gefecht, an der
Front im Donbass wird die russische Armee aufgerieben, und der russischen
Kriegswirtschaft geht die Puste aus.
Die Ukraine ist selbst ausgeblutet und entkräftet, aber sie schöpft aus
Russlands Schwäche Zuversicht und inszeniert das gekonnt, zuletzt mit
Drohnenangriffen in St. Petersburg beim Internationalen Wirtschaftsforum
vergangene Woche und der nachfolgenden öffentlichen Aufforderung Selenskyjs
an Putin, endlich zu verhandeln. Russland wollte in St. Petersburg der Welt
Stärke vorführen, das Gegenteil trat ein. Inzwischen wird sogar über einen
Fall der besetzten Krim spekuliert, auf der Russlands Militär besonders
leicht zu isolieren und zu schwächen ist.
Die Hoffnung ist, dass all dies Russland an den Verhandlungstisch mit der
Ukraine zwingt. Bisher will Russland nicht mit der Ukraine sprechen,
sondern nur über die Ukraine, und zwar mit Donald Trump – begleitet vom
fortgesetzten Krieg. Die Regierung in Kyjiw soll nicht mitreden, sondern
höchstens am Ende die zwischen Moskau und Washington vereinbarte
Zerschlagung und Unterwerfung der Ukraine unterschreiben. Echte
Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sähen ganz anders
aus. Es würde ein international überwachter Waffenstillstand in Kraft
treten, dann könnten Direktgespräche mit internationaler Beteiligung
folgen.
## Existenz der Ukraine akzeptieren
Hinter dieses Friedenskonzept haben sich in London [1][Selenskyjs drei
wichtigste europäische Verbündete gestellt]. Seine Realisierung setzt
zweierlei voraus: Dass Russland in einen Waffenstillstand einwilligt und
dass es sich endlich dazu durchringt, die Existenz einer freien Ukraine zu
akzeptieren. Zu alldem scheint Putin weder bereit noch in der Lage. Aber
das hinzunehmen bedeutet, Putins Krieg hinzunehmen. Wer stattdessen Frieden
will, muss Druck ausüben.
Im Umgang mit einer renitenten Kriegspartei macht erst militärischer Druck
einen Friedensprozess möglich. Solange man Putin freie Hand lässt, wird er
seine Ziele weiter mit der Waffe verfolgen wollen. Erst wenn er die
Aussichtslosigkeit seiner Lage erkennt oder wenn jemand Vernünftiges in
Moskau die Initiative ergreift, ist überhaupt denkbar, dass Russland
Gesprächspartner wird. Dafür muss die Ukraine den militärischen Druck auf
Russland aufrechterhalten und steigern. Das ist der einzige Weg zum
Frieden.
8 Jun 2026
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(DIR) Dominic Johnson
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