# taz.de -- AfD-Angriffe auf den Rechtsstaat: Richterbund fordert Selbstverteidigung der Justiz
> Wegen drohender Macht für die AfD gibt es Debatten über Resilienz und
> „wetterfeste“ Gesetze. Der Richterbund fordert aber auch ein couragiertes
> Personal.
(IMG) Bild: Sollte sich angesichts von Angriffen nicht hinter einer falsch verstandenen Neutralität oder Aktenbergen verstecken: die Justiz
epd | Der Deutsche Richterbund hat zum Schutz vor politischer Einflussnahme
von Bund und Ländern „wetterfeste Justizgesetze“ gefordert. Das Risiko
gezielter politischer Eingriffe in die Richterauswahl und in die
Strafverfolgung müsse minimiert werden, sagte der Bundesgeschäftsführer des
Richterbundes, Sven Rebehn, in Berlin dem Evangelischen Pressedienst: „Hier
sind die Gesetzgeber in Bund und Ländern gefordert, das Notwendige zum
Schutz des Rechtsstaats zu tun.“ Ab 11. Juni tagt die
Justizministerkonferenz in Hamburg.
Allerdings lasse sich durch Rechtsänderungen allein die Justiz „nicht gegen
jede Eventualität und gegen jedes mögliche Risiko absichern“, sagte er
weiter: „Einen gesetzlichen Vollkaskoschutz kann es nicht geben.“ Am Ende
des Tages liege es auch an der Justiz selbst, den Rechtsstaat gegen seine
Feinde zu verteidigen. Dabei komme es auf jede einzelne Richterin und jeden
Richter, auf jede einzelne Staatsanwältin und jeden Staatsanwalt an: „Polen
hat das auf bewundernswerte Weise gezeigt. Dort haben Kolleginnen und
Kollegen die Courage gehabt, dem Rückbau des Rechtsstaats entgegenzutreten
und der Politik Grenzen aufzuzeigen.“
Rebehn betonte, Angriffe auf die Unabhängigkeit der Justiz seien in vielen
Ländern der Welt zu beobachten. „Wir kritisieren das seit Jahren vehement
und sehen es mit Sorge, dass der Rechtsstaat auch in Deutschland unter
Druck geraten könnte.“ Schaue man sich das Vorgehen und die Ziele von
Parteien wie der AfD an, sei klar zu erkennen, „dass die Justiz als
unabhängige Kontrollinstanz für sie ein Bremsklotz ist“. Der Volljurist
sagte: „Das destruktive Auftreten der AfD in Thüringen, wo sie gezielt die
Neubesetzung der Wahlausschüsse für Richter und Staatsanwälte blockiert,
lässt erkennen, wie wenig ihr an einer funktionsfähigen Justiz liegt.“
Dabei verwies Rebehn auf Möglichkeiten der politischen Einflussnahme: „Die
Justizministerien haben in Deutschland ein Weisungsrecht gegenüber den
Staatsanwaltschaften.“ Neben allgemeinen Vorgaben, zum Beispiel welche
Kriminalitätsfelder mit besonderer Priorität verfolgt werden sollen, könne
eine Ministerin oder ein Minister auch in konkrete Strafverfahren
hineinregieren: „Das kann bis zu Anweisungen an einzelne Ermittler reichen,
doch mal in die eine oder andere Richtung zu ermitteln.“ Das wäre das Ende
einer objektiven Strafverfolgung, sagte der Fachmann.
7 Jun 2026
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