# taz.de -- Ägyptischer Fotograf: Und wie geht es dem Nil?
> Seit 2017 dokumentiert der ägyptische Fotograf Roger Anis den Nil und das
> Leben an seinen Ufern. Hier macht er sich ein Bild von der düsteren
> Zukunft.
(IMG) Bild: Umstrittenes Gut: Das Wasser des Nils, hier in der ägyptischen Hauptstadt Kairo
taz: Herr Anis, welche Perspektive hat der Nil noch?
Roger Anis: Wenn ich das Gesamtbild betrachte, bin ich sehr pessimistisch –
Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, Kriege. Jede nächste Katastrophe
könnte alles zerstören. Aus dieser Perspektive erscheint Pessimismus
logisch. Allerdings finde ich auch Gründe, optimistisch zu sein und
positive Entwicklungen zu sehen. Etwa bei der Initiative Very Nile, bei der
Fischer Plastik aus dem Nil fischen.
taz: Betrachten Sie Ihre Aufnahmen des Nils als ein Archiv für zukünftige
Generationen?
Anis: Jedes Foto ist im Grunde genommen ein Archiv. Deshalb achte ich immer
darauf, dass meine Fotos sowohl das Problem als auch die Lösung zeigen.
Wenn ich zum Beispiel das Problem der Verschmutzung des Nils fotografiere,
sorge ich dafür, dass dieses Bild im kollektiven Bewusstsein des
Betrachters lebendig bleibt, damit sich die Menschen, wenn Jahre später
über die Verschmutzung diskutiert wird, an dieses Bild erinnern. Hier
beginnt die Gegendarstellung: So wie es Umweltverschmutzung gab, gab es
auch Menschen, die das nicht so einfach hinnahmen und sich für den Schutz
der Umwelt engagierten.
taz: Was sagt die Realität des Nils über die Kluft zwischen dem, was wir
wissenschaftlich wissen, und dem, was politisch beschlossen wird?
Anis: Wenn wir über den Nil reden, sprechen wir von einer Realität voller
Allianzen, Kriege und versteckter Absichten. Die Beziehung besteht nicht
nur zwischen Wissenschaft und Politik, sondern ist Teil eines komplexen
Netzwerks aus Bündnissen und einer völlig turbulenten Welt. Die Politik
wägt viele Faktoren ab: ökologische, wirtschaftliche und soziale. Wir als
Journalisten oder Forscher, die sich für die Umwelt interessieren, neigen
hingegen dazu, uns nur auf den ökologischen Aspekt zu konzentrieren.
taz: Was schließen Sie daraus?
Anis: Die Wertschätzung des Wassers wird steigen. Vor diesem Hintergrund
müssen auch die Beziehungen zwischen allen Nilanrainerstaaten gestärkt
werden. Wir teilen einen Fluss, und wir haben viel Erfahrung mit ihm, die
wir miteinander teilen können. Alles hängt mit unserem Verhältnis zum
Wasser zusammen. Ob wir es wollen oder nicht – wir werden diesem Strudel
nicht entkommen.
Gilan Hefny, Fotografin und Journalistin aus Kairo. Sie hat die erste
[1][Sonderbeilage des Projekts MENA Green Panter der taz panterstiftung
bebildert (November, 2025)].
15 Jun 2026
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