# taz.de -- Ägyptischer Autor Ahmed Naji: „Bei Konflikten geht es oft auch um natürliche Ressourcen“
       
       > Für seinen Zukunftsroman über Kairo wurde der Journalist und Autor Ahmed
       > Naji in Ägypten inhaftiert. Heute lebt und arbeitet er in den USA.
       
 (IMG) Bild: Fahrzeuge sind auf einer Straße in Kairo, Ägypten, inmitten eines Sandsturms zu sehen
       
       In seinem Roman „Using Life“ entwirft der Autor Ahmed Naji eine Utopie der
       ägyptischen Hauptstadt Kairo, die, nachdem sie von einem „Wüstentsunami“
       unter Sand begraben wurde, dank technischer Innovationen und der
       Fortbewegung per Wüstenschiffen wieder zu Leben erwacht. Im Jahr 2015, ein
       Jahr nach der Veröffentlichung des Romans, wurde Kairo von einem
       außergewöhnlichen Sandsturm heimgesucht, und die ägyptische Regierung
       kündigte ihren Plan zum Bau der neuen Verwaltungshauptstadt an. Doch
       anstatt sich mit den in seinem Roman dargestellten Visionen
       auseinanderzusetzen, wurde Naji wegen „Verstoßes gegen die öffentliche
       Sittlichkeit“ in seinen Schriften zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach
       seiner Entlassung wanderte er in die Vereinigten Staaten aus, wo er bis
       heute lebt und arbeitet. 
       
       taz: Herr Naji, inwiefern kann literarische Vorstellungskraft dabei helfen,
       die Zukunft zu gestalten? 
       
       Ahmed Naji: Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen. Als der
       ehemalige ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser Mitte des vergangenen
       Jahrhunderts das Ideal eines Dorfes entwerfen wollte, war einer seiner
       Berater der Science-Fiction-Autor Nihad Sharif. Politische und literarische
       Zukunftsszenarien beginnen immer mit der Frage: Was wäre, wenn?
       
       taz: In Ihrem Roman benennen Sie die Klimakrise als „Motor der Geschichte“.
       Was meinen Sie damit? 
       
       Naji: Geschichte ist nicht nur eine Erzählung von Kriegen und Königen,
       sondern ein Spiegelbild der Beziehung zwischen Menschheit und Klima, eine
       Chronik der Versuche des Menschen, sich an Umweltveränderungen anzupassen.
       In unserer heutigen Realität übersehen wir oft, dass es bei fast allen
       aktuellen Konflikten, etwa in Iran oder Syrien, auch um natürliche
       Ressourcen geht. Anstatt die ökologischen und klimatischen Ursachen
       anzuerkennen, werden die Konflikte als ethnisch oder religiös motiviert
       dargestellt.
       
       taz: Soll Ihre Formulierung einer „absichtlichen Katastrophe“ genau diesen
       Gedanken zum Ausdruck bringen? 
       
       Naji: Ja. Klimaveränderungen waren schon immer Teil der natürlichen Ordnung
       der Erde, aber wir wissen heute, dass das moderne Wirtschaftssystem und der
       konsumorientierte Lebensstil diese Veränderungen beschleunigt haben.
       Darüber hinaus gibt es diejenigen, die aus diesem Lebensstil Reichtum
       anhäufen und nicht bereit sind, ihn zu ändern. Wir geben uns mit wenig
       wirkungsvollen, individuellen Lösungen zufrieden, anstatt große Unternehmen
       zur Verantwortung zu ziehen. Zum Beispiel jene Firmen, die immer noch
       Dieselmotoren produzieren und diese in den Globalen Süden exportieren,
       während sie in ihren eigenen Ländern auf saubere Energiequellen setzen.
       
       Amaa AlSheikh ist ägyptische Journalistin, die in Kuwait arbeitet und lebt.
       
       16 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Amaa AlSheikh
       
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