# taz.de -- Protest gegen die AfD: Angriff auf „Oma gegen rechts“
       
       > Vor dem AfD-Büro in Berlin-Pankow schlägt ein Sympathisant der
       > Rechtsextremen eine Teilnehmerin des Gegenprotests. Doch die lässt sich
       > nicht einschüchtern.
       
 (IMG) Bild: Das „Braune Haus“ ist das Büro der Pankower AfD. Bei Veranstaltungen ist oft die Polizei präsent, wie hier am 2. Juni 2026
       
       Als der Mann auf sie zukommt, spannt sie den Schirm auf: So erzählt es Maja
       Wiens der taz. Zuvor sei der Mann laut geworden – als er näher kam, habe
       sie sich mit dem Schirm schützen wollen. „Und dann hat er ausgeholt und
       zugeschlagen“, sagt Wiens. Sie war am vergangenen Dienstagabend Teil eines
       antifaschistischen Protests gegen eine Veranstaltung der AfD in
       Berlin-Pankow.
       
       Das „Braune Haus“, wie das AfD-Büro in Pankow-Blankenburg auch genannt
       wird, war am Dienstagabend Austragungsort eines sogenannten „Bürgerdialogs“
       der AfD. Zugegen: [1][Gottfried Curio], Bundestagsabgeordneter der AfD aus
       Pankow. Es ist nicht das erste Mal, dass sich hier Protest versammelt,
       denn: Das „Braune Haus“ empfängt regelmäßig [2][rechte „Prominenz“] wie
       Maximilian Krah oder Martin Sellner.
       
       Maja Wiens, die Anmelderin der Gegendemo, lebt seit 50 Jahren in Pankow und
       engagiert sich seit knapp acht Jahren bei der Organisation [3][„Omas gegen
       rechts“]. Sie meldete schon in der Vergangenheit Proteste an.
       
       Menschen aus der Umgebung sowie Angehörige verschiedener Parteien hätten an
       der Demonstration teilgenommen, sagt Wiens. Sie seien nicht „übermäßig
       viele“ gewesen, Blankenburg liege eben weit draußen und es habe wenig Zeit
       zur Mobilisierung gegeben. Nur eine Grünfläche von 50 Metern Breite,
       schätzt sie, habe den antifaschistischen Gegenprotest von der
       AfD-Veranstaltung getrennt. „Dazwischen eine Bücherbox, die schon öfter
       angezündet wurde“, so Wiens.
       
       ## Oft dieselben rechten Gesichter
       
       Sie beschreibt die Gruppe auf der anderen Seite der Grünfläche, die sich
       zur AfD-Veranstaltung einfand: „Sie waren sicherlich mehr als wir. Und es
       sind auch oft dieselben Gesichter.“ Axel K. von der Vereinigung der
       Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschist:innen (VVN-BdA) und
       Augenzeuge berichtete der taz: „Da sind Leute an uns vorbeigefahren, die
       uns zugerufen haben: ‚Zecke *peng peng*, ich schieß’ euch ab‘!“
       
       Ein Banner mit der Aufschrift „Nie wieder Faschismus“, auf dem das Logo des
       VVN-BdA deutlich sichtbar ist, habe schließlich einen sehr aggressiven Mann
       auf den Plan gerufen, so Wiens und K. übereinstimmend. An die
       Banner-tragenden Menschen gerichtet habe er gerufen: „Ihr seid die wahren
       Faschisten!“ Wiens habe zum Schutz der Demoteilnehmenden ihren Schirm mit
       der Aufschrift „Omas gegen Rechts“ aufgespannt, den sie auf jeder Demo mit
       sich trage.
       
       In dem Moment habe der Mann zugeschlagen: „Der Schlag kam mit solcher Wucht
       – an fast jedem anderen Tag wäre ich umgefallen“, sagt Wiens. Sie sei
       schwer erkrankt, unterziehe sich derzeit einer palliativen Chemotherapie:
       „Ich wiege unter 50 Kilo, bin sowieso klein.“ Der Schläger sei anschließend
       zu einer Gruppe AfDler gegangen und von diesen mit einem Schulterklopfer
       empfangen worden.
       
       Die Polizei bestätigt auf taz-Anfrage, es habe ein Handgemenge gegeben,
       zwei Strafanzeigen seien gestellt worden: wegen versuchter Körperverletzung
       sowie wegen Beleidigung.
       
       „Das war nicht der erste Schlag, den ich abbekommen habe in den vielen
       Jahren“, erzählt Wiens. Sie erinnere sich an eine Kundgebung im Simsonweg:
       „Da bin ich von Leuten der AfD geschubst worden.“ Auch bei einer Mahnwache
       der Omas vor einer Synagoge sei sie schon mal angegriffen und sogar mit
       Flaschen beworfen worden.
       
       ## Antifaschistische Solidarität
       
       Ihre Mitstreiter:innen seien fassungslos gewesen von diesem Angriff, so
       Wiens. Doch vielmehr bedeute ihr, „dass die Menschen solidarisch waren.
       Viele waren bereit, als Zeugen auszusagen.“ Das koste Mut, weiß sie: „Die
       Anwälte der Gegenseite haben Akteneinsicht, die können die Adressen
       einsehen.“
       
       Für sie selbst seien Vorfälle wie diese keine Einschüchterung, sagt Wiens:
       „Aber genau solche Momente machen Leuten Angst. Darum müssen wir mehr
       werden, damit da ganz viele Antifas stehen.“
       
       5 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Drohendes-Personal-Chaos-bei-der-AfD/!5642935
 (DIR) [2] /Demo-gegen-das-Braune-Haus/!6003877
 (DIR) [3] /Omas-gegen-Rechts/!t6033233
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luzie Fuhrmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Omas gegen Rechts
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt Antifa
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Kolumne Der rechte Rand
 (DIR) Schwerpunkt AfD in Berlin
 (DIR) Schwerpunkt Demos gegen rechts
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bürgerdialog auf Raddampfer: Wieso ein Familienunternehmen an die AfD vermietet
       
       Die AfD lädt zu einem Bürgerdialog auf einem historischen Raddampfer ein
       und die Reederei findet das unproblematisch. Das weckt ungute Erinnerungen.
       
 (DIR) Demo gegen das „Braune Haus“: Erst Sellner, jetzt Krah
       
       Erneut treffen sich Rechte im Pankower AfD-Büro. 200 Menschen protestierten
       gegen die Veranstaltung mit dem Spitzenkandidaten der AfD zur Europawahl.
       
 (DIR) Omas gegen rechts: Übersehene Feministinnen
       
       Die Omas gegen rechts sind derzeit die größte Frauenbewegung auf der
       Straße. Zeit wird es, sie auch in die politischen Diskussionsrunden
       einzuladen.