# taz.de -- Die Grillsaison ist eröffnet: Nicht jeder ist Feuer und Flamme
> Sommerzeit ist Grillzeit. Gerät die beliebte Freizeitbeschäftigung auf
> Kosten der Anwohner außer Kontrolle? Eine Beobachtung aus dem Volkspark
> Friedrichshain.
(IMG) Bild: Viel Freude beim Grillen heißt auch viel Müll: Volkspark Friedrichshain
Spielt das Wetter halbwegs mit, kommen die Ersten so gegen 10 Uhr und bauen
den Grill auf. Mal sind es einfache Grills, manchmal werden große
Profidinger angeschleppt, mitunter sind es auch nur Wegwerfgrills, dazu
Decken oder Campingstühle oder Biergartengarnituren.
Und Grillgut, Getränke und Menschen über Menschen. Auch unter der Woche
wird im Volkspark Friedrichshain auf der dafür ausgewiesenen Rasenfläche
zur Danziger Straße gegrillt und gechillt.
An den Wochenenden, sobald die Sonne scheint und es sommerlich warm ist,
gibt es kein Halten mehr. Dicht gedrängt sitzen die Leute, mal in kleinen,
mal in großen Gruppen zusammen. Alte und viele junge, bunt gemischt und
sehr divers, sie kommen meist mit der Tramlinie M10, die vor der
Grillfläche hält. Das geht ab Mittag los und endet erst in den späten
Abendstunden. Dichte Rauchschwaden ziehen bald durch die Luft. Es riecht
nach Gegrilltem.
An manchen Tagen ist das Grün unter dem Gewimmel so gut wie verschwunden.
Derweil drehen Jogger:innen unbeirrt ihre Runden, der Laufparcours geht
im Kreis rund um die große Grillwiese herum. Erstaunlich ist erstens: Meist
bleibt es friedlich. Bei den Menschenmassen, die sich nahe kommen, gerade
an den langen, lauen Sommerabenden ein erfreulicher Befund. Zweitens aber
werden Müllberge produziert, das ist höchst unerfreulich. Sie lassen sich
jeden Morgen begutachten von frühen Spaziergänger:innen und
Sportler:innen.
Wobei zwei Strategien, wenn man es so nennen will, auszumachen sind: Die
einen hinterlassen ihren Müll ordentlich zusammengepackt in Abfallsäcken im
oder vor dem heillos überfüllten Großraumabfalleimer. Die anderen lassen
ihren Müll einfach an Ort und Stelle liegen. Weit verstreut, freuen sich
die Krähen und Ratten über die Reste der menschlichen Mahlzeiten.
## Rippchen, Rauch und Ratten
Drittens lässt sich im Friedrichshainer Volkspark erleben, wie gut die
vormittägliche Reinigung der Grillfläche durch den Bezirk klappt. Die
Müllberge werden peu à peu abtransportiert, die Großraumabfalleimer
geleert. Und die herumliegenden Hinterlassenschaften fauler
Großstädter:innen werden von fleißigen Händen aufgesammelt und
entsorgt. Pfandsammler:innen ist das alltägliche Grill-Happening ein
Fest. Gegen Mittag ist die Grillfläche bereinigt – bis zur nächsten
Grillorgie.
Im [1][Online-Kalender] der Grillwiese „Neuer Hain“ im Volkspark
Friedrichshain sind alle 46 markierten Grillplätze jedes Wochenende im Juni
bereits ausgebucht. Pro Grillplatz sind zehn Menschen zugelassen. So kommen
bei 46 markierten Grillplätzen bis zu 460 Grillende zusammen – aber nicht
jeder hält sich an die Gruppenbegrenzung.
Vielen Anwohner:innen ist das schon lange zu viel. Sie beklagen Luft-
und Umweltverschmutzung durch Rauch, Müll und menschliche
Hinterlassenschaften. Das zieht auch Ratten und Ungeziefer an. Der Lärm
durch Musikboxen und Instrumente stört sie.
Bereits im vergangenen Sommer starteten sie eine [2][Petition], die
mittlerweile über 9.000 Unterschriften hat. Dadurch erhoffen sich die
Anwohner:innen eine Änderung: strengere Kontrollen und Auflagen für das
Grillen, die Bereitstellung von genug sanitären Anlagen, aber auch ein
grundsätzliches Verbot für unangemeldete private Feiern und
Großversammlungen. All das zusammen soll die Situation entschärfen.
Nun wendet sich der Petitionsausschuss an die Senatsverwaltung für Umwelt
sowie an die Senatsverwaltung für Inneres und Sport und bittet um
Stellungnahme, denn die Anwohner:innen fühlen sich von der eigentlich
zuständigen Instanz nicht gehört. „Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
setzt voll und ganz auf die Hinhaltetaktik, obwohl bereits drei ihrer
innerbezirklichen Grillflächeninitiativen in den letzten Jahren gescheitert
sind“, sagt Linda S., die die Petition mit initiiert hat. Sollten die in
der Petition geforderten Maßnahmen nicht kurzfristig umsetzbar sein,
fordern sie die Schließung der Grillwiese im Volkspark Friedrichshain.
## Zu viele Grills, zu wenig Platz
Tino Schopf, Wahlkreisabgeordneter der SPD, ist Mitglied des
Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses und begleitet mehrere
Petitionen zu diesem Thema. Er steht in regelmäßigem Austausch mit
betroffenen Bürger:innen: „Die geschilderten Probleme werden seit Jahren
immer wieder an die zuständigen Stellen herangetragen“, sagt er.
Um einen Grillplatz im Volkspark Friedrichshain online reservieren zu
können, müssen die Nutzer:innen der Website erst an den Regelungen zum
Grillen vorbeiscrollen. „Bitte gebt Eure Abfälle in diese Mülltüte und
vermeidet damit umherliegenden Einzelmüll auf der Grillwiese!“, heißt es
hier. Eine weitgehend ignorierte Bitte, findet Schopf: „Nach meinen
Eindrücken vor Ort werden bestehende Regeln nicht eingehalten und Verstöße
nur unzureichend geahndet.“
Die Anwohner:innen stoßen an ihre Grenzen. „Die aktuelle Nutzung stellt
eine massive und unzumutbare Belastung für Mensch, Tier und Natur dar“,
heißt es in der Petition. Kein Wunder, denn der Ansturm auf die Grillwiese
„Neuer Hain“ ist in diesem Jahr noch höher als gewöhnlich. Der Grund: Es
mangelt an Alternativen. „Berlinweit gibt es hier eine Unterversorgung,
sodass Friedrichshain auch Besucher:innen aus anderen Berliner Bezirken
anzieht“, heißt es aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.
Generell ist das Grillen in öffentlichen Parks und Grünflächen in Berlin
verboten. Ausnahmen werden von den Bezirksämtern selbst erteilt. Diese
können aber jederzeit entzogen werden, zum Beispiel, wenn wegen anhaltender
Trockenheit Brandgefahr besteht. Einige wenige Möglichkeiten gibt es doch:
Im Bezirk Mitte bietet nur noch der Monbijoupark eine öffentliche
Grillfläche. Auch im Pankower Mauerpark gibt es die Möglichkeit zum
Grillen. In Wilmersdorf darf auf dem Rudolf-Mosse-Platz gegrillt werden.
Das Tempelhofer Feld hat zwei Grillflächen, die vom Landesbetrieb Grün
Berlin GmbH verwaltet werden.
In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es sogar drei ausgewiesene Grillflächen:
der „Neue Hain“, der Blücherplatz und der Görlitzer Park. Letzterer aber
ist seit dem Wochenende geschlossen. Die Grillwiese ist aufgrund eines
starken Befalls mit dem Eichenprozessionsspinner „bis auf Weiteres
gesperrt“, teilte das Bezirksamt am Freitag mit.
In Steglitz-Zehlendorf, Spandau, Neukölln, Treptow-Köpenick und Lichtenberg
fehlt es jedoch gänzlich an öffentlichen Grillstellen. Es sei nicht
geplant, etwas daran zu ändern, sagen die zuständigen Bezirksämter. Auch in
Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf gibt es keine öffentliche Möglichkeit
zum Grillen.
## Grillen, aber bitte privat
Parks sollen der Erholung dienen und das Zusammenkommen in der Gemeinschaft
stärken. Nach dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz ist der Park [3][als
sogenannter dritter Ort ein wichtiger Kontaktpunkt für den sozialen
Austausch.] Vor allem im Sommer treffen viele Berliner:innen in Parks
aufeinander, zum Sonnen, Lesen, Hund ausführen – aber eben auch zum
Grillen. „Grillen gehört für viele Berlinerinnen und Berliner zum Sommer
dazu“, findet auch die Bezirksstadträtin Pankows, Manuela Anders-Granitzki
von der CDU.
Eine grüne Alternative – auch fürs Grillen – bieten für viele die
Schrebergärten in den Kleingartenanlagen. Auf die Kleingärten verweist auf
Anfrage der taz auch das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg als Alternative
zum Grillen in der Öffentlichkeit. Kleingärten gibt es in der Stadt viele:
[4][Über 56.280 Kleingärten verfügt die Hauptstadt], doch der Andrang ist
groß. Die Wartelisten werden aufgrund der hohen Nachfrage teilweise
geschlossen.
Der Traum der privaten, grünen Oase im Betondschungel bleibt vielen also
allein schon wegen mangelnder Verfügbarkeit verwehrt. Hinzu kommen die
Kosten: [5][Einmalig fallen für den Kleingarten durchschnittlich 4.000 Euro
an, jährlich kommen etwa 700 Euro dazu]. Wie so oft scheitert es
letztendlich am Geld.
So bleiben den mittel-, garten- und balkonlosen Berliner:innen zum
Entspannen, Zusammenkommen und auch zum Grillen am Ende nur die
öffentlichen Parks.
8 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.neuer-hain.de/grillen-im-volkspark
(DIR) [2] https://innn.it/grillwiese-friedrichshain
(DIR) [3] https://www.berlin-institut.org/presse/detail/default-6a2724758a78ef66dd99fe09769ecbad
(DIR) [4] https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2025/pressemitteilung.1624368.php
(DIR) [5] https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/stadtgruen/gaertnern-in-der-stadt/kleingaerten/bewerbung-um-einen-kleingarten/
## AUTOREN
(DIR) Ann Toma-Toader
(DIR) Andreas Hergeth
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