# taz.de -- CSD in Aschaffenburg: Bürgermeister will keine Regenbogenflagge am Rathaus
       
       > Der neue Aschaffenburger CSU-Oberbürgermeister will keine Pride-Flagge
       > vor seiner Tür. Nach Kritik geht er einen Schritt auf die queere
       > Community zu.
       
 (IMG) Bild: Darf nicht am Rathhaus von Aschaffenburg wehen: die Pride-Flagge
       
       Am kommenden Samstag findet im fränkischen Aschaffenburg der Christopher
       Street Day statt. Doch anders als in den vergangenen Jahren wird dabei vor
       dem Rathaus keine Regenbogenflagge wehen. Der neue CSU-Oberbürgermeister
       Markus Schlemmer wollte im Pride Month zunächst überhaupt [1][keine
       Pride-Flaggen] an städtischen Fahnenmasten sehen. Nach Kritik lenkt er nun
       teilweise ein – vor seiner Rathaustür aber bleibt er stur.
       
       Schlemmer bricht mit seiner Entscheidung mit der Praxis seines Vorgängers
       Jürgen Herzing (SPD). Der ließ während seiner Amtszeit stets die
       Regenbogenflagge hissen. Seine Entscheidung begründete Schlemmer in einer
       [2][Pressemitteilung] zunächst damit, dass zentrale Fahnenmasten in
       besonderer Weise für die Gesamtstadt und für alle Bürgerinnen und Bürger
       stünden. Deshalb wolle er die offizielle Beflaggungspraxis auf staatliche,
       städtische und besondere hoheitliche Anlässe konzentrieren.
       
       Gleichzeitig betonte Oberbürgermeister Schlemmer: „Queeres Leben gehört
       selbstverständlich zu Aschaffenburg.“ Die Stadt beteilige sich mit
       verschiedenen Veranstaltungen am Pride Month, auch die Beleuchtung einer
       städtischen Brücke in Regenbogenfarben sei geplant. In einem [3][Statement
       auf Instagram] schob Schlemmer nach: Er wolle die queere Community nicht
       auf eine Flagge reduzieren und nicht den Eindruck erwecken, dass mit einer
       Beflaggung bereits etwas Wesentliches erreicht wäre. Zu einem Gespräch mit
       der taz war Schlemmer bis Redaktionsschluss nicht bereit.
       
       Sebastian Kraus, Vorsitzender des Linken-Stadtverbands Aschaffenburg,
       versteht Schlemmers Argument: Symbolpolitik allein nütze nichts, wenn
       gleichzeitig die Straftaten gegen Queere anstiegen. Trotzdem hält er es für
       falsch, die Flagge nicht zu hissen. „Sichtbar machen ist auf jeden Fall
       auch mehr als Symbolpolitik“, so Kraus weiter.
       
       ## Homophob beleidigt und bedroht
       
       Der CSD in Aschaffenburg wird vom Verein Rainbows organisiert. Kurz nachdem
       die neue Beflaggungspraxis bekannt gegeben wurde, veröffentlichte Sven
       Simon, ein Vorstandsmitglied des Vereins, ein Video: Darin berichtet er,
       wie er auf dem Nachhauseweg von einer Gruppe Männer homophob beleidigt und
       bedroht worden sei. Seine Vorstandskollegin Lisa Fürst sagt gegenüber der
       taz, ihr Verein könne keine vollumfängliche Einschätzung einer
       Bedrohungslage für queere Menschen in Aschaffenburg treffen. Viele
       Vereinsmitglieder hätten aber solche oder ähnliche Erfahrungen schon
       gemacht.
       
       Markus Schlemmer ist nicht der einzige konservative Politiker, der mit der
       Regenbogenflagge restriktiv umgeht. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
       lässt die Flagge anders als ihre Vorgängerin auch [4][in diesem Jahr] nicht
       am CSD, sondern lediglich am Internationalen Aktionstag gegen Homo-, Bi-,
       Inter- und Transphobie hissen. Vergangenes Jahr, als Klöckner ihre
       Flaggenpolitik zum ersten Mal anwandte, sagte Bundeskanzler Merz dazu:
       [5][„Der Bundestag ist ja nun kein Zirkuszelt.“]
       
       ## Versöhnlicher Gedanke, gefährliches Signal
       
       Der fränkische Stand-up-Comedian Markus Barth [6][kritisierte auf
       Instagram]: Die Flaggen-Entscheidung des Aschaffenburger Oberbürgermeisters
       sei ein „komplett unnötiger und sinnloser Beschluss“. Er lade den OB
       herzlichst dazu ein, „das Ganze wieder rückgängig zu machen“.
       
       Der Bitte kommt Markus Schlemmer nun teilweise nach. In einer
       [7][Pressemitteilung] gab die Stadtverwaltung Aschaffenburg am Mittwoch
       bekannt: Oberbürgermeister Schlemmer habe sich mit den Stadtratsparteien im
       Ältestenrat geeinigt, an zwei prominenten Stellen in Aschaffenburg die
       Regenbogenflagge zum CSD zu hissen. Bei der Fahnenstange am Rathaus bleibt
       Schlemmer aber stur – sie soll nicht zum CSD beflaggt werden.
       
       Lisa Fürst aus dem Vorstand der Rainbows sagte der taz, ihr Verein erkenne
       den versöhnlichen Gedanken des Oberbürgermeisters an. Trotzdem sende die
       Entscheidung Schlemmers ein „gefährliches Signal“, sowohl in Richtung der
       queeren Minderheiten als auch in Richtung der queerfeindlich Gesinnten.
       
       4 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.main-echo.de/region/stadt-kreis-aschaffenburg/ob-schlemmer-will-keine-regenbogenflaggen-an-aschaffenburgs-oeffentlichen-gebaeuden-und-plaetzen-art-8727710
 (DIR) [2] https://www.aschaffenburg.de/Politik-Verwaltung/Presse/Aktuelle-Meldungen/Regenbogenfarben-zum-Christopher-Street-Day.php?object=tx,4173.5.1&ModID=7&FID=4173.12348.1&NavID=4173.1098&kat=4173.1362
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/reel/DZCtdc2IifV
 (DIR) [4] /Regenbogenflagge-auf-dem-Bundestag/!6179226
 (DIR) [5] /Friedrich-Merz-Queerfeindlichkeit/!6094716
 (DIR) [6] https://www.instagram.com/reel/DZE5KToCvjY/
 (DIR) [7] https://www.aschaffenburg.de/Politik-Verwaltung/Presse/Aktuelle-Meldungen/Stadt-hisst-Flaggen-zum-Christopher-Street-Day.php?object=tx,4173.5.1&ModID=7&FID=4173.12366.1&NavID=4173.1098&kat=4173.1362
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Maier
       
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