# taz.de -- Umgang mit Ressourcen: Lücken im Kreislauf
       
       > Nach monatelanger Verzögerung hat das Kabinett ein Aktionsprogramm für
       > eine Kreislaufwirtschaft beschlossen. Kritik kommt gleich von mehreren
       > Seiten.
       
 (IMG) Bild: Plastikmüll über Plastikmüll? Das soll eine Kreislaufwirtschaft zum Beispiel verhindern
       
       Ein bisschen [1][Recycling] hier, ein bisschen Digitalisierung dort – und
       schon funktioniert eine Kreislaufwirtschaft? Laut Umwelt- und
       Wirtschaftsexpert*innen vernachlässigt die schwarz-rote
       Bundesregierung in ihrem Aktionsprogramm für eine Kreislaufwirtschaft
       essenzielle Punkte. Dieses hat das Kabinett am Mittwoch [2][nach
       monatelanger Verzögerung beschlossen.] Es soll die erste Phase der
       Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie einläuten, die noch die
       Ampelregierung auf den Weg gebracht hatte.
       
       Ein „gemeinsamer Weg aus Ökonomie und Ökologie“ soll mit der Strategie
       eingeschlagen werden, so der Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD).
       Dieser Weg besteht zunächst aus 12 Punkten, die bis Ende 2027 umgesetzt
       werden sollen. 260 Millionen Euro werden zunächst bis 2029 investiert. „In
       anderen Bereichen wird gekürzt, das ist hier nicht der Fall“, so Schneider.
       
       Der Rohstoffverbrauch soll sinken: von 16 auf 6 bis 8 Tonnen
       Rohstoffverbrauch pro Kopf im Jahr. Die Nutzung recycelter Materialien soll
       hingegen ansteigen: Eine Verdopplung des Anteils an allen verwendeten
       Rohstoffen bis 2030 ist vorgesehen.
       
       Außerdem geplant: mehr Unabhängigkeit durch das Recyclen kritischer
       Rohstoffe in Deutschland. Zudem soll Abfall reduziert werden. Das Konzept
       soll das Ende der linearen Verwendung von Ressourcen bedeuten, also der
       Abfolge von Herstellung, Nutzung und Entsorgung. Stattdessen geht es in
       einer Kreislaufwirtschaft nach der Nutzung in die Wiederverwertung.
       
       ## Keine festen Regeln für die öffentliche Beschaffung
       
       Die nächsten Schritte sind eine Plattform für die Zusammenkunft von
       Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Digitale Produktpässe mit
       Informationen über Reparatur und Bestandteile des Artikels sollen ebenfalls
       kommen.
       
       Auch nach Monaten des Hin und Her konnte sich Schwarz-Rot nicht auf feste
       Regeln zur Nutzung zirkulärer Produkte in der öffentlichen Beschaffung
       einigen. Zwar will die Regierung laut Aktionsprogramm ihren „Einfluss in
       den Aufsichtsgremien der Unternehmen mit mehrheitlicher Bundesbeteiligung
       in diesem Sinne“ nutzen. Eine verbindliche Quote gibt es aber nicht.
       
       Das stößt in der Nachhaltigkeitswirtschaft auf Kritik. „Solange die
       öffentliche Hand weiter ressourcenintensiv Primärrohstoffe beschafft, ohne
       Lebenszykluskosten oder Kreislauffähigkeit einzubeziehen, wird das mit der
       Kreislaufwirtschaft keine runde Sache“, so Katharina Reuter, Chefin des
       Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft. „Der Staat muss vorangehen – alles
       andere schwächt unsere Klima- und Innovationsziele gleichermaßen.“
       
       Der Bundesumweltminister ist mit dem Plan seiner Regierung zufrieden.
       Hervorgehoben wird nicht nur der umweltpolitische Gewinn, sondern auch der
       ökonomische. Die Hoffnung ist [3][eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit
       durch zirkuläres Wirtschaften] und die zunehmende Unabhängigkeit von
       Exporten.
       
       Kritik äußern jedoch auch Umweltschützer*innen. „Das Aktionsprogramm kann
       ein wichtiger erster Schritt sein“, sagte Rebecca Tauer vom WWF. „Damit es
       nicht bei Ankündigungen bleibt, muss die Bundesregierung jetzt
       nachschärfen: Es braucht klare Reduktionsziele, einen verbindlichen Rahmen
       und wirtschaftliche Anreize, die langlebige Produkte und Wiederverwendung
       zur ökonomisch besseren Option machen.“
       
       Zudem sei der Lösungsansatz des Recyclings zu präsent, obwohl diese
       Strategie weniger zielführend sei als Müllvermeidung oder Reparatur. Den
       Hebel des öffentlichen Einkaufs sehen die Umweltverbände grundsätzlich
       positiv, problematisch sei aber die Freiwilligkeit und die fehlende
       Ausschöpfung des bundesweiten Potenzials.
       
       Nicht nur von ökologischer Seite gibt es Zweifel. Die vom Umweltministerium
       in Aussicht gestellten wirtschaftlichen Vorteile der Strategie stellt der
       Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) infrage. „Das Aktionsprogramm
       ist zu unambitioniert und setzt kaum neue wirtschaftspolitische Impulse“,
       so BDI-Vizechef Holger Lösch.
       
       3 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Recycling/!t5011456
 (DIR) [2] https://www.bundesumweltministerium.de/pressemitteilung/mehr-kreislaufwirtschaft-staerkt-industrie-und-umweltschutz-in-deutschland
 (DIR) [3] /Umfrage-unter-Firmen/!6183720
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Charlotte Gabel
       
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